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Jeschurun · 1892-11-10 · 7 (10.11.1892) · p. Seite 101

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1892
Issue
7 (10.11.1892)
Date
1892-11-10
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7. -Z^Ieschurun. Seite 101. p ätestens nach 3 Probejahren definitiv an und! pensioniert sie nach den Staatsbestimmungen. Das ist Eure Pflicht. Israel ist in der Erfüllung der Pflichten von jeher groß gewesen! — wird es nicht treu bleiben dem , edlen Prinzipe sich zur Ehre und zur Ehre Gottes?!! 3. Die Wahl des Lehrers. j Die Sünden gegen dieses Kapitel sind leider Legion,! man könnte ein, hinsichtlich des Volumens, ganz nettes! Büchlein über sie schreiben. Und eben, als ich im Be-! griffe war, dasselbe zu beginnen, fühlte ich den weichen,! unwiderstehlichen Arm meines verehrten Herrn Redakteurs! um meinen Nacken und mir ins Ohr zwei Sprüchlein! flüstern. Hier sind sie: ,,Kürze ist Würze" der eine; der j andere: in der Beschränkung zeigt sich der Meister! Ich weiß nicht, war es der Hauch seines Mundes oder das Geheimnis der Sprüchlein, welches mich bestimmte, mein Vorhaben in etwas zu mildern. Aber es war gut so. . Hätte ich nicht eingelenkt, so hätte ich ihn verstimmt und das verdient er nicht, denn er ist ein liebenswürdiger, charmanter (Na, na! Der Setzer) Mann; andererseits möchte ich mir auch keine Blöße geben, denn mit dem zweiten Satze hat er mir offenbar schmeicheln wollen. Und so ein bischen Eigenliebe — wer hätte die nicht einmal gern. Drum tvill ich denn kurz zu fassen mich wenigstens bemühen und einige sogenannte Thesen aufstellen, die mir als Leitfäden dienen sollen. 1. Nur derjenige Kandidat sollte gewählt werden, welcher alle Stimmen aus sich zu vereinigen die Aussicht hat- Das gegenteilige Verfahren wird beiden Par- Leien fast in der Regel zum Verhängnis. Setzen wir den Fall, daß selbst wenige gegen die Wahl des Betreffenden gestimmt Hütten, so können diese Wenigen genügen, dem Lehrer das Amt zu erschweren, das Leben zu verbittern und ihn zum Wechsel veranlassen. Beim Vorhandensein des ersten Falles leidet die Jugend, sie empfängt keinen! freundlichen Blick, kein ermunterndes Wort. Und doch . sind ihr beide so notwendig, wie Licht und Luft den Blumen. - Sie sind den Kindern Thau des Himmels. Verliert aber; das Kind die Liebe des Lehrers, so verliert es sie auch \ zum Lehrer und eins ohne das Andere — 's wäre kein ׳ Segen. Tritt die zweite Voraussetzung ein, so wird schwer! gegen den Lehrer gesündigt, da man ihn um Jahre seines ׳ Lebens bringt. Gleichzeitig wird auch ^wieder in unverantwortlicher Weise gegen die Jugend gefehlt, der man seine, Kraft entzieht. Schließlich hat der Wechsel der Lehrer; zahllose Nachteile im Gefolge. Fast jeder Lehrer hat seine eigene Methode. Haben nun die Kinder — was nicht immer leicht vor sich geht, — an ihren Lehrer sich gewöhnt, verstehen sich beide Teile, dann soll dem Kinde die Aufgabe zu fallen, sich von neuen mit neuem bekannt zu machen? Da erlahmt gar oft die Lust zur Thätigkeit, die Aufmerksamkeit wird ungenügend, der Erfolg gering — und Lehrer und Lernende sind sich zur Bürde. So muß, so wird es indes kommen, wenn der Lehrer nicht einstimmig gewühlt ist. Mag er das Bestreben haben, seine wenigen Gegner für sich zu gewinnen: das einmal herrschende Vorurteil ist schwer zu