Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1892
- Issue
- 3 (13.10.1892)
- Date
- 1892-10-13
- Page
- Seite 44 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/9610650-9609361-9609379--031-9609391- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 44 I e s ch u r u n. r<- Nr. 3. Er ha durch sein Fenster Wollheim bei Leiser Mayer eint t sehen; er kannte den Gutsbesitzer. Rüben Ietteles za ich sich den Ropf darüber, was der vornehme r wohl dort drüben wollte, „sicherlich ein Geschc sprach er für sich hin — „vielleicht aber auch ' 1 Na, ich werd' es erfahren, ich schicke den Mordä änüber, er ist klug, er wird sich eine Ausrede mache und dabei erfahren, was der Wollheim drüben will Gesagt gethan. Wollheir uterhielt sich eben auf's angenehmste mit > Röschen, gls^ Thür sich öffnete und der Lohn Rubens, ein rothaarA verschmitzt aussehender Junge, mit der, Frage in da Ammer trat: „ob das böse Masel nicht zu! Hause sei?" furpurröte ergoß sich über das Gesicht Röschens. Sie nr fast verlegen, was sie dem Burschen antworten soid, während Wollheim auf den Eingetretenen mit allen Ze:ien des Ärgers blickte. Der Rottarige machte Miene seinen Aufenthalt im Zimmer zu nlängern, denn wiewohl ihm Röschen gesagt hatte, daß fc Vater nicht zu Hause sei. verharrte er nichtsdestoweMr auf seinein Platze und glotzte Wollheim mit neugierig Blicken an. „Nun Drüast ja gehört und siehst es eben auch, daß der Vater nis! zu Hause ist, was willst Du noch hier?" sprach Rösche im verweisenden Tone zu ihm. Der Iungmtfernte sich. Nachdem er aber die Thüre von draußen »gemacht, legte er das Ohr an das Schloß, Wollheim w: eben aufgeftanden. „Ich werde wohl ihren Herrn )aler nicht erwarten können" sprach er — „Darum werd- Sic wohl die Güte haben, ihm zu sagen, daß ich die lbsicht habe, mehrere Arten von Gesiügel zu kaufen, al Puten und Enten —, vielleicht ist er im stände mir dr verlangte zu liefern". „Sehr schi,, mein Herr, ich werde das ganz genau beim Vater btellen". Zn diefemllugenblicke sah man den Rothaarigen quer über die Strch in das Haus seiner Eltern stürzen. Wollheim hatte bereits Hut und Stock ergriffen, — allein es hielt hn wie mit eiserner Gewalt noch bei dem Mädchen fest an dessen Wesen er irgend etwas ihn Bezauberndes;efunden hatte. „Ihre Blmen sind herrlich, mein Fräulein" — sprach er seinen Bliäauf die duftenden Nelken richtend — ,,so herrlich, daß e mich fast zum Wiederkommen einladen." „O, es gieb noch viel schönere Blumen; die öffentlichen Gärten Habepeine reiche Auswahl davon. Ich glaube, mein Herr, da Sie meinen Pfleglingen fast zu viel Ehre anthun." — „Es giebt roch viele andere schöne Blumen, — aber wenn ich dock dieser Blume wegen wieder herkäme — werde ich Ihnn nicht unangenehm sein?" „O nein, gwiß nicht. Bitte schön, mein Herr." — „So werde ich mir gestatten von Ihrer Erlaubnis Gebrauch zu nachen." — Er war flrt. Sinnend saß die Tochter des bösen Masel da; da Aöpfchen in die liebliche Hand gestützt, schaute sie auf >ie im schönsten violet leuchtenden Nelken. O, sie hat sie mmer lieb gehabt, diese von ihrer eigenen Hand gezogener Blumen. Aber jetzt um wieviel mehr. „Gewiß, ihr nüßt noch schöner werden, an Stengel, Blatt und Bitten, dachte sie — wenn er wiederkommt, dann soll er euch reizend flnden. O, glückliche Blumen! rang es sich aus der Brust Röschens hervor. Doch jetzt mußte sie sich an die Bereitung des Mittagsmahls machen, denn es war bereits ll Ahr. Nachmittags wird der Wagen Rüben Ietteles aus dem Thor geschoben. Auf denselben wurden Puten und Enten in reicher Zahl geladen, dann setzte er sich selbst auf und fort geht es durch die Stadt hinaus auf die Thauffee, die da zu dem Gute Ägeln führt. Er gelangt nach dort und läßt das Fuhrwerk abseits an dem Waldsaum stehen, während er sich selbst zum Gutsherrn begiebt. Es ist vier Uhr. Wollheim hat Raffee auf der verranda eingenommen. Eben greift er nach dem neben ihm liegenden Zeitungsblatt, als er die lauten Tritte eines sich nähernden Mannes vernahm, der bald darauf um die Ecke biegt. Wollheim kennt den Ankommenden nicht, vermutet indes in ihm einen Juden aus B. Wir jedoch haben nur hinzuschauen, um in ihm Rüben Ietteles, den argen Äonkurrenten von Leiser Mayer zu gewahren. Er war herangekommen, riß die Mütze vom Aopfe und sprach: „Sie entschuldigen, Herr Ämtmann, Sie waren bei mir wegen Ankaufs von Federvieh und ich habe solches jetzt hierhergebracht, mein Wagen steht dort hinten am Walde." Der Mann machte auf Wollheim einen häßlichen, unangenehmen Eindruck. „Wer sind Sie?" fragte er. „Ich bin das böse Masel" antwortete jener unverfroren. (Schluß folgt.) Das Sterben Moses. Nach einer arabischen Sage. Von Rebecca Treitel. Mitten in dem Wüstensande, Der Arabiens Land durchzieht, Ragen himmelhohe Felsen Riesenpfeiler von Granit. Wuchtig dumpfe Hammerschläge Fallen in den Mauerstein, Engel graben eine Höhle — Soll noch heut vollendet sein. Heißer Tag — und nirgend Kühle In der glüh'nden Wüstenluft; Nur der Fels schützt vor der Schwüle, Schatten nur gewährt die Gruft. Seht, ein Greis mit Silberhaaren Naht, von Thatendrang durchglüht, Von Jugendmut die Augen strahlen Arm und Geist sind ihm nicht müd'. Mose ist's, der Gottesstreiter, Der dem Volk die Thora gab, Juda's Lehrer, Juda's Leiter Auf dem langen Wüstenpfad. . Müde von des Tages Hitze Eilt er auf den Felsen zu, Sucht nach einem schattigen Sitze Sehnend sich nach kurzer Ruh.