Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1892
- Issue
- 3 (13.10.1892)
- Date
- 1892-10-13
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 3 ^Jeschurun. Seite 35. \ so vieler Berufener erhalten und somit deren innersten Überzeugung Ausdruck leiht, wäre es unverantwortlich, ja geradezu sündhaft, daran mäkeln zu wollen, auch eine nachträgliche Umänderung der Form, wie des Inhalts dem Manifeste in den Augen der Nichtjuden gewiß nicht zum Vorteil gereichen kann. Auch würden zu jeder Änderung andere wieder neue Änderungen hiuzuzufügeu haben. Hinsichtlich des Inhalts betonte man u. a., die Sätze seien unvollständig und bieten teils manch Nebensächliches, teils vermisse man bei ihnen gewisse Hauptmomente der jüdischen Ethik. Endlich warf man ein, die Sätze trügen mehr den Stempel eines Dogmas, und das Judentum sei doch jeglicher Dogmatisierung seines Lehrinhalts abhold. Es kann nicht meine Aufgabe sein, diesen Einwürfen in ausführlicher Weise entgegenzutreten, es würde dies zu weit führen und über den Rahmen meines Themas hinausgehen. Jedoch kann ich es mir nicht versagen, hier zu betonen, daß die Grundsätze ursprünglich weniger für die Bekenner des Judeutulns, als vielmehr für die Nichtjuden zu deren Belehrung geschaffen worden sind, wie aus der eben vernommenen Entwickelungsgeschichte zu ersehen ist. Es mußten daher all die Beziehungen, in die wir zu unseren nichtjüdischen Mitbürgern im Einzelnen, oder in der Gesamtheit treten, Berücksichtigung finden, und es mußten für diese Beziehungen die Normen fixiert und klargcstellt werden. Was hier nach innen nebensächlich erscheint, charakterisiert sich oft nach außen hin all) etwas bedeutsames. So kann sich etwa ein Laster eingenistet haben und vornehmlich Gegenstand der Anklage sein, das an sich im Verhältnis zu andern Lastern gar nicht so verdammenswert erscheint, dennoch vor den bedeutenderen Erwähnung finden muß, weil es öfter in die Erscheinung tritt und weil betont werden muß, daß die Sittenlehre des Judentums es scharf verurteilt. Was nun endlich den Vorwurf einer Dogmatisierung betrifft, so kann wohl behauptet werden, daß eine solche keineswegs beabsichtigt ist, da es ihrer -gar nicht bedarf, indem die Grundsätze das in kurzen, prägnanten Worten wiedergeben, was unser religiöses Schrifttum an gar vielen Stellen in größeren Zügen längst darbietet, oder was in naturgemäß fortschreitender Entwickelung aus dem Geiste dieses Dargebotenen geflossen ist. — Vergegenwärtigen wir uns nunmehr das im vorhergehenden in kurzen Zügen vorgeführte Bild der Entstehungs- Geschichte der 15 Grundsätze und deren Bedeutung und Notwendigkeit im allgemeinen, so werden wir nicht anstehen zu erklären: 1. daß die in neuester Zeit wiederum unaufhörlich zu Tage getretenen Verdächtigungen der Sittenlehren des Judentums und die irrigen Ansichten über dieselben eine öffentliche, mit größtmöglicher Autorität ausgestattete Kundgebung, welche sowohl diesen Verdächtigungen jeglichen Boden nimmt, als auch die irrigen Ansichten berichtigt, notwendig gemacht habe, 2. daß die von der Leitung des D.-J. G.-B. veröffentlichten „15 Grundsätze der jüd. Sittenlehre" das in klaren kurzen Worten aussprechen, was die Religion des Judentums bezüglich des Verhaltens ihrer Bekenner zu dem einzelnen Nebenmenschen, zur allgemeinen Kultur, zum Vaterlande und zur Menschheit vorschreibt, 3. daß diese Sätze wohl geeignet sind, nach innen hin fördernd und kräftigend, nach außen hin abweisend, klärend und berichtigend zu wirken, eine richtige Ansicht über die jüdische Ethik bei den Nichtjuden zu befestigen und somit das Verhältnis zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Mitbürgern heilsam zu beeinflussen. — Wissenschaft und Weratur. Drei Rätselbücher der Menschheit. Von Dr Ludwig A. Rosenthal. (Fortsetzung.) Und wie erscheinen ihnen Welt und Menschheit? Bei Faust verschwindet der Eiuzelmeusch vor der Gesamtwelt; vor dem Erdgeiste, der das Kleid der Gottheit webt, ist der Mensch winzig und sch'.vach, er gleicht nur dem Geiste, den er begreift. Der Mensch hat sich von seiner ursprünglichen Einfachheit entfernt, darum sind auch seine Weltverhältnisse falsch geworden. Mephisto hält dem Schüler einen Weltspiegel vor, der da zeigt, wie verzwickt das gesamte Leben der wirkenden und thätigen Menschheit ist, so daß man nur den spütern zurufeu muß: Weh Dir, daß Du ein Enkel bist! Eine Sehnsucht nach Einfachheit, nach ursprünglichen Verhältnissen, nach einer arkadischen Welt tritt an vielen Stellen im Faust empor und würde noch ..w-l erschütternder klingen, wenn es in Göthes Art läge, derartige Töne in voller Kraft anzuschlagen. Seinen Faust hat nie nach einer Wirksamkeit in den weiten Kreisen der Menschheit verlangt, darum tritt nur in Nebenzügen der Schmerz über die Vergänglichkeit alles Irdischen darin hervor. Doch fehlen nicht die Worte: Das ist die Welt: Lie steigt und fällt. Und rollt beständig. Sie klingt wie Glas, Wie bald bricht das? Ist hobt inwendig-— Mein lieber Sohn, Halt dich daran! Du mußt sterben! Sie ist von Thon, Es giebt Scherben. recht götheisch, daß er diese Worte nicht seinem den Mund legt! sondern sievon einem Kater Hexenküche sprechen läßt, wie er überhaupt gern ( das Entsetzliche mit dem Schein des Spaßhaften überkleidet hat. Daß in einem Buche dieser Art, wo nach dem Zwecke des Menschenlebens gesucht wird, dieser Zug nicht fehlen darf, zeigen uns Kohhleth und Hamlet. Saldmo fragt: Was bleibt dem Menschen Von seiner Mühe, Mit der er unter der Sonne sich plagt? Ein Geschlecht geht hin, Ein anderes kommt. Die Erde nur bleibt dauernd bestehn. Die Sonne geht ans, Die Sonne sinkt, "Nach ihrem Orte strebet sie hin. Nach Süden geht hin, Von "Norden schnaubt her. In weiten Windungen wütet der Wind In weiten Windungen kehrt er zurück. Alle Ströme Gehen in's Meer Dennoch ^wird es nicht voll, das Meer, Wo die Ströme hingegangen. Helden in der gerade ist in ■1 4 \ i