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Jeschurun · 1892-11-10 · 7 (10.11.1892) · p. Seite 105

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1892
Issue
7 (10.11.1892)
Date
1892-11-10
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 7. ^Jesch Anfanges des Fünfbuches wieder begonnen. In dieser Weise wird im Laufe eines Jahres der Pentateuch öffentlich in der Synagoge verlesen. Schluß folgt. Kleine Chronik. Bürgerliche Verhältnisse. * In der vom Kaiser den Fürstlichkeiten und den hohen Gästen anläßlich der Weihe der restaurierten Schloßkirche in Wittenberg ausgestellten Urkunde heißt es: „Wir vertrauen | daraus, daß die Unterthanen treu an dem evangelischen ' Glauben festhalten und sich durch christliche Liebe, Duldung | und Barmherzigkeit gegen ihre Mitbürger — auch gegen j Andersgläubige — als wahre Nachfolger Christi erweisen! werden." Und in seiner Rede beim Festmahl äußerte der : Monarch: „Wir Evangelischen befehden niemand um seines Glaubens willen." Jstastch hierbei sicherlich nur an dieKath olike n gedacht wurden, so wollen wir dennoch beide Äußerungen gebührend registrieren, (vgl. das Gedicht in der heutigen Nr.) * Sie haben endlich Farbe /bekannt, die Deutsch konservativen Schlesiens und sind, vorläufig noch verschämt, in das Lager Hammersteins eingeschwenkt, wenigstens soweit es sich um den repräsentantiven Verein in Berslau handelt. In einer Hauptversammlung dieses Vereins sprach speziell Pros. D. Schmidt über die Judenfrage. Der Vorsitzende, Landtags-Abgeordneter v. Jtzenplitz hatte eine vom Vorstande einstimmig empfohlene Resolution vorgeschlagen, an deren Spitze der Satz stand: „Wir verwerfen die antisemitischen Ausschreitungen, werden aber mit allen Mitteln die materialischen Einflüsse auf die Denkungsweise weiter Volksschichten bekämpfen, mögen diese Einflüsse von Juden oder Nichtjuden ausgehen, und wollen es zum Bewußtsein der Nation bringen, daß ein christlicher Staat vor allem auch einer christlichen Obrigkeit bedarf, und daß die Lehrer und Leiter unseres Volkes nur Christen sein dürfen." Der einleitende Satz wurde jedoch gestrichen. Die Herren erklärten sich also nicht einmal gegen die antisemitischen Ausschreitungen. * Rektor Ahlwardt, der gegenwärtig in Plötzensee seine Gefängnisstrafe von 4 Monaten wegen Beleidigung von Mitgliedern der Berliner Gemeindeverwaltung verbüßt, ist dort im sogenannten Maskenslügel untergebracht, einer Abteilung, in welcher die strengste Jsolierhaft durchgeführt ist. Damit Ahlwardt nicht mit Anstaltsarbeiten beschäftigt werde, haben politische Freunde seine Arbeitskraft, die er während der 4 Monate zur Verfügung der Gefüngnisverwaltung zu halten hat, gemietet und beschäftigen ihn i mit national-ökonomischen Arbeiten. — Was wird der Mann in seiner Einsamkeit erfinden? > * Der deutsche Antisemitenb und hat in letzter Zeit der- I sucht, auch unter der dänischen Protestpartei in Nordschleswig! Anhänger zu werben. Das führende Organ dieser Partei! will von einem Paktieren mit den antisemitischen Elementen j nichts wissen, und nennt das Treiben der Antisemiten eine! widerwärtig-scheußliche Bewegung. „Deutschland", heißt es j weiter, „hat die Ehre oder die Schande, eine Partei wie j die Antisemiten erzeugt zu haben, die am Schlüsse des 19. j Jahrhunderts den Rassenhaß auf ihre Fahne geschrieben i r u n. h$~ Seite 105. hat und