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Jeschurun · 1893-02-03 · 5 (3.2.1893) · p. Seite 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
5 (3.2.1893)
Date
1893-02-03
Page
Seite 76 (sequence 12)
Language
German
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Seite 76. Nr. 5. ^Jeschurun. Gemeinde, Synagoge und Schule. , * Die General - Versammlung des ostpreußifchen Gemeinde Verbandes findet am Dienstag, den 7. März,! in Rastenbnrg statt. Über das Programm werden wir j noch Näheres mitteilen.! * Der Rabbiner der jüd. Gemeinde in Könitz hatte! bei der Stadtverordneten-Versammluug den Antrag gestellt,! ihn von der Zahlung der Kommunalsteuer entweder ganz! zu befreien oder ihn als Geistlichen oder Beamten mit nur! 2 Prozent zu veranlagen. Diesen Antrag hatte die Stadt-! verordneten-Versammlung beim Magistrat befürwartet; der Regierungs-Präsident hat jedoch erklärt, daß dieser Beschluß,! weil der Städtevrdnung widersprechend, ein gesetzwidriger sei, da der Rabbiner weder als Geistlicher noch als Be-! amter zu erachten sei. * h In Sarne, einem Städtchen bei Rawitsch, nehmen,! wie uns mitgeteilt wird, die wenigen jüdischen Schüler, j welche die dortigen evangel. Schulen besuchen, am evange-! lischen Rel.-Unterrichte teil, und zwar aus Furcht vor dem j Lehrer. Die dortigen jüd Eltern finden darin nichts böses | und meinen, zuhause werden sie schon den christl. R.-U.! wieder austreiben. Starke Logik! * Ir Aus Podzamtsche, Kreis Kempen, Prvv. Posen! wird uns geschrieben: Der Kreis Kempen, der an der; russischen Grenze liegt, laboriert an manchen Übelständen. So wird unseres Wissens an sämtlichen Schulen Preußens, in welchen sich selbst eine kleine Anzahl jüdischer Schüler befindet, derselben Religionsunterricht erteilt. In der Stadt Kempen existiert ein Progymnasium, eine höhere Töchterj schule, die beiden Schulen werden größtenteils von israel.! Schülern besucht und in beiden wird kein jüdischer! Religionsunterricht erteilt. Während dort einige! Schüler privatim Religionsunterricht sich aneignen, so können unsere Kinder einen solchen nicht erreichen, weil wir am hiesigen Platze nicht die geringste jüdische Lehrkraft besitzen.! Ünsere die hiesige evang. Schule besuchenden jüdischen Schüler, etwa 20, müsse n demnach ohne jeglichen Religionsunterricht aufwachsen, eine j Abhilfe könnte aber ohne große Opfer insofern geschehen,! wenn eine Lehrkraft aus einer Nachbaistadt etwa 2 mal! wöchentlich den Religionsunterricht erteilen würde. Unser! Marktflecken lWilhelmsbrück) liegt an der Bahn. Vielleicht! schreitet der Ausschuß des D. I. G. B. zu Berlin hilfsbereit ein, die hies. jüd. kl. Gemeinde dürfte wohl ihrerseits einige Opfer nicht scheuen. * Sowohl das Bezirksamt Schweinfurt, wie in zweiter > Instanz die unterfränkische Kreisregiernng hatte die Israeliten! in Theilheim für verpflichtet erklärt, zur Deckung der! Kosten für die Reparatur der katholischen Filial-! k i r ch c in Theilheim mittelst Umlagen beizutragen. Beide j Instanzen gingen hierbei von der Ansicht aus, daß die j politische Gemeinde Theilheim seinerzeit die Kirchenbaulast I übernommen habe, weshalb auch die Israeliten als Miti glieder der politischen Gemeinde umlagenpflichtig snen. z Gegen den Negierungsbescheid vom 4. Mai 1891 wurde! vom Handelsmann Lazarus Fink und Genossen beim Ver-! waltungsgerichtshofe Beschwerde eingelegt, in folge deren! die beiden vorinstanzlichen Beschlüsse dahin abgeändert wurden, i daß die