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Jeschurun · 1893-02-03 · 5 (3.2.1893) · p. Seite 71

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Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
5 (3.2.1893)
Date
1893-02-03
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5, Seite 71. I e s ch Jupiters, und 3 2. als Gorgias das Heer der Juden überfallen will. Hingegen das genannte zweite Buch der Makkabäer, das einer viel späteren Zeit angehört, nennt sie stets Juden, jedoch im Gebete und in Anreden Israeliten. — Seiner־ kenswert ist, daß in diesem "uche auch zum ersten Male das Wort Judentum vorkommt, nämlich b /o׳jdacdaZ fäap. 8. B. 1. Ja selbst die Zusätze zum Buche Esther, da sie meistens Gebete enthalten, sprechen nur von Israeliten. L. P Die Bedeutung des Judentums in religiöser, sittlicher und sozialer Beziehung. Von I. Niemirower und Max Beermann. (Schluß.) Noch auf einen andern Vorzug unseres Glaubens wollen wir hier Hinweisen, auf Israels Auffassung von der Armut und vom Almosen. — Es ist fürwahr nicht bloßer Zufall, wenn die hebräische Sprache sich desselben Wortes Zedakah, das Recht bedeutet, zur Bezeichnung von Almosen bedient. Der Gedanke der darin liegt, ist leicht aufzufii'.den. Es ist eben das gute Recht des Armen, was Du ihm giebst. Was Du mehr hast, hat er weniger. Nicht Dein ist darum dieser Überschuß, Gott hat ihn Dir zum Lehen gegeben, damit Du es zur rechten Stunde dem wahren Eigentümer zustellft. Diesen Gedanken treffen wir überall im jüdischen Armenwesen, nicht als schöne Phrase, sondern zur lebendigen Thal gereift. Alle jene großartigen Institutionen, die im alten Israel dazu bestimmt waren, das Elend zu lindern, oder vielmehr es garnicht erst zum Elend kommen zu lassen, der Zehent der Armen, die Ecke des Feldes, die Nachlese, die vergessene Garbe, all das war nicht etwa ein Geschenk, das der Reiche dem Armen gab, es war sein gutes Recht, sein von Gott ihm zugewiesener Besitz. Daher auch die Bestimmung der Halachah, daß der Reiche kein freies Verfügungsrecht haben durfte über diese Abgaben. Diese Idee ist dem Judentum so in Fleisch und Blut übergegangen, daß der jüdische Volksmund gar nicht! das häßliche Wort ״Bettler" kennt; אורה Gast, Gastfreund nennt der Israelit den Armen, den er in sein gastliches Haus führt. Die jüdische Wohlthätigkeit nimmt dem Armen j die Bitterkeit und Schande und den Reichen den Stolz und den Hochmut, sie lehrt uns eben den Menschenadel auch im Bettlergewande achten und hilft so ihrerseits in nicht zu ( unterschätzender Weise die soziale Frage zu lösen.-; Die Barmherzigkeilslehre des Judentums vereinigt in! sich die Vorzüge der christlichen und der griechischen. Die Lichtseite der griechischen Barmherzigkeit, die als Freigebigkeit bekannt ist, besteht in ihrer Natürlichkeit, und ihre Schattenseite in ihrer Öffentlichkeit; der Grieche ist nicht freigebig aus Pflicht, sondern aus Interesse. Seine Freigebigkeit bezweckt nicht Erhebung des Empfangenden, sondern des Gebenden?) Der Vorzug der christlichen Elecmosyne , besteht in der geheimen Stille, mit der der gute Christ feine! Wohlthaten erweisen soll. j Und wie in dieser Beziehung so auch in staatlicher. — Das Judentum ist eine durch und durch demokratische Religion, mag es auch König und Priestertum anerkennen. u r u n. Kr- 1 Denn die Priesterlichkeit eines jeden Israeliten, wird in! der jüdischen Litteratur unzählige Male betont.! □ואת מ־ תהיו לי ממלכת כהני . Ihr sollt mir sein! ein Reich von Priestern heißt es im 2. Buche Mosis. z Auch in sozialer Beziehung kennt das Judentum den Wert j der Menge au. Das spricht sich in den Worten Ben Somas aus. ״Wie viel Mühe hatten doch die ersten Menschen; bis sie nur ein Stück Brot essen konnten, i t) aber finde 1 mein Brot und ollle köstliche Speisen ohne viele Mühe." Es ist damit die Wahrheit ausgesprochen, daß der Einzelne von der Gesamtheit abhängig sei und dem arbeitenden Volke! zu Dank verpflichtet sei. Düse demokratische Art des Judentums ist der beste; Gegenbeweis gegen diejenigen, die Israel als einen Zweig! des großen orientalischen Völkerbaumes betrachten und meinen, Israel stimme mit diesen moraenländischen Nationen in den Grnndzügen überein, d. h. in Abgeschlossenheit, Fortschrits-; Unfähigkeit 2c. In einen berühmten Ausspruch sagt Herr von Treitschke,daß man auf den Orient mit großem Rechte das Wort des Läugers anwenden könne: Tausend Jahre sind in Deinen Augen wie ein Tag." Wie geistreich und treffend dieses Wort auch im allgemeinen ist, in der Geschichte des Judentums wird es durch die Thatfache widerlegt. Ist etwa einem Volke, das sich das Beste aller Völker und aller Zeiten aneignete und zur Kultur und Zeitbildung redlich beigetragen, den Vorwurf zu machen es habe sich abgeschlossen? Nicht das Judentum schuf die Männer des Ghetto, sondern es durchbrach sie. Ist etwa ein Volk, das an der Spitze aller Fortschrittsbewegungen stand und steht, fortschrittsunfähig zu nennen? Man kann mit Recht sagen, daß die Bedeutung Israels in sozialer Hinsicht grade in seinen Orietasiscb-europäischen Wesen, in seiner Vereinigung des Ideale mit dem Realen beruht. Dieses doppelseitige Gepräge trügt auch der Sabbat, jene soziale Institution, die auch in nichtjndischen Kreisen immer fester ausgestaltet wird, an sich auf der einen Seite körperliche Ruhe, auf der andern Seite geistige Erhebung.^) Diese Versöhnung zwischen Idealismus und Realismus zwischen Recht und Liebe, zwischen Geistesaristokratie und Demokratie (:שלוב) ist die Inschrift der dritten welttragenden Säule O-snrillubll Chassadim. Und diese Säule ist stark und schön, da sie die rechte Liebe darstellt, die nicht beschränkt und nicht begrenzt ist, die alle Stände, den Kapitalisten wie den Arbeitern, die Armen wie die Reichen mit einander versöhnt. Aus unseren Ausführungen wird der Leser die Antwort gefunden haben, auf die in der Einleitung gestellte Frage von der Existenzberechtigung und Bedeutung des Judentums im Leben der Gegenwart. Es ist klar, daß eine Religion, die das Diesseits und Jenseits schätzt, ein wahrhafter ״Baum des Lebens," ein Glauben, der so voll und ganz mit der Vernunft übereinstimmt, eine ״Lehre des Lichtes," ein Bekenntnis, das glücklich dem sozialen Elend abzuhelfeu weiß, eine ״Quelle des Heils" genannt zu werden verdient. Drum, Israeliten, ergeht an uns die Mahnung לכו ונלכה באףף Auf laßt uns wandeln im Lichte Adonajs! *) Selbst Herr v. Treitschke bemerkte nenlih in seinem Vortrage: Das Judentum verdiente schon deshalb den Dank aller gebildeten, weil es den Sabbat erfanden. '׳) Siehe Panlsens Ethik.

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