Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1893
- Issue
- 5 (3.2.1893)
- Date
- 1893-02-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 5 Königsberg i. Pr., den 3. Februar. 1893 AU AI GW. Erscheint an jedem Freitag. Zu beziehen durch die Post, die Expedition uuo alle Buchhandlungen des In- und Auslandes. Preis vierteljährlich 2 Mark. Herausgeber: A. Kevin in Tilsit. Anzeigen die viergespaltene Petitzeile 20 Psg. Beilagengebühr nach Übereinkunft. Inhalt: Wochenübersicht. David Cassel. Nekrolog von Dr. Ad. Jellinek Über den Zusammenhang der Mischna. Bon Rabb. Dr. Elsaß (Landsberg a. W.) Die Bedeutung des Judentums' IV. Bon stud. phil. I. Niemirower und M Beerman (Berlin.) Die Berücksichtigung des Gebetbuches. Von A. Heilbrunn. (Gehaus.) Die Amalekiterschlacht. Von F. Saphra (Lemgo). Die versäumte Post als Heiratsvermittlerin. Bon I. Pierrefine. Kleine Chronik. — Lose Blätter. — Für und Wider. — Kritische Blätter — Jüdische Gedenktage. — Brief- und Fragekasten. —Anzeigen. — * Tilsit, den 30. Januar. Eine frische, fröhliche Judendebatte hat es am Sonnabend im preußischen Abgeordnetenhause gegeben. Die Schlacht eröffnete Graf Limburg-Stirum mit einem Ausfall gegen die Haltung des „Reichsanzeigers" in Sachen Bismarck, des Welfenfonds, und namentlich des Verweises gegen den Landrat von Bornstedt-Friedeberg, der einen Wahlaitfruf für Ahlwardt unterzeichnet hatte. Damit war das Signal zu einer ausgedehnten Debatte über den Antisemitismus gegeben, in der auf der einen Seite Rickert, Doktor Meyer und mit großer Entschiedenheit auch der nationalliberale Abg. Hobrecht das Gebühren der verschämten und unverschämten Antisemiten geißelten, während auf der anderen Seite die Herren von Minnigerode, Stöcker und der brave Cremer sich ihrer antisemitischen Haut wehrten. Abg. Hobrecht berührte auch die in der politischen Tagespresse ventilierte Assaire Strack. Der konservativ-orthodoxe, aber wissenschaftlich ehrliche Professor der Theologie Dr. Hermann L. Strack hat in einer soeben erschienenen Broschüre die Frage zu erledigen gesucht, 'ob „die Juden Verbrecher von Religivnswegen genannt werden dürfen". Um diese Frage zur Entscheidung zu bringen, hatte Verfasser am 16. Juni 1892 eine Eingabe an die Staatsanwaltschaft beim Landgericht 1 gerichtet, in welcher der " ntrag gestellt war, die Urheber und Verbreiter des berüchtigten „Talmud-Auszuges" zur Verantwortung zu ziehen.. Der Antragsteller und seine Genossen sagen in ihrer Eingabe, „wenn die Behauptungen des Flugblattes wahr sind, so muß gegen das Judentum als solches von Staatswegen eingcschritten werden; wenn sie aber nicht wahr sind, darf ihre Verbreitung nicht ungehindert bleiben." Herr Strack legte zur Begründung seiner Forderung seine vielgenannten wissenschaftlichen Widerlegungsschriften gegen Rohling, Ecker und Justus-Brümann vor. Da bis znm 19. Juli noch keine Antwort eingegangen war, machte Herr Strack eine Ergünzungseingabe, in welcher er der Staatsanwaltschaft weiteres Material zur Beurteilung der Ritualmord-Frage zur Verfügung stellte. Hierauf erging am 4. September ein ablehnender Bescheid. Ebenso lehnte, auf erhobene Beschwerde,-die Oberstaatsanwaltschaft die Einleitung des Strafverfahrens ab. Herr Strack wandte sich nun am 30. Oktober mit einem Beschwerdebrief an den Herrn Jnstizminister. Er beantragte, die Hersteller und Verbreiter jenes aufreizenden Schriftstückes zur Verantwortung zu ziehen und begründete seine Bitte um Gerechtigkeit mit dem Hinweis auf jene vielgenannten Flugschriften, „die geeignet sind, zu Gewaltthürigkeiten aufzureizen". Am 19. Dezember ergeht der Bescheid ohne ein weiteres begründendes Wort, daß Herr v. Schelling „nach Prüfung der Sachlage keine Veranlassung finden kann, die Verfügung des Staatsanwalts zu Berlin vom 23. Oktober im Aufsichtswege abzuändern." * Diese Angelegeilheit streifte der nativnalliberale Abg. Hobrecht, allein er erhielt vom Ministertische keine Antwort. Er apostrophierte daher die Regierung noch schärfer, indem er mit glücklichem Hiunor hinzllfügte: „Ganz dasselbe sehen wir bei chinesischen Gelehrten, welche aus unseren (christlichen) heiligen Büchern chinesische Übersetzungen publizieren, um darznthnu, zu welchen Scheunlich-- keilen die christliche Religion führe. Wenn dann der Pöbel dazu übergeht, die Niederlassungen der Christen anzuzünden und die Christen totznschlagen, so zuckt der Mandarine die Achseln und lagt: „Jchlhabe keine Veranlassung,tzetwas Besonderes zu tl)iur daß ich die Übertreibungen und Ausschreitungen des Antichristianis.aus verwerfe, versteht sich von selbst.". DaS ist nicht genügend. Wir haben es mit einer wirklich ernsten, schweren Gefahr für den Frieden des Landes zu thmll dagegen sollten wir alle Front machen Ich will nicht die Thatsache leugnen," fuhr der Abgeordnete fort, und erst jetz