Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1892
- Issue
- 3 (13.10.1892)
- Date
- 1892-10-13
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 34. I e s ch n r u n. Nr. 3. die verbreitetste Zeitung in ganz Frankreich, gegründet hat; Jules Claretie, hervorragender Romanschriftsteller, Mitglied der Akademie und Direktor der ersten französischen Bühne; Anatol, Mitarbeiter des „Temps", dessen Begründer gleichfalls ein Elsässer Jude namens Neffzer gewesen ist; Jules Simon, ehemaliger Minister und Mitglied des Instituts, , welcher ursprünglich Simon Suisse hieß. Bei der „Republique Francaise“ arbeitet Ludwig Halevy, dessen Romane und Theaterstücke großen Erfolg hatten, ferner Louis Bloch und Josef Reinach; beim „Figaro" Adrien Marx und Rosenthal, dieser unter dem Pseudonym „St. Eire", beim «Journal des Debatsu der berühmte National Ökonom Georg Michel, der bekannte Dramaturg Adolf D'Emery und der Lyriker und Romaneier Catull Mendes. Ferner ist Arthur Mayer Redakteur vom „Gaulois“, Eugen Meyer Mitarbeiter der ,,Lanterne“ und Blvvitz Korrespondent der „Times". Bedeutende Schriftsteller sind Abraham Dreyfuß, Louis Ratisbonne, Albiu Balabregue und Ernest Blum. Zu den Koryphäen der Buhne gehören: Zelie Hadnmart, Amalie Hirsch, Rvsina Bloch, welche an der großen Oper wirken, und Worms und Beer vom Theatre Franoais. Als Malerin genießt Rosa Bonheur eines Weltrufes. In der Armee haben sich ausgezeichnet die Generäle Lambert, Brissac, Alvaris, Lewy, See und Salvador, ferner stich auch die Obersten Lyon, Fix und Hinstin Juden. Auf dem Gebiete der Politik haben sich hervorgethan: Camill Dreyfus, Lockroy und Reinach; unter den Gelehrten zeichneten sich aus Leo Philippin und Loewy, welche hervorragende Astronomen sind; Lippman, der Erfinder der farbigen Photographie und der Schwiegersohn Dumas', Germain Bee, berühmter Arzt; Emil Javal und Michael Breal, beide Mitglieder der französischen Akademie. Aus dieser Liste, welche, wie gesagt, durchaus nicht Anspruch auf Vollzähligkeit macht, ist zu ersehen, daß die Drumont'sche Behauptung durchaus aus der Lust gegriffen. * * Im Interesse der russichen Judenemigration wird demnächst die Bildung eines Petersburger' Eentralkomitees erfolgen. Herr Feinberg, der General- , Bevollmächtigte des Barons Hirsch für die Judenemigration in Rußland, kommt aus Kischinew, wo er sich seit Monaten in eben derselben Angelegenheit aufhielt und bisher die dortige Emigration regelte, nach Petersburg, um unverzüglich zur Bildung des Centralkomitees im Sinne der mit dem Ministerium des Innern getroffenen Vereinbarung zu schreiten. Außerdem hat Herr F. ein Projekt ausgearbeitet, das auch bereits die Zustimmung des Barons! Hirsch erhalten, wonach von jetzt ab in allen jüdischen > transatlantischen .Kolonien die Selbstverwaltung j einzuführen wäre, indem es bislang zwischen Kolonisten und Administrationen beständig zu Reibereien gekommen ist, die bis zu offener Auflehnung führten und sogar ein Einschreiten mit Waffengewalt zur Folge gehabt haben. Nach diesem Projekt ist den südlichen Kolonien eine vollständige Autonomie einzuräumen, sodaß sich in Zukunft die Administrationen der Kolonisations-Gesellschaft in keiner Weise mehr in die inneren Angelegenheiten der Kolonien zu mischen haben. Die von jeder Auswanderungsgruppe zur Besichtigung der zu wählenden Kolonisativnspunkte