beseitigen und au all seinem Thun und Lassen wird unausgesetzt gemäkelt, wird so der gedeihliche Boden untergraben. Sollte es denn so schwer sein, eine Einstimmigkeit zu erzielen? Kaum anzunehmen. Wenn auf irgend einen Kandidaten der größte Teil der Stimmen gefallen ist, so konnten wohl weder gegen seine Moral noch gegen seine Fähigkeit Einwände erhoben werden. Daß ihm jedoch noch einige Stimmen fehlen, kann dann nur auf rein persönliche Voreingenommenheiten zurückzuführen sein, und deshalb möchte ich zweitens fordern: ״Laß dich bei der Wahl des Lehrers nur vomGerechtigkeitsgefühle leiten." Seiwahrundaufrichtig. Hülle nicht Dein Interesse in den Mantel des Allgemeinen; es rächt sich. אמבם ושלות אתבו♦ Wahrheit ist die Bedingung des Friedens. O, möchten wir nicht vergeblich an unsere Glaubensgenossen appelliert haben! pffiifdjuft inld Litteratm. Synagogen Gottesdienst. Von Dr. I. Hamburgers Der Gottesdienst der Synagoge zum Unterschiede von 'dem des Tempels ist der ohne Opfer und Altar, ohne Tempel und Priester; s.ine Bestandteile sind Gebet und. Lehre. Derselbe hat ein hohes Alter für sich; er existierte als eine für sich bestehende Institution neben dem Tempelkultus im zweiten jüdischen Staatsleben, den er überlebte. In bezug auf das Gebet hatte derselbe schon in den penta- Leuchischen, gottesdienstlichen Institutionen feine Stätte. Geschichtlich sind seine Anfänge in den Versammlungen bei den Propheten am Sabbat, Neumond und Fest, in der exilischen Zeit und nach derselben, wo man des Propheten Reden anhörte, betete und fastete. Aus diesen Versammlungen mögen ständige Vereine zu Gebet und Lehre hervorgegangen sein, die nach der Rückkehr der Exulanten unter Esra durch die Institutionen dieses Mannes einen festen Boden erhülteu. Dieser Gottesdienst mit seinen zwei Bestandteilen, Gebet und Lehre, hatte sich im Volke bald so sehr eingelebt, daß der wiedererstnndene Tempel in Jerusalem für ihn eine Stätte, die Quaderhalle, לשכת הגזית, hergeben mußte, wo er neben dem Tempelkultus, gewissermassen vereinigt mit ihm, ׳ fortbestand. Esra erkannte für die Regeneration des israelitischen Volkes und seiner Religion kein besseres Mittel als die Verkündigung und Ausbreitung ihrer Lehre; er begann mit den Vorlesungen aus der Thora und den mit ihnen verbundenen Belehrungen. Ein Teil der Synagogengebete wird auf diese Zeit zurückgeführt, und die schönen tiefen Gebete in den Büchern Esra und Nehemia waren das Muster für die Abfassmig von Gebeten in späterer Zeit. Der Name ״Synagoge", aramäisch: ״Knischta", ׳כנישתא hebräisch: ״Bethhakneseth", ׳בית הכנסת deutsch: ״Versammlungsstätte", rührt von diesen frühern Versammlungen zur gemeinsamen Andacht und Belehrung her. Im Gebet redet der Mensch mit Gott, in ihm kommen sein Denken, Fühlen, Wünschen und Hoffen zum Ausdruck; dagegen ist es die Lehre, in der Gott zum Menschen spricht; Trost, Erhebung, Rat und Aufschluß, Mahnung und Angäbe der Lebensführnng sind dessen Belehrungen. Beide, Gebet und Lehre, fand nun das israelitische Volk in seiner Synagoge, sie bildeten, wie schon erwähnt, die Teile ihres Gottesdienstes. Es versteht sich, daß dieselben je nach den Zeiten und den mit ihnen zusammenhängenden Situa- * Vgl. das demnächst erscheinende Suppl- Hl. zu meiner ״Real- Enc. für Bibel und Talmud." H.

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