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Jeschurun · 1892-10-20 · 4 (20.10.1892) · p. Seite 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1892
Issue
4 (20.10.1892)
Date
1892-10-20
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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Seite 60. I e s ch n r n n. Nr. 4. / „3a, bas/Mt sie." — „habt blos diese einzige Tochter?^ Der/"Mann schien nicht recht einig mit sich zu sein, was /r hierauf erwidern sollte. Endlich sagte er: „Es ist «mein einziges Rind." — /■' „wie alt ist Ihre Tochter?" Dieselbe Unentschlossenheit von seiten Rubens, bis er dann antwortete: „Sie wird wohl so ungefähr \8—20 Jahre alt sein." — „Ungefähr — wie, muß ein Vater nicht wissen, wie alt sein Rind ist?" „Sie ist zwanzig Jahre. Ich glaube, Herr Amtmann, daß die j)uten gut und die Enten, die ich gebracht, ausgezeichnet". „Gut, ich werde meiner Wirtschafterin Renntnis dovon geben. Allein, auf Eure Tochter zurückzukommen: wie heißt sie doch?" — Rüben kam in der Thal mit sich in's Gedränge, hatte er doch, der eine ganze Reihe eigener j Töchter besaß, Mühe, die Namen derselben zu behalten,! und nun kam der Gutsherr und wollte gar von ihm? wissen, wie die Tochter des bösen Masel heiße. j Unbedachtsam stieß er nun heraus: „Ich glaube, daß sie Mirel heißt." — „Ihr glaubet, — wie, Ihr wisset nicht einmal genau den Namen Eurer Tochter?" 2lus der Ferne vernahm man das Rollen eines Magens! und im nächsten Augenblicke sah man einen solchen auf j dein Waldwege und der Verranda zu sich bewegen. j „wer mag das sein?" fragte Wollheim, und als sein Blick dabei auf den vor ihm stehenden Mann siel, merkte er, wie dieser zusammenzuckte. Der wagen war da. Ihm entstieg ein Mann, der, wenn auch gerade nicht elegant, so doch bürgerlich j anständig und sauber gekleidet war.! Er nahm bescheiden die Mütze vom Ropfe, trat an! den Gutsherrn heran, öffnete die Lippen — aber der Unglückliche vermochte anfangs kein wort heruszubringen. Endlich stotterte er: „Sie — Sie ent — schu u u ldigen, Herr A amtmann —" weiter ging es nicht. Rüben schaute mit boshaftem Lächeln auf seinen! Ronkurrenten, während Wollheim von einem gewissen! Mitleid für den bedauernswerten Redner ergriffen! wurde. „Lassen Sie sich Zeit, mein Lieber" sagte er, „Lassen Sie sich Zeit und teilen Sie mir langsam mit, was Sie wünschen. Vor allem aber sagen Sie mir, wer Sie sind." — „Ich bi — irt das bö — ö — öse Ma — a fei." „was Ste sagen! hier steht schon einer, der das böse! Masel sein will — was sagen Sie dazu!" wandte er sich i an Rüben Ietteles. i „Er ist ein Narr, vielleicht noch schlimmer: ein Be-? trüger, ich selbst bin, wie ich dem Herrn Amtmann gesagt, das böse Masel" — sagte Rüben mit der größten Ruhe und Gelassenheit. Diese Behauptung schien den armen Leiser Mayer! ganz und gar außer Fassung zu bringen. Seine sonst milden I Gesichtszüge nahmen den Ausdruck höchster Gereiztheit. an und die heftige Erregung, in welcher er sich befand,! machte es ihm vollends unmöglich zum sprechen zu kommen. Endlich brachte er es unter heftigen Ringen und Gestikulationen fertig zu rufen: „N — n — nein! Herr! A — a mtmann — i ch — ich bin das böse Masel — ich schwö — r es bei Gott — ich bi in das böse Masel." „Er lügt" sagte der Andere — „Lassen Ste sich mit dem Menschen nicht ein, Sie sehen es ja an seinem Sprechen, was er für ein Geschäftsmann fein kann. Ich versichere Ihnen, daß ich der Mann, den Sie suchen, daß ich das böse Masel bin. wieder flammte es in Leiser Mayer auf und er setzte alles daran, um die Worte heraus zu bekommen: „Er ist ein Betrüger, i i ch allein bi i n das böse Masel." wollheim sah sich 6cu Mann genau an. wie er ihn gewahrte, mit dem sauber gescheitelten Haupthaar und dem gebürsteten Bart, mit dem so eigen um den hals geschlungenen und geknüpften Tuch, dem fest anschließenden Rocke, den blank geputzten Stiefeln — dieser nur konnte der Vater Röschens, das wahre böse Masel sein, wenn man den andern betrachtete, der von Schmutz triefte, dem Federn in dem Bart und die Rnöpfe halb abgerissen an dem Rocke hingen, während seine Stiefel wie aus der Düngergrube gezogen schienen. wollheim wendete sich zu diesem: „Laßt mir" sagte er — „den Streit um das böse Masel und sagen Sie mir, wie Ihr deutscher Stammname lautet." Rüben Ietteles stutzte. Desto schneller war Leiser Mayer mit der Nennung seines Namens bei der Hand und es gelang ihm diesmal alle Schwierigkeiten seines Sprachgebrechens zu überwinden und ohne Anstoß zu sagen: „Ich heiße Leiser Mayer Bänkelmacher." Nun war die Sache für wollheim abgethan. Er gab Rüben zu verstehen, daß er mit ihm nichts zu thun haben wolle und dieser entfernte sich schimpfend, fluchend und suchte seinen wagen auf. Nun aber lud wollheim Leiser Mayer ein, mit ihm nach seinem Zimmer zu kommen, während er Marianne rufen ließ, und ihr aufgab, das von dem bösen Masel gebrachte Federvieh in Empfang zu nehmen. Wollheim holte eine Flasche wein und zwei Gläser herbei, die er voll goß. Er forderte Leiser Mayer zum Trinken auf, während er selbst den Betrag für die empfangene waare auf den Tisch aufzählte. — Dann setzte er sich zu dem noch immer sich in großer Befangenheit befindenden Vater Röschens und trank mit ihm auf ein glückliches Gelingen des gemachten Geschäfts. Später kam er mit ihm auf seine Tochter zu sprechen. Und da vernahm denn wollheim, wie reich und glücklich der Mann in dem Besitze dieses, seines einzigen Rindes sich befand, wie dasselbe sein lustig Masel, wie ihm für das, was es seinen Eltern ist, sicherlich das Ganeden offen stehe. Erst nach einer Stunde entfernte sich Leiser Mayer, und der sonst blaß aussehende Mann war jetzt merkwürdiger weise hellrot im Gesichte, während die Weinflasche auf dem Tische tief blaß geworden war. wollheim kam gar oft, wie er gesagt hatte, die Blumen zu sehen, welche Röschen jetzt noch mit ganz besonderer Sorgfalt pflegte und hegte. Die Nachbarschaft sprach und kalkulierte viel über diese öftern Besuche des Gutsbesitzers, aber niemand, selbst der kluge Rüben nicht, dachte an den Magnet, der ihn dorthin zog. Doch — unser Röschen hatte eine Ahnung davon, eine Ahnung, die ihr das Herz zum Zerspringen pochen ließ. So viel Seligkeit! — In der That, es war zuviel

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