und Anlage von Kolonien vorausgeschickten Delegierten und Vertrauensmänner sind als Gemeindeälteste zu wählen und außerdem ein sogenannter GemeiHderat zu installieren, dem die Sorge über die wirtschaftlichen, Samtäts- und Schul- Angelegenheiten und die Polizeigewalt in der Kolonie zu übertragen. Je fünf oder zehn Kolonien bilden eine Gemeinde oder einen Bezirk, an deren Spitze ein Bezirksamtsverwalter oder Inspektor, von dem aber unbedingt zu verlangen, daß er höhere agronomische Bildung besitze und dessen Hauptaufgabe die rationell-ökonomische Verwaltung des ihm unterstellten Bezirks ist. Endlich vereinigt sich in ihm die oberste gerichtliche und polizeiliche Instanz des Bezirkes. Was schließlich die oberste Kolonien-Verwaltung anbetrifft, so hat dieselbe nur ausschließlich aus russischen Juden zu bestehen und scheidet sich in folgende Teile: in eine wirtschaftlich-finanzielle, in eine gerichtlichadministrative, sanitär-medizinische, in eine v bteilung für geistliche und Schulangelegenheiten und in eine militärisch-polizeiliche Abteilung. Einer sogenannten Haupt- und Centralverwaltung wird die Oberleitung, oberste Kontrolle und Oberaufsicht übertragen. Die „15 Grundsätze der jüd. Sittenlehre." Von I. Herzberg. ]JI. (Schluß.) Vor allen Dingen ist dieses Manifest die einzige derartige Publikation, welche von jeg licher Polemik sich frei hält und nicht angreifend vorgeht. Man ging bei der Abfassung von dem richtigen Gedanken aus, daß eine Kundgebung, welche „Sittenlehre" predigt, nicht von dem „Irrtum", von! der „Gehässigkeit," von dem „Undank" anderer sprechen j dürfe. Sie darf nicht anderen Vorwürfe machen, muß vielmehr ruhig und milden Tones ihre Lehren vortragen. Mau kann nicht Frieden lehren und zugleich kämpfen wollen. Sodann ist es die unbedingte Einigkeit aller Partei- Richtungen innnerhalb des Judentums, das diesem Manifeste seinen besonderen Wert verleiht. Männer von so verschiedenartiger Anschauung, wie Fr. Hildesheimer, Leiter des Berliner orthodoxen Rabbinerseminars, und die Prediger der Berliner Reformgemeinde, haben erklärt, inbezug auf die jüdischen Sittenlehren völlig einig zu sein, was durch ihre Unterschriften beglaubigt ist. — Und die Erfoge selbst? Sie haben sich schon in erfreulicher Weise gezeigt. Die Grundsätze haben bereits in jüdischen, wie in nichtjüdischen Kreisen eine gewisse Autorität erlangt. Christliche Moralphilosophen, wie Gizycki, haben dieselben als jüdische Ethik in ihre Lehrbücher aufgenommen. Das Herxheimer'sche, das Levin'sche und andere Lehrbücher der jüdischen Religion bringen die Sätze. In Prozessen, wie in Marburg und Luxemburg, wo es sich um eine Beleidigung von Juden und Judentum handelte, haben die Gerichtsbehörden in ihren Urteilsbegründungen auf die l5 Grundsätze Bezug genommen. Dies war jedoch nur möglich indem so viele Autoritäten in dieser Frage ihr Votum einhellig für die Sätze abgegeben haben. Die 15 Grundsätze sind, ob mit Recht, möge hier unerörtert bleiben, auch hie und da innerhalb unserer eigenen Gemeins chaft Gegenstand des Angriffs gewesen. Man mäkelte sowohl an ihrer Form, als auch an ihrem Inhalte. Wer wollte es als unmöglich hinstellen, daß diese Aussprüche, wie überhaupt alle menschlichen Satzungen, nicht in irgend welcher bessern Form aufgestellt werden könnten, aber •— indem uns hier nun etwas vorliegt, welches die Zustimmung