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Jeschurun · 1892-10-20 · 4 (20.10.1892) · p. Seite 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1892
Issue
4 (20.10.1892)
Date
1892-10-20
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4. ^Jeschurun. Seite 59. die ersteren die Oberhand haben und aus ihnen sich auch der Synagogen-Vorstand rekrutiert, wollen sich die letzteren den Anordnungen des Vorstandes durchaus nicht fügen. Das Zerwürfnis zwischen diesen beiden Parteien hat, wie überall, wo Chassidim neben „Mithnagdim" leben, dahin geführt, daß, während die deutsche Panei den Tempel besucht, sich die orthodoxe Partei absondert und für sich besondere Betstuben eingerichtet hat. Das ging so lange, bis mit Rücksicht auf die drohende Choleragefahr die Bezirkshauptmannschaft zn Biala die Abhaltung der gottesdienstlichen Übungen in den Betstuben untersagte und die Chassidim anwies, sich an dem Gottesdienst im Tenipel zu beteiligen. Diese Maßregel erregte unter der genannten Partei eine! derartige Aufregung, daß sie sich am Laubhüttenfeste zu! Gewaltthaten Hinreißen ließ, und erst die Aufhebung jenes Verbotes vermochte die Gemüter wieder zn beruhigen. * Die jüdische Gemeinde in Paris hat eines ihrer bedeutendsten Mitglieder in Herrn Michel Erlanger verloren, welcher vor einigen Tagen starb. Erlanger war ein treuer Jude, der sich seit mehr als 50 Jahren an allen wohlthätigen Unternehmungen beteiligte. Er war Präses der jüdischen Knltusgemeinde, Mitglied des Wohlthätigkeitsvereines, des Ceutralkvmitees der „Alliance Jsraelite" und vieler anderer bedeutender Vereine. Ganz besonders interessierte sich Erlanger für die Ansiedelung der russischen Juden in Palästina. * Es wird unsere Leser interessieren, einiges über die Einrichtungen in der Gemeinde Amsterdam zn erfahren. In dieser, fast 40,000 Seelen zählenden Gemeinde werden zwei Schulanstalten unterhalten, eine Volks- und eine Mittelschule. Die erste, „Godsd. Armenscholen voor lager onderwijs" genannt, kostetete nach einem Rechenschaftsbericht fl. 17,928.11, wozu die jüdische Kirchenkasse fl. 1200 beigetragen. Eingeschrieben waren 1200 Kinder, von denen aber täglich durchschnittlich bloß 780 zugelassen wurden. Die „Godsd. Tusschen en Burgerscholen" kostetete fl. 3703.11, wozu die israelitische Kirchenkasse fl. 2363.60 beigetragen. Die Bürgerschule wurde von 84 Knaben und Mädchen, die Mittelschule von 312 Schülern besucht. Als Lehrer fungierten: 3 Magidim (diplomierte Rabbiner), 3 Lehrer ersten Ranges und 4 Lehrer mittleren Ranges. Als Ober-Inspektor dieser Schulen fungiert Ober-Rabbiner Dr. I. H. Dünner, von dem der Bericht hervorhebt, daß man die Blüte dieser Schulen hauptsächlich der Art und Weise zu verdanken hat, wie er die Religionsschulen organisiert hat. — Bei Beerdigungen spricht in der Regel ein Stiftsrabb., deren es 5—6 in Amsterdam giebt und die als Funktionäre der Hauptgemeinde betrachtet werden, die Trauergebete. Bei besonderen Fällen halten die Rabbiner — Rabbinats- Assessoren Leichenreden. Der Ober-Rabbiner spricht nur an der Bahre eines Rabbiners, Stiftsrabbiners oder eines Mitgliedes des Kirchenrats, nebenbei bemerkt, ohne Eutgelt. Als in Amsterdam das Kirchratmitglied Weizer starb und Dr. Dünner eine Leichenrede hielt, verweigerte letzterer die Annahme von fl. 1000, die ihm die Kinder des Verstorbenen als Honorar zuschickten. Erst nachdem diese Summe dem Ober-Rabb. mit der Bemerkung „zur freien Verfügung" wieder zugeschickt wurde, nahm er dieselbe vorläufig an. Einige Zeit darauf las man unter den veröffentlichten Spenden für den „Waldadigheitsfonds" N. N. fl. 1000. Das Prinzip in Amsterdam ist nämlich das, daß ein Rabbiner sich nicht dazu hergeben soll, für Geld jemandem ein Lob nachzusagen. * Der eben erschienene dritte Bericht des Vorstandes der Jaffa er israelitischen Gemeinde über die Thätigkeit in den letzten 8 Monaten gestattet einen Einblick in die reiche Wirksamkeit dieser Körperschaft. Personalien. Herr I. Gutmann aus Neustadt a. W. ist von der Gemeinde Ohlau i. Schl, zum Lehrer und Kantor gewählt worden. Der Gewählte tritt am 1. Nov. sein neues Amt an. FamilieilzeitlUlg. was nennt ihr mich denn heimatlos? IAas nennt ihr mich denn heimatlos, Sprecht ich nicht eure Sprache? Auf deutschem Boden ward ich groß, In Deutschland stand ich Wache. Von Max Elkau. Zog ich nicht auch mit euch ins Feld, Schlug ich nicht mit euch Schlachten? Hab' ich mich nicht dem Feind gestellt, War Siegen nicht mein Trachten? Ich trage hier am rechten Arm Ein unvergänglich Zeichen; Bei Gravelotte, da rann so warm Mein Blut; ich wollt' nicht weichen. Da kämpfte ich für Deutschlands Ehr', Da stand ich fest dem Reiter; Zwar brannte meine Wunde sehr. Ich aber kämpfte weiter. Weil ich als Jud' geboren ward, Drum wollt ihr schlecht mich heißen? Für einen Ehrenmann ist's hart! Das Herz thut's mir zerreißen. (Deutsch. Reichsbl.) Das böse Masel. Erzählung von Moritz Scherbe!. (Schluß) wollheim sah sich den Sprecher genau an, er hatte also den Vater Röschens vor sich. Den Vater Röschens? nein, das konnte nicht gut sein. Wenn ein Mädchen im Hause alles so-sauber hält und an sicb selbst so adrett ist, so konnte es unmöglich den Vater in solcher Bekleidung und körperlicher Verwahrlosung umherreisen lassen. Der Mann, der vor wollheim stand, war von schmutzigen, zerlumpten Kleidern umhangen, das Gesicht mußte er heute zu waschen vergessen haben, im Haupthaar und Bart befanden sich Federn sicherlich als ein Zeichen seines Gewerbes. „Es hat Euch wohl Eure Tochter von mir erzählt?^

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