Israeliten von Theilheim nicht verpflichtet seien, zu! den betreffenden Kosten beizutragen. * In der Rede, die Rabb. Dr. Schwarz aus Karlsruhe bei der Einweihung der Synagoge in Pforzheim gehalten und die jetzt — wie wir bereits mitzateilen wußten, im Druck erschienen ist, liest man folgende Stelle: „Wir sind und bleiben Semiten und wahrlich, wir sind stolz auf diese unsere semitische Abstammung, denn als Semitei.' haben wir — ich sage nicht der Welt einen Gott gegeben, sondern die wahre und klare Erkenntnis Gottes der Welt gebracht und erhalten. Ja wir sind und bleiben Semiten, aber wir sind und bleiben deutsche Semiten, denn deutsch ist unsere Bildung, das Deutsche ist unsere Muttersprache, wir reden deutsch, wir denken deutsch, wir fühlen deutsch, deutscher vielleicht denn mancher, der sich als Urgermane geberdet. Unser Glaube ist der jüdische, aber unsere Nationalität ist die deutsche, deß ist Zeuge unter anderem auch die Synagoge, in welcher bloß nicht deutsch gepredigt wird, sondern in welcher auch neben dein hebräischen Gebet das deutsche Lied Heimatrecht erlangt hat." * Das Ministerium für Kirchen- und Schulwesen in Württemberg veröffentlicht die einschlägige Statistik pro 1891/92. In den gelehrten Schulen finden sich 5978 Evangelische, 1940 Katholiken, 317 Israeliten und 17 anderer Konfessionen. Die höheren Mädchenschulen zählen 2967 evang., 722 katholische und 322 israel. Schülerinnen. Wenn man bedenkt, daß Württemberg unter ca. 1.900,000 evang. und kathol. Einwohnern nur 13000 Israeliten zählt, so sind die Letzteren unter diesen Schülern sehr stark vertreten. Anders ist das Verhältnis in den Volksschulen. Diese zählen 317 721 Schüler, darunter blos 812 israelitische. Die Zahl der israel. Schulen mit Elementarunterricht beträgt bloß 27, dazu eine Unterlehrer- und eine Lehrgehülfenstelle. Viele Gemeinden behelfen sich mit Religionslehrerstellen, und es dürfte, da kein Mangel an Schulamtskandidaten herrscht, Aufgabe der Israel. Oberkirchcnbehörde sein, auf die Vermehrung der Stellen mit Elementarunterricht bedacht zu sein. * Aus Tab in Ungarn wird der Allg. Jüd. Ztg. gemeldet, daß der Vorstand der Gemeinde und der der Chewra kadischa sich jüngst an die Grabstätte des vor etwa sechs Wochen verschiedenen Rabb. Wolf Bräuer begeben haben, um ihn um Verzeihung zu bitten wegen der Verunglimpfung (sio!), die ihm dadurch widerfahren ist, daß inan an seiner Bat re einen sogenannten navlogen Rabbiner Dr. Herzog aus Kaposwar, hatte sprechen lassen. — Die Kluft zwischen den „Alten" und „Neu" scheint in Ungarn noch größer zu sein, als hierzulande und der „Zopf" auch. * Über die amerikanischen Rabbiner urteilt Dr. G. Deutsch, Professor am „Hebrew Union Kollege" (Rabbiner-Seminar) in Cincinnati, wie folgt: „Wissenschaftliche Ausbildung und Charakter sind bei amerikanischen Rabbinern viel öfter unter dem Niveau als bei europäischen, doch ist nicht zu verkennen, daß die Dinge sich hier rasch und stetig bessern, was nach meiner Erfahrung in Europa nicht der Fall zu sein scheint. Die gesellschaftlichen Pflichten, welche hier einem Rabbiner obliegen, sind so erdrückende, daß ein Rabbiner ihnen nicht genügen kann, ohne seine beste Zeit diesem außerhalb der eigentlichen Aufgabe des Amtes liegenden Reprüsentationsbedürfnis zu widmen. Die Sitte der populärwissenschaftlichen Vorlesungen (Lectures) die sich auf alle möglichen Gebiete der Wissenschaft und des Lebens

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