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Jeschurun · 1893-02-03 · 5 (3.2.1893) · p. Seite 75

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Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
5 (3.2.1893)
Date
1893-02-03
Page
Seite 75 (sequence 11)
Language
German
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Seite 75. Nr. 5. | t f df Preußen 454, auf 100 jüdische Ehen 421 Kinder. Auf- - fallend geringer ist indessen die Kinderzahl bei Ehen zwischen j Inden und Christen, gleichviel, welches Eheglied jüdischer 1 Rasse ist, denn es kommen auf je 100 Ehen zwischen evangeli-; schen Männern und jüdischen Frauen nur 178, zwischen; katholischen Männern und jüdischen,Frauen nur 166, zwischen! jüdischen Männern und evangelischen Frauen nur 158, zwischen jüdischen Männern und katholischen Frauen mtr 138 Kinder. Als einzige Ursache der nachgewiesenen Uu-; fruchtbarkeit nennt die zitierte Zeitschrift den Rassenunter-; schied zwischen dem arischen und dem semitischen Teil einer solchen Mischehe. Die „Kreuzzeitung", die es doch sozusagen wissen muß, läßt sich über etwaige Neuwahlen zum Reichstage wie folgt ■ aus: „Die nächsten Reichstagswahlen, gleichviel aus , welchem Anlaß sie stattstnden, werden lediglich im Zeichen! des Antisemitismus stehen. Die Antisemiten haben, soweit wir sehen, eine umfassende Organisation über ganz Deutschland geschaffen und harren nur; erwartungsvoll des Augenblicks, tim ihre Kräfte mit den j anderen Parteien zu messen. Auch die Annahme trifft nicht! zu, daß es den Antiseniiten für den Fall allgemeiner Reichs- 1 tagswahlen an dem nötigen Gelde fehlen würde. Fa st in keiner Partei ist die Opferfreudigkeit so groß, a l s g e r a d e in der antisemitischen." — Man vergleiche damit den Passus in dem, von uns mitgeteilten Berliner Aufruf, wo von den geringen Mitteln, die der Abmehrbewegung zur Verfügung stehen, gesprochen wird! * Unter dem Titel „Antisemitismus und Christentum" befindet sich in Braunschweig eine Flugschrift unter der Presse, ivelche von dem früheren General-Hofintendanten des Prinzen Albrecht von Preußen, Freiherrn v. Löhneysen, verfaßt ist und sich die Aufgabe gestellt hat, „das Unmoralische; der antisemitischen Agitation vom Standpimkte der christlichen i Ethik zu beleuchten." Das Erscheinen, dieser Schrift ist j mit so beachtenswerter, als deren Verfasser ein Mann von. unzweifelhaft konservativer Parteistellung ist, der es unter-! nimmt, einer gerade unter seinen Parteigenossen gepflegten! Richtung entgegenzutreten und der damit ein anerkennensj wertes Beispiel von Charakterstärke und Unabhängigkeit der! Denkweise giebt. j * Nach einer Korrespondenz aus Württemberg in der „Köln. Ztg." ist der Abgeordnete Haug-Langenau aus j der deutschparteilichen Fraktion ausgetreten, weil er aus dem > „antisemitischen Standpunkt" steht. Sein Austritt sei j „ein erstes Wetterzeichen des auch bei uns heranbrausenden! antisemitischen Sturmes". — Die Württembergische Kammer hätte nun also die Ehre zwei Gesinnungsgenossen des Hrn. Ahlwardt in ihrer Mitte zu sehen: Essich und Haug. * In der am 21. d. M. in Wien stattgefundenen Plenar-! sitzung des Kuratoriums der Baron Hirsch-Stiftung! wurde auf Antrag des Vize-Präsidenten Herrn Dr Arnold j v. Rappaport an Stelle des verstorbenen Herrn Ritter v.! Fürth Herr David Ritter v. Gutmann per acclamationem ' als Präsident gewählt. Das Kuratorium stattete hierauf; Herrn Dr. v. Rappaport für die intermistische Führung der! Geschäfte den Dank ab und sprach zugleich den Wunsch aus, j daß sich derselbe auch ferner an der Seite des Präsidenten so verdienstlich wie bisher an der Leitung der Geschäfte des Kuratoriums beteiligen möge. r u n. * Rabb. Dr, Perls in Fünfkirchen wendet sich in einem dortigen deutschen Blatte gegen die Zivilehe. Er könne sich mit dem Gedanken nicht befreunden, schreibt Tr. S., daß die Ehe aus den Banden dir Religion geschieden und zu einem einfachen Vertragsfaktum erniedrigt werden solle. Er halte Ungarn für die Zivilehe noch nicht reif und die Einführung derselben entspreche keinem allgemeinen Wunsch. Die Juden sollten gegen dieselbe agitieren, denn man werde mit derselben eine Verschmelzung der Bevölkerung nicht erreichen. Zur Erreichung dieses Zweckes habe die Zivilehe noch nirgend gedient. — Sehr wahr! Ein Rundschreiben des russischen Ministeriums des Innern ist an alle Gouverneure und deren Unterorgane ergangen, in welchem eine strenge Beachtung der am 10. Juli 1865 und 3. Mai 1882 herausgegebenen Gesetze zur Schmälerung der Besitzrechte der Juden anbefohlen wird. Zugleich wird aufgegeben, alle Pachtverträge über unbewegliche Güter mit Juden, die nach dem 3 Mai 1882 abgeschlossen worden sind, zu vernichten. * Wie der Fürst von Montenegro der „einzige Freund", ist die rumänische Regierung die eifrigste Nachässeriu Rußlands in puncto Judenfrage. Aus Bukarest wird geschrieben: Das Recht, sich den Namen ändern zu dürfen, wurde von den rumänischen Juden besonders benützt. Nach einem im Senate vorgebrachten Gesetzesvvrschlage wird aber fortan jede Namensänderung mir Arrest und zwar von 6 Monaten bis zu 2 Jahren (!!) und mit Geldstrafen von 500 bis 2000 Franks bestraft. * Ein in Malta stationierter jüd. Marinesoldat aus England richtet an die „Jewish ChronicU" einen Brief, in welchem er sich u. a. wie folgt ausläßt: „Ich bin ein guter Jude, stolz auf meine Religion und ich mache durchaus keinen Hehl aus derselben. In der Kaserne ist man in dieser Hinsicht sehr aufmerksam gegen mich, und der Oberst fordert mich immer auf, die jüd. Festtage zn halten: am Bord Pin ich der einzige Soldat, der während des Gottesdienstes am Sonntag machen kann, was er will. Meine ^Kameraden haben die größte Achtung vor meinem Glauben und wenn Schweinefleisch auf dem Küchenzettel ist, bereitet man mir eine besondere Mahlzeil. Nie hat es Jemand gewagt, Proselytismus mit gegenüber zu machen, obwohl ich der einzige Israelit in dem Marinekorps hier bin. Auf dem letzten Schiffe wurde ich von dem Kapitän zum Lehrer der Schiffsjungen unter vielen Kandidaten bestimmt und in dieser Slellung hatte ich viele Unterredungen über meine Religion mit dem sehr ehrenwerten und würdigen Geistlichen des Schiffes." * Eine neue Verordnung des osmanischen Ministers des Innern verbietet allen Juden das Ankäufen und Erwerben von Ländereien und Häusern in den Städten sowohl als auf den Dörfern der Provinzen Syriens und Palästinas. Dieser harte Schlag trifft nicht nur die Juden, sondern auch in sehr empfindlicher Weise zahllose Andersgläubige, die viele Häuser und riesige Strecken von Ackerbauland besitzen. Denn diese Leute machten bisher so gerne Geschäfte mit den Israeliten, die ihnen ihre verwahrlosten aber fruchtbaren Felder und Wälder abkauften.

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