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Jeschurun · 1893-03-31 · 13 (31.3.1893) · p. Seite 196

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
13 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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u r n u. Nr. 13. Seite 196. -->7 I t s ch dem jüdischen Volke gegenüber gewaltet, wie von Gott gesegnet, lachende Fülle sich ansbreitct. Das Heine Holland, das die verfolgten Marannen freundlich ausgenommen, es lebt seitdem strotzend von Glück und Wohlstand; das weltbeherrschcnde Britannien, das dem Bibelvolke wohlgesinnt, es ist die Königin der Meere, über alle Weltteile sich ausbreitent); die großen nordischen Staaten der neuen Welt und die Kolonien des jüngsten Kontinentes, in denen wahrhaft religiöse Toleranz heimisch, haben es zu nie geahntem Reichtume gebracht. Diese Thatsachen stärken in uns den Glauben an die Menschheit, wenn mir nahe daran .sind, ihn zu verlieren. Wir durchwandern int Geiste die Welt, mit dem Stabe in Händen, den wir in der Peßachnacht sinnbildlich reisebereit hallen sollen und wir finden wieder den Glauben an die Menschheir, den Glauben an uns. ,,Mit dem Stabe in eueren Händen" erscheinet! Es ist der alte semitische Stab, aus dem, wie nuf dem Stabe Moses, der Namen Gottes prangt; der alte semitische Stab, der nicht zum Losschlagen, sondern nur zur Stütze benützt werden darf und kann. Es ist der Stab der Religion, auf den Jakob sich gestützt, als er in der Fremde war; mit dem Moses sein Volk geleitet, als es in der Wüste irrte; der dem Hohepriester erblühte als Zeichen seiner weihevollen Würde. Es ist derselbe, der nach der Legende von Adam ans dem Paradiese zum Tröste mitgenommen wurde, der von diesem zu Noah, Abraham, Josna ttnd schließlich itt Israels Hände kam, mit dem es die Welt durchwanderte. Während die Mordwaffen der Römer vor den Mauern Jerusalems rasselten, blühte der Stab in den Händen Rabbi Jochanan den Saklai's, als er unbeirrt vom Kriegslärm tausenden von Jüngern die religiösen Lehren einprägte. Während die Urgermanen in den finstern Wäldern ihr abgöttisches Unwesen trieben, lag der Stab in voller Blüte in den Lehrhäusern von Liberias, Sura und Pumbeditha. Während der Islam im Blute gewaltsam Bekehrter sich wälzte, begeisterte der Mosesstab die Dichterfürsten Gabirol und Jehuda Halevi. Als mittelalterliche Horden Länder verwüsteten, Scheiterhaufen im Namen der Religion der Liebe den Weltplan beleuchteten, schrieben, allen Gefahren trotzend, Arama und Abarbanell Kommentare zur Bibel, bauten Karo und seine Nachfolger die feste Ringmauer um dos nachexilische Judentum auf, als schützende Festung bis mm Ailfdämmern der humanistischen Zeit, in welcher die Blüten des Mosesstabes auch den andern Völkern wieder aufgeknospet sind. So haben wir uns den Glauben an die Menschheit in den bittersten Zeiten bewahrt, und dilrch denselben auch uns selbst rein erhalten. Und wenn wir die Anklagen unserer Feinde hören, daß wir Träger der Korruption sind, das arme Volk ausbeuten und bethören, seine Unkenntnis uub seine Not zu einer Quelle des Reichtums für uns gestalten, wenn wir die tugendsamen Prediger auf den Straßen vernehmen, welche in rührenden Worten das Volk ermahnen, die ,,Judenherrschaft" abzuschütteln, den Kampf gegen die Korruption aufzunehmen, so erinnern wir uns jener Erzählung, welche die Schriften unserer Alten uns aufbewahren. „Eine Städterin hatte einst eine Negerin als Magd, und als diese mit andern Mägden auf einem öffentlichen Platze zusammen kam, erzählte sie, daß ihr Herr seine Frau bald aus dem Hause jagen werde, um dann sie, die Negerin, selbst als Herrin einznführen. Nach der Ursache dieses Entschlusses befragt, antwortete die Magd, ihr Herr habe entdeckt, daß seine Frau schmutzige Hände habe." „Wie närrisch bitt doch du!" riefen da die Mägde der Negerin zu, „wenn dein Gebieter seine Frau verjagen sollte, wert sie einmal schmutzige Hände hatte, um wie viel weniger, wird er dich zur Herrin des Hauses machen, da du doch ganz schwarz und schmutzig bist!" Nein, fürwahr! wo die Feinde so beschaffen sind, braucht Israel den Glauben an die Menschheit nicht zu verlieren. Gewiß, sie wird sich anfraffen; noch steht zrvar der Tag stille und die Kläffer strecken die Hände drohend ans gen Zion und Jerusalem, indes schon fühlt man im Sturme das Wehen einer besseren Zeit, noch unklar in den Zielen, allein umfassend den ganzen Bestand der gegenwärtigen Ordnung. Täuschen wir uns nicht, die Welt wird bald zu entscheiden haben, über die wichtigsten Dinge, die je die Menschheit bewegt haben. Es ist ein neuer Stand, der aurückt mit seinen Forderungen, der nicht nach Land und Staat, nach Religion und Rasse, nach Station und Bekenntnis fragt, es ist die große Entscheidung zwischen Arbeit und Kapital überhaupt, ohne Unterscheidung, ob es semitischen oder arischen Ursprunges ist; das ist die Zeit, in der es sich nicht um Israel, welches jetzt nur als Aushängeschild für andere Bestrebungen benützt wird, handeln werde, sondern nur den Gesamtzustand der Weltordnung, in der die kleinlichen Bürgerherzen vor ganz anderen Problemen erzittern werden. „Da schlägt der Herr der Heerscharen nieder die Zweige und die hohen Wuchses sind werden niedergeschlagen, jedoch der Libanon, der fällt nur, wenn es der Mächtigste der Mächtigen will!" Fliehet dann ihr Schatten, die ihr den Horizont verdüstert; verschwindet in eure Höhlen, es leuchtet die Sonne, der Lenz erwacht, die Liebe erblüht und auf der Höhe der Entwickelung belvährt sich der Glaube an die Menschheit, der Israel nie verlassen hat. Jüdische Wundermäuner. J. Unter dieser Bezeichnung bringt Herr B. W. Segel aus Lemberg im ..Globus" Schilderungen aus dem Leben und Treiben des Chassidismus, wie es in den slavischen Ländern herrscht; der Verfasser hat bereits schon früher in der genannten Zeitschrift für Länder- und Völkerkunde eine Reihe jüdischer Märchen und Sagen aus jener Gegend gegeben und sich als einen gründlichen Kenner und scharfen Beobachter des Volkslebens erwiesen. Auch in den „Jüdischen Wundermännern" schildert er diesen Auswuchs des Judentums, den viele Leser dieses Blattes kaum dem Namen nach kennen weiden, recht anschaulich, und es dürfte ihnen nicht unwillkommen sein, einen Einblick in die dort herrschenden Verhältnisse zu thun, indem wir ihnen nach dem Artikel des Herrn Segel von jüdischen Wundermännern erzählen. Wenn auch im jüdischen Volksglauben sich seit jeher Männer finden, die durch die Kraft ihres Gebetes, oder durch Beschwörungen Wunder zu thurl sich fähig hielten,

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