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Jeschurun · 1893-02-03 · 5 (3.2.1893) · p. Seite 69

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Journal
Jeschurun
Volume
1893
Issue
5 (3.2.1893)
Date
1893-02-03
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 Seite 69. -s^Ieschurun. daß diese Schilderungen öffentliche Kundgebungen von! seiten der Pharisäer gewesen, um ihre Anschauungen den! Meinungen der Sadduzäer gegenüber siegreich dnrchzusetzen und im Volke zu festigen. Die Mischna hat daher in den Kampf der beiden Parteien ihren Ursprung, denn der Streit der Meinungen hatte die Pharisäer veranlaßt, das Bestrittene zu fixieren. Dies weiß der Vers, bei den ein-! zelnen Stücken überzeugend nachzuweisen, wodurch erst seine j aufgestellte These von einer verhillelitischen Mischna ins rechte Licht gerückt wird. Doch nicht bloß bei diesen öffentlichen Kundgebungen ließ man es bewenden, auch die Einzelsatzungen der Ent- . scheidungen, die im gegeusaddnzäischen Sinne gefaßt worden, wurden gesammelt und festgestellt, unb diese bilden nunmehr den zweiten Ansatz, welche den oben bezeichneten Stücken, den Urmischna's angereiht worden. Natürlich berühren die Streitpunkte vornehmlich das gottesdienstliche Leben und j das Strafverfahren. j Nachdem sich so ein Grundstock durch den beiden Lage-! rungen der gegeusaddnzäischen Kundgebungen und Halacha's > sich gebildet, kamen neue Ansätze als neue Bestandteile hinzu. Dem Festopfer ging der Tamid voran und dazu gehörte zu dieser Zeit das Schemalesen und der Priestersegen, und so wurde in der nächsten Zeit den oben bezeichneten Schilderungen des Tamid und Pessachopfers die Abschnitte von Berachoth, welche die betreffenden Gebete behandeln, vorangestellt. Es ist darauf zu achten, daß die Zeitbestimmung! des Schemalesens in Verbindung mit Opfern und Opfer-! gebräuchen gebracht ist. ein neuer Beweis für die These des Vers., daß diese Bestimmungen lange vor R. Akiba zur Zeit des Tempelbestandes festgestellt und als halachische Satzung vorgetragen wurde. Für diesen dritten Ansatz war für die Aneinanderreihung die Schriftordnung maßgebend. Der Kampf hatte mit den Sieg der Pharisäer geendigt,! der Sadduzäismus ist aus Gerichtshof und Lehrhaus hinausgedrängt, doch wird nunmehr die Feststellung der Halachagebiete fortgesetzt, der Schrift folgend wird alles, was streitig und zweifelhaft war, behandelt, das Feststehende! wird übergangen und als dritte Schicht kennzeichnen sich! Abschnitte in Berachoth, Schekalim, Succa, die ältesten Be- I standteile von Taanith, hier fand auch seine Stelle, und dieser Zeit verdankt wohl Erachin und Temnra ihr Entstehen, welche Teile dann die sichtende Thätigkeit der Tanaim, welche die Gleichheit der Gegenstände vor Augen gehalten, der Ordnung Kodoschim eingereiht. Doch allmählich hört die Schriftvrdnnng ans für die Aufeinanderfolge allein maßgebend zu sein. Da die Mischna auswendig vorgetragen wurde, so suchten die Lehrer nach Hülfsmitteln, um das angehäufte Material dem Gedächtnisse! einzuprügen, und so werden nun verschiedene Gebiete durch! äußere Merkzeichen ineinander verschlungen und zusammen- I gekittet. So entstehen die Zahlenmischnas, in denen ver- > schiedenartige Gegenstände znsammengetragen, die Zahl dem Gedächtnisse nachhelfen sollte — wird die Merkl mischna am Anfang oder Schluß der Sedarim, — so wie sie! sich bis dahin gebildet, — welche zumeist später in den Schulen! Hillells und Schammai's entstanden,' um den Schülern die! Übersicht über die Gesamtvrdnnng zu erleichtern. Eine eigentliche ordnende Thätigkeit, da die Gleichheit der Gegenstände bestimmend für die Behandlung und Erörterung wird, tritt zielbewnßt erst bei Hillel und Schammai und bei deren Schülern hervor. Neue Gebiete werden dadurch der Halachasorschnng zngezogen, der Gegensatz der beiden Schulen hat außerordentlich anregend auf die Weitcrentwickelnng eingewirkt. Nun sind nicht mehr das öffentliche Leben uub die gottesdienstlichen Handlungen des Tempels Gegenstand der Beratung, sondern auf das häusliche Leben und den Gottesdienst des Einzelnen richtet sich das Augenmerk. Den Schulen von Beth Hillel und Beth- Schammai verdankt die Ordnung Seraim außer den bereits vorhandenen Bestandteilen Berachoth ihr Entstehen, und auch die Traktate Sabbat, Beza, die jüngeren Teile in Pes. und Succa will der Vers der Thätigkeit derselben znschreiben. Einen neuen Ansatz bildet die Gruppe der Halachoth, die an jenem denkwürdigen Tage, der bitrd) „bo bajom“ bezeichnet wird, festgestcllt worden. Bekanntlich wurde am selben dem Rabban Gamliel I. die Nassiwürde entzogen und das Synhedrialpräsidinm dem jitgendlichen Eleazar b. Asarja übertragen, so daß die betreffenden Entscheidungen ein bestimmtes historisches Datum tragen. In eingehender Beweisführung sucht der Vers, nachdem er all die zerstreuten Halachoth, die auf jenen Tag Bezug nehmen, znsammengestellt, ttachznweisen, daß alle an jenem Tage getroffenen Bestimutnngeil mit dem Reinheits- und Opferritual in Verbindung stehen mib führt eine Reihe von Midraschstellen zur Bekräftigung seiner Behauptung herbei. Aus den letzteren geht klar hervor, daß nach der Zerstörung des Tempels man sich mit der Hoffnung getragen, ja der sicheren Erwartung gelebt, daß das Heiligtum, wie schon früher, bald wieder errichtet werde, warum auch in den Vordergrund der Erörterung, die das Heiligtum betreffenden Gesetze stehen. Die Vermutung ist daher vollständig berechtigt, daß die Ausgestaltung der Kodoschim und Tohoroth- Ordnnngen in der Zeit nach dem Untergange des Tempels 'füllt, und an jenem „bo bajom“ ihren Abschluß gefunden. Die jüngsten Bestandteile der Mischna sind die Naschim und Nesikinordnungen, welche die wenigsten Unregelmäßigkeiten aufweisen, ja die Gesetze über Mein und Dein in der Nesikniordnung werden vollständig sachgemäß behandelt. In diesen scheint die Darstellung des Gesetzes Selbstzweck zu sein, denn die Gesetzesforschnng war schon in ein System gebracht, die Darstellung ist auf dem Höhepunkt ihrer Entwickelung angelangt. R. Akiba und seine Jünger haben das Material dieser Ordnungen dem Bestehenden zugefügt. — So sehen wir nun das ganze Material zusammengetragen, welches nunmehr nur noch auf die Hand des letzten Redakteurs harrt, der die Grenzen der Massichtoth und Sedarim ziehen konnte, doch die festgekitteten Massen, v'ie sie im Laufe der Zeit sich gebildet, in ihrer überlieferten Form beibehalten mußte. Nur so findet das scheinbar Unregelmäßige seine natürliche Erklärung, und der Zusammenhang der Mischna ist anfgehellt und klargestellt. Der Name „Jude." Der zahlreiche Volksstamm, der aus den Nachkommen Jakobs sich entwickelt, führt in den heiligen Schriften stets den Namen der Söhne Israels, hier und da werden sie Hebräer genannt. Wieso kommt es, daß sie ihren Namen ganz und gar verändert, den alten Volkstitel im gewöhnlichen Leben gegen einen Stammnamen, Inden, vertauscht

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