Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1892
- Issue
- 4 (20.10.1892)
- Date
- 1892-10-20
- Page
- Seite 61 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9610650-9609361-9609396--049-9609409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 4. Seite 61. I e sch für das einfache Naturkind, daß sonst kaum von den Freuden des Lebens genippt hatte. So waren zwei Monate dahingegangrn. Mollheim war in dieser Zeit in Zwischenräumen von 3—4 Tagen in dem Hause Leiser Mayers gekommen. Und eines abends war ein großes Münder in dem Hause Leiser Mayers geschehen: Mollheim hatte bei den Eltern Röschens um deren Hand angehalten. Die Leutchen waren wie in den Himmel versetzt. Menn! sie auch ihre Tochter — wie alle Eltern — für schön und! begehrenswert gehalten, wenn sie sich auch in dieser Beziehung ihre Münsche gebildet, — bis zu einer solchen! Höhe hatten sie sich nicht verstiegen. i Und nun erst die neidische Nachbarschaft, an deren j Spitze Rüben Zetteles, seine Frau und vier Töchter von; zweifelhafter Schönheit standen. N)ie eine Bombe war j die Nachricht von der Verlobung Röschens mit dem reichen Gutsbesitzer in diese Schar mißgünstiger Geister : gefallen. Es war dies ein Ereignis, das alles Dagewesene! an Munderbarkeit übertraf. Gute und böse Menschen j äußerten sich darüber in manichfacher Meise, doch während! die ersteren meinten, daß es recht vom lieben Gott sei,; daß er auch dem bösen Masel einmal ein Stück gutes Masel verliehen, spotteten die letztern über den Gutsbesitzer j Mollheim daß er mit dem bösen Masel in so enge Der-! bindung getreten, und jedenfalls sein ganzes kommendes! Leben die Mißgeschicke voll machen mußte.! Kritische Kliilter. עץ ו־תיי, Hebräische Lefefibel nach den Grundsätzen der Lautiermethode stufenmäßig geordnet von I. Herzberg, Lehrer in Bromberg. Jetzt zu Beginn des Semesters, das das arbeitsreicherej in jeder Schule ist, sucht man nach geeigneten Lehrbüchern.! Bei der für den hebr. Unterricht knapp zugemessenen Zeit j werden diejenigen Bücher den Vorzug genießen, welche iubezug! auf Anlage, Anordnung des Stoffes, methodischen Gang! uns die Möglichkeit geben, in kurzer Zeit möglichst viel zu leisten. Freilich wird der Erfolg immer von dem Lehrer selbst abhängen, von seinem Lehrgeschick, seiner Methode, seinem Eifer. An der Hand eines guten Lehrbuches kann ein weniger geschickter Lehrer auch Zufriedenstellendes leisten. Seit die Lautiermethode in den Schulen eingeführt ist, hat man sich bemüht, diese auch beim hebr. Unterricht anzuwenden. Nach den Grundsätzen dieser Leselernmethode sind auch mehrere hebr. Lesefibeln entstanden, unter denen die vom Kolleg. Herzberg herausgegebene einer größern Beachtung würdig ist. In genetischer Folge läßt er die Lautzeichen vor den Kindern entstehen und sie zu Wörtern verbinden. (Verbindungen zu deutschen Wörtern sollten doch unterblieben sein.) ״Ähnlichkeiten sind die Klippen des Gedächtnisses", sagt Herder. Darum sollte die Reihenfolge der Konsonanten nicht durch die Formähnlichleit bedingt sein, i Da die Kinder schon deutsch lesen können, ist die Reihenfolge der Konsonanten nach einem bestimmten Grundsatz überflüssig. Die Verteilung des ganzen Leselernstoffes auf drei Stufen, die lückenlos vom Leichtern zum Schwerern u. s. w. fortschreiten, beweisen, daß die Fibel das Werk eines wirklich praktischen Schulmannes ist, und mancher n r u n. k־~ Lehrer, besonders der jüngere, wird die Fibel mit vielem׳ Vorteil benutzen. Im Interesse eines erfoglreichen Unterrichtes im hebr. Lesen können wir die Fibel bestens empfehlen. Jüdisch-deutsche Enrrentschrift. Vorschriften nebst Schreib- und Leseregeln von I Hcrzberg. 15 Pfg. Der jüd.-deutschen Currentschrift hat man vielfach ihre Berechtigung abgesprvchen. Aber in vielen Gegenden Deutschlands, besonders im Osten, wird diese Schrift noch vielfach angewendet. Vorliegendes Heftchen giebt in kurzen Zügen alle Buchstaben- Formen und die erforderlichen Schreib- und Leseregeln, denen wir unsere Zustimmung geben. Jnbezng auf ihre Schreibschwierigkeit müssen die Buchstaben eine andere als die angegebene Reihenfolge haben. E Flantw Hanptlehrer. Wochen- 061. 1892. Tiscliri 5653. Kalender. j Donnerstag. . > Freitag . ■ j 22 23 29 1 30; 1. Rosch - Chodesch! Marcheschwan. Sonnabend. .! 24 1 Sabb. " נח) ״) Sonntag. . . 25 i 2 Molltag . . . 26 1 3 Dienstag. . . 27; 4 Mittwoch . . 28! 5 Donnerstag. . 29! 6 Pereinsblüe. Ein deutsch-israelitischer Lehrerbund. Von Hermann Becker. (Schluß.) Wir kommen nun zur Erörterung der vierten Frage. d.) Wie ist die Vereinigung der bestehenden provinziellen Verbände anzustreben? Schon aus unserer Fragestellung ergiebt sich, daß wir die bestehenden Lehrervereinigungen nicht auflösen, sondern ihnen in der großen Gesamtheit ihre wohlerworbenen, alten Rechte als Glieder des Ganzen lassen wollen, selbstverständlich nach Ausscheidung aller der Elemente deren Berus eben ein anderer ist als der eines jüdischen Volksschullehrers oder eines, im öffentlichen Schuldienst stehenden jüdischen Lehrers. Ob die Mitglieder der bestehenden Provinzialverbände, welche diesem Berufe nicht angehören, also Rabbiner, Prediger, Kantoren und Kultusbeamte, nicht als außerordentliche Mitglieder dem ״Deutsch-israelitischen Lehrerbund" angehören können um ihre durch langjährige Mitgliedschaft der Provinzialvereine wohlerworbenen Rechte nicht zu verlieren — namentlich in dem Falle, wenn diese Vereine ausschließlich Untersiützungsvereine sind — das zu entscheiden, ist wohl Sache der Satzungen des Deutsch-israelitischen Lehrerbundes. — Meiner Meinung nach ' würde sich ein tüchtiger Stamm von Mitgliedern des ״Deutsch-israelitischen Lehrerbundes" schon aus der — mit obigen Beschränkungen — sich ergebenden Vereinigung der bestehenden Provinziale und Landesverbände ergeben. Herr Lehrer Wolf in Aurich hat übrigens im Jahre 1888 durch Anschreiben an die Provinzialvereine bereits den Versuch einer solchen Vereinigung gemacht, ohne leider in irgend einem einzigen Vereine Anklang gefunden zu haben. Allein ich würde meinen Berufsgenossen Unrecht thun, wenn ich an-