einen offenen und geheimen Vernichtungskrieg gegen die deutschen Juden mit Mitteln führt, die nicht hinter denjenigen zurückstehen, die in den finstersten Zeiten angewandt wurden." — Aber „Patrioten" sind unsere Gegner dennoch, trotzdem sie mit den Feinden Deutschlands, Franzosen und Protestlern, fraternisieren. * Aus Anlaß der von uns mitgeteilten Intervention l der englischen Regierung zu gunsten der mit Raub und I Mord bedrohten Juden in Hamadan (Persien) spricht die! edle „Kreuzzeitung" in gehässigster Weise von einem! „bezeichnenden Fall für die Thätigkeit der jüdischen Internationale, wo es sich um Wahrnehmung vermeintlicher oder wirklicher Interessen fremder Juden handelt". — Recht charakteristisch für das fromme Blatt, dem es, wie es scheint, lieber gewesen wäre, wenn das Massacre der Juden in Hamadan seinen ungestörten Verlauf genommen hätte. * DieNachspiele zum Buschhoff-Prozessehaben begonnen. Am vorigen Freitag verurteilte die Strafkammer in Elberfeld den Redakteur der antisemitischen „Rheinischen Wacht", Gerhard ten Winkel, wegen Beleidigung des Ersten Staatsanwalts Baumgardt und des Landgerichtsrats Brixius an dem Landgericht in Kleve, begangen durch den Vorwurf der Parteilichkeit für Buschhvss und die Inden, zu drei Monaten Gefängnis; und am 17. d. M. beginnt in Berlin die Verhandlung gegen den Buchhändler Oberwind er wegen Beleidigung von verschiedenen richterlichen Personen, die im Buschh ofs-Prozeß amtlich thütig waren. Für diese Verhandlung sind mehrere Sitzungstage anberaumt worden. Die Zahl der aus Kleve geladenen Zeugen ist eine ziemlich große. * Die israelitische Kultusgemeinde in Dürkheim a. d. H j hat eine Belohnung von 200 M. für denjenigen ausgesetzt, durch dessen Anzeige die Urheber der aus dem israelitischen Friedhofe in Wachenheim verübten Beschädigung von Grabmülern dermaßen kund gemacht werden, daß dieselben wegen dieser brutalen Thaten durch gerichtliches Urteil zur Strafe gezogen werden. Es wurden nämlich aus besagten: Friedhof 13 Grabsteine samt Einfassungen teils völlig zertrümmert, teils stark beschädigt. Anzunehmen ist, daß bei dieser Rohheit mehrere Personen beteiligt waren, da ein Einzelner die schweren Grabsteine schwerlich bewältigen konnte. * Während der militärischen Manöver war Erzherzog Eugen von Österreich, der Bruder der Königin von Spanien, einige Tage hindurch der Gast eines Juden. Er ist wohlvertraut mit jüdischen National-Gesüngen, die er außerordentlich liebt. So ließ er sich einmal in Pardubitz den dortigen Kantor kommen, um von ihm einige hebräische Weisen zu lernen. * Aus Sanitätsrücksichteu wurde das Hausieren auf den Straßen von der Stadtbehörde in Lemburg verboten. Dieses Verbot machte gegen 200 jüd. Hausierer und deren Familien ganz brotlos. Ein Gesuch um Aufhebung dieses Verbotes, welches die Kultusgemeinde an die Behörde gerichtet hat, blieb erfolglos. * In Lemburg hat sich ein jüdisch-sozialistischer Verein gebildet, der den hebräischen Namen „Jad hachasuku“ (sic!) d. h die „starke Hand" führt und dessen Statuten die behördliche Genehmigung erhalten haben. * Unlängst wurden die irdischen Überreste des Bischofs von Körriggrätz, Dr. I. Hais, der gemeinschaftlichen Mutter aller, der Erde, übergeben. Wir Juden haben allen Grund, den Hingang dieses Kirchenfürsten zu beklagen. War doch v

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