Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 5 (3.2.1893)
- Date
- 1893-02-03
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Seite 66 I e s ch u r u n. r<- fand er Anklang und Zustimmung auf der rechten Seite, „daß l eine gewisse Art antisemitischer Gesinnung vielleicht bei allen! Parteien verbreitet ist. Ich habe sie nicht Eine gewisse Ab- I neigung gegen einzelne, besonders bei den Inden wiederkehrende , Eigenschaften wird bei vielen nicht überwunden durch die An-? erkennung unzweifelhafter Borzüge der Juden, meines Erachtens sehr mit Unrecht."! Aber die zustimmenden Kundgebungen von rechts der-! stummten, ak' Abg. Hobrecht fvrtfnhr: „Wenn irgend ein Volk seine Schäden und Gebrechen an-! erkennt und bereit ist an der Verbesserung mitznwirken, so ist! es gerade bei den Inden der Fäll. Sie haben sich uns Deuti scheu ganz besonders angeschlossen; es ist wahr, sie haben ihren j vollen Anteil an unserer Ehre, unserem Ruhm." — Und als > er seine Rede schloß mit den Worten: „Ich habe nicht zu richten! zwischen Antipathie und Sympathie, aber diese antisemitische! Bewegung, wie ich sie gekennzeichnet habe, bat mit jener Anti-! pathie nichts zu thnn. Dieser Antisenntismns. von dem wir! uns nicht schroff genug trennen können, er ist nicht edel, nicht! deutsch, nicht christlich," — als er also schloß, begleitete ihn der lebhafte Beifall der gesamten Linken, während die Rechte sich verhielt, wie die Herren am Ministertisch: — stumm, wort- und larttlos. * Trefflich und gediegen sprach der Abg. Alex. Meyer, , und warmtvnig wie iminer der ltnermüdliche Rickert.! „Ich behaupte," sagte der Abg. Dr. Meyer u. a., „die! gebildeten, wohlmeinenden Inden, die in unserer Mitte leben, | sagen: Wir wollen Deutsche sein, nichts als Deutsche, wir! wollen vollständig dieselben Interessen, dieselben Ziele haben, j wie jeder andere Deutsche^ nur das behalten wir uns vor, wir i halten fest an unserer Religion, an unserem Bekenntnis, — können! Sie darin ein Unrecht erblickend Können Sie behaupten, es j liege in der jüdischen Religion irgend ein Satz verborgen, der i den Ansprüchen unserer modernen Kultur, unserer Sittlichkeit! widerspricht? Es giebt nur zwei Böller der alten Zeit, deren geistige : Thaten fortgewirkt haben bis ans den heutigen Tag, es sind die Griechen, die uns erfüllt haben mit ihren Anschauungen von Wissenschaft und Kunst, es sind die Inden, die uns er-! füllt haben mit unseren Anschauungen über Sittlichkeit, welche! Giltigkeit behalten haben bis ans den heutigen Tag. und noch; beute von den Kanzeln verlesen werden als ein unübertroffener; Kodex menschlicher Sittlichkeit für alle Zeiten." , Selbstverständlich ist es, daß auch der Talmnd in; dieser Debatte hatte herhalten müssen. Abg. Meyer bej schäftigte sich mit ihm. „Mir ist gesagt worden, es befinde sich im Talmnd man-! ches Verwerfliche, aber auch manches, was für alle Zeiten mnstergiltig sei. Ich darf vollständig dahingestellt sein lassen,! ob dieses Urteil ein begründetes ist oder nicht. Ich bestreite l jedermann die Berechtigung, das heutige Judentum zu beurteilen auf Grund der Anschauungen, die im Talmud niedergelegt sind. Der Talnmd ist ein litterarisches Sammelwerk, , dessen neuester Teil jetzt wohl über, 800 Jahre alt ist, und für ' niemand mehr eine Gewissensverbindlichkeit besitzt. Ich habe! es von jeher für ein unerlaubtes Kampfesmittel gehalten, wenn man den heutigen Katholizismus beurteilt nach den Niederschriften von Schriftstellern, die nur 200 Jahre alt sind — nur 200 Jahre und doch veraltet. Ich halte es für ein um so * größeres Unrecht, wenn man das heutige Judentum beurteilt nach Niederschriften, die vor über acht Jahrhunderten gemacht worden sind, und über deren dogmatische Unverbindlichkeit in ( den berufenen Kreisen kein Zweifel besteht." * Stärker, der Wahrheitsfrennd, benutzte diese Gelegenheit, um uns die Hölle heiß zu machen, wenn wir Inden bleiben, um jedoch uns den Frieden, jen- und diesseits, zu