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Jeschurun · 1892-10-13 · 3 (13.10.1892) · p. [Seite]

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Journal
Jeschurun
Volume