Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 5 (3.2.1893)
- Date
- 1893-02-03
- Page
- Seite 73 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 I e sch legstelle entlehnt ist, im Zusammenhang. Jedoch wird auf die Hauptstelle der Ton gelegt u. diese zum geistigen Eigentum gemacht. Die Kinder besitzen ein Heft zum Notieren des Spruches Diese Hefte sind Hilfsmittel sowohl bei der häuslichen wie auch bei der allgemeinen Wiederholung. Die Belegstellen zur Begründung der Wahrheit werden, wenn auch nicht alle in der Ursprache, dem Gedächtnisse eingeprügt. Das Memorieren hebräischer Sprüche fördert nicht bloß die Sprachkenntnis; es wird auch die Einsicht in die Belegstelle und die Beweiskraft bedeutend vermehrt. Die Stellen, die als Träger unserer Religion gelten, soll das Kind in der Ursache kennen und können. Zwar wird das Memorieren des Hebräischen anfänglich etwas Zeit in Anspruch nehmen, doch wird man in der Tiefe gewinnen, was man in der Breite verliert. Man beschränke in den ersten Jahren den Stoff; lasse eine Wiederholung desselben Stoffes aber mit einer Erweiterung der Belegstellen eiutreten. Hält der Lehrer auf ein strenger Momorieren — er nehme anfänglich diese Arbeit unter seiner Aussicht, erst einzelne unb dann im Chore vor, so wird er die angenehme Erfahrung machen, daß das Lernen des Urtextes leicht von Statten geht. Wer die Berse in der Ursprache und in der Übersetzung lernen läßt, wird noch die andere angenehme Erfahrung machen, daß sie länger haften und sicherlich mehr auf Gemüt und Leben wirken. Das Lernen und Behalten solcker Wahrheitssätze ist als hoffnungsvolle Ausfaat zu betrachten, welche nicht bloß für den Augenblick auf das Gemüt wirken, sondern auch für die Zukunft die erfreulichsten Früchte tragen. Bei der katechetischen Behandlung der Lektion lege der Lehrer möglichst die bibl. Geschichte als Anschauung zu Grunde; fte sei möglichst Anfangs- und Ausgangspunkt. Er verwerte passende Stellen it. Begebenheiten auch aus der nachbibl. Geschichte und Litteratur. Wer wollte bei der Einigkeit Gottes das Sterben des Rabb. Akiba unerwähnt lassen? Bei dem Kardinalpunkt unserer Religion, „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" das Begegnis des Heiden mit Hillel nicht wählen? Hier hat der Lehrer nochmals dankbare Gelegenheit, den Gang Gottes durch die Geschichte dem treuen und reinen Kindesauge lebendig vor die Seele zu führen. Das Kind erkenne in dem Wirken und den Gestaltungen der Zeiten das Wirken des ewigen Gottes. Dieses alle zusammen macht die Religionsstunde zu einer herzerhebenden und weihevollen Stunde Hat der Lehrer so gewirkt, so gilt von ihm das Wort: „Das Lernen der Thora bringt das Gottesreich"._ faimüenjfitimg. Dir Anialekitttschlacht. Bon Friedrich Saphra. In des Meeres tiefste Schlünde starb Egyptens Roß und Mann, Doch es dräut ein neu Berderben, denn Amalek zieht heran. Jene Räuberschar, die tückisch jeden Schwachen niederhieb, Der vom Zuge der Befreiten matt und schwach zurücke blieb. Und es sprach der Gottprophete: „Josua, du tapfrer Held, Wähle Dir beherzte Männer, zieh zum Kampf hinaus in's Feld — Dort, von jenem hohen Hügel will ich die Gebete senden Zn dem Herrn, der Volksgeschicke trägt in seinen starken Händen!" Josua und seine Mannen ziehen froh zum Kampf hmaus, Durch der Wüste stille Räume dröhnt ihr Sang wie Sturmgebraus : Wer kann wider uns bestehen, ziehest Du mit uns zum Krieg? Deine Rechte, Herr der Schlachten, schaffet Deinem Volke Sieg. u r n II. Seite 73. Aus der Wüüe Felsenbergen dringet vor der Feinde schwärm, Windesschnell sind ihre Rosse und m ihrem stark en Arm Schwingen Bogen sie und Speere — die Gewänder flattern wild,! Staub verhüllt die Sonnenscheibe! Wahrlich, ein erschrecklich Bild.! Von dem Hügel überschauet Moses bang die Kampfesflur, Ihm zur Seite zwei Genossen, Bruder Aron ist's und Hur- Da erdrönen die Posaunen — die Entscheidungsschlacht beginnt Israel, o Weh Dir, wehe, wenn Dein Femd den Sieg gewinnt! Wie die sturmgepeitschten Wogen wüteii in das Land hinein,; So nmbraust das Heer Amaleks Israels geschloffne Rech'n Und die Reihen wanken, weichen, ob des Stoßes Allgewalt, Und der Feinde Siegesrufen schaurig ans zu Moses hallt! Dieser hebet seine Hände zum Gebete himmelan: Wolltest Du dein Volk nicht bringen nach dem Lande Kanaan? Sollen höhnend die Egypter, wenn sie es vernehmen, sagen: : Weil der Herr sie haßte, ließ er durch Amalek sie erschlagen!" 1 Und noch eh' der Gottesdiener sein inbrüustig Flehn geendet, . Hat sich, wie durch Zauberwalteu, jäh des Kampfes Glück gewendet. Denn des Feldherrn Donnerstimmen hennnet das erschrockne Flreh'n : Vor den hergestellten Reihen muß der Feind zurück sich ziehen.; Da! — Aufs neu in grauser Schnelle brausen an die Reiterhorden, Flutend brechen sie die Reihen, es beginnt ein grausig Morden! Wiederum erhebt 'N Ängsten Moses feine beiden Hände: . i „Willst Du Herr Dein Volk vernichten, o, so sende auch mem Ende! Hast Du mich dazu berufen, daß ich es zum Tode führe? gedenke Deines Bundes, o erfülle Deine schwüre!" Da erdröhnt des Feldherrn Stimme durch das wogende Gewimmel Wieder schließen sich die Reihen und der Feind flieht im Getümmel. > Da durchzuckt den Gottpropheten plötzlich ein gewisses Ahnen:; „Dank Dir, hehrer Schlachtenlenker, nun verstehe ich Dein Mahnen, Soll Dein Volk den Sieg erringen und den rauhen Feind zertreten. Dann verlangst Du Gottvertrauen und ein innig starkes Beten. Und er reckt empor die Hände! — Was die Lippen flüsternd sagen. Hört nur der, deff' Hände mächtig der Nationen Schicksal tragen Immer heißer steigt sein Flehen auf zu Gottes Majestät, Flehensworte, andachtsschwellend, wie vordem kein Mensch gefleht. 1 Immer heißer glüht die Sonne, immer wilder tobt die Schlacht; Doch aus jenem hohen Hügel hält der Greis Gebeteswacht! — i Weh! da schlaffen seine Arme; die Erschöpfung zieht sie nieder,; Israel muß schmachvoll weichen und Amalek sieget wieder!; Doch die zwei Genossen wälzen einen Stein herbei zum Sitze,; Und den Armen des Propheten dienen sie^als starke Stütze —! Als sich nun der Tag gewendet und der Sonne Strahl verklungen , Ist Amaleks Macht zerschmettert und der blut'ge Sieg errungen! Auf der hohen Hügelspitze ruht erschöpft der hehre Greis, : In des Bartes Silberlocken rinnt die Dankeszähre heiß —! Freudenfeuer überstrahlen schier der Sterne Lichtgefunkel —! Aus dem Lager schallt der Jubel in das tiefe Wüstendunkel. > * j Mann des Glaubens, Mann des Flehens, 1 Wirst Du droben bittend stehen Vor dem Strahlenthrone Gottes Für Dein Volk um Sieg zu stehen?! Denn noch immer kämpft es mächtig! Gegen eine ganze Welt! — Halte hoch des Flehens Hände Und wir siegen, Gottesheld.