verheißen, so wir Christen werden wolle». Denn zu wiederholten Avalen pries er die „ehrliche" Jndeiltaitfe, und sein Leiborgan echote an demselben Tage in gleichem Sinne: „Sv lange sie (die Inden) sich als Feinde des kirchlichen Christentums, des deutschen Volkstums betragen, soll man sie mit Energie bekämpfen; treten sie aber durch die ehrliche Taufe in imfere Religionsgemeinschaft über und beweisen einen christlichen Wandel, so hat der Kampf gegen sie zu ruhen." Darob zitterten alle Geschäftsantisemiten. Denn wenn sich die Juden taufen ließen — wovon sollten jene Biedermänner nun leben? Und darum sucht der neueste Theologe, Mühlentechniker Th. Fritsch, seinen Gesinnungsgenossen nahe zu legen, wie thöricht die „Bekehrung" der Juden wäre. Dieser Thevlog stellt zunächst fest, daß der jüdische Gott nicht der der Christen sei. „Der Jahweh der Jaden bleibt ein nationaler Sonder-Gott, der nichts von einer Liebe für alle Menschen weiß, nur auf das Wohl and den Nutzen seines Sonder-Bolkes bedacht ist. Dem Vorteile, der Bereicherung und der Herrschsucht seines Volkes orfert der Juden-Gott alle übrigen Völker; er giebt sie der Unterjochung, Ausbeutung und Vernichtung preis. Im A. T. laufen noch einige arische Einflüsse unter, die dem Wesen der Gottheit eine allgemeiner und höhere Bedeutung geben; darum ist dort das Bild etwas verworren. Aber da, wo der Inden- Geist sich in seiner ganzen Nacktheit offenbart, — i m T a l m u d, — tritt der jüdische Gott mit seinem dämonischen Menschen- Haß, seiner Rachsucht und Z e r st ö r u n g s - W u t erst in die volle Erscheinung." — Und weiter: „Die Juden verehren nicht den Geist der Liebe und Wahrheit, sondern den Geist des Hasses, der Hinterlist und Falschheit; sie sind nicht das Volk Gottes, sondern das Volk des Teufels. Die jüdische Terminologie, die alle Dinge auf den Kopf stellt,' sagt auch hier nur die Wahrheit, wenn mau sie umkehrt. Mit Schaddai — d. ist Seth — Satan — schloß Abraham seinen Bund, d. h. er verschwur sich dem Grundsätze, mit List und Trug sich durch die Welt zu schlagen: verschrieb sich und seine Nachkommen dem Teufel." Und von der Angst gefoltert, die Juden könnten sich taufen lassen, ruft Fritsch ans: Lasse man endlich das thörichte Geschwätz von „Juda, dem Volke Gottes"; es ist eine himmelan stinkende Lüge! Wer sie das „Volk des Teufels" nennt, der trifft haargenau das Richtige. — Und ihr wollt sie taufen? — Werdet ihr nicht auch den Teufel taufen wollen, wenn er mit gleißender Miene zu euch kommt? — Hütet euch, daß ihr heilige Dinge nicht znm Gespött machet?" — Der Schluß ist klassisch. Die Taufe ist ein heilig Ding, Gott aber nicht! Hätte jemand ähnliches über den heiligen Rock — ich wage nicht einmal das eine Wort mit Anführungszeichen zu versehen! — zu Trier geschrieben — zwei Monate Gefängnis wären ihm sicher! * Jenseits des groß en Wassers macht man keinen Unterschied zwischen „Ariern" und „Semiten", sondern die Gegensätze bestehen dort in der Bezeichnung als Jew oder Amerikan was denselben Effekt macht, wie der von unseren Gegnern konstruierte Gegensatz. Einen kleinen Einblick in die Amerikanischen Verhältnisse gewähren die oft recht interessanten Briefe, die Dr. G. Deutsch nach Deutschland sendet. In seinem letzten Briefe schreibt er u. a.: „Aus einem konfessionellen Grunde . kann es nicht erklärt werden, daß die Juden überall jüdische Geselligkeitsvereine haben, da doch der orthodoxeste Jude kaum einen Grund dafür nnssen dürfte, daß Juden nur mit einander Karten und Billard spielen und nur bei jüdischen Restaurateuren t rep ha essen dürfen Ein Methodistenpredige", den ich über II Corinth. 11, 22. „Sind sie Hebräer? Das bin ich auch", predigen hörte, stellte seinen Zuhörern eindringlich vor, den Hobre^v (Hebräer) nicht zu verachten, weil er kein American sei. Diese Rede hätte offenbar nicht gehalten werden können, wenn das getadelte Vorurteil nicht vorherrschend wäre. . . . überdies giebt es Klubs und Sommerfrischen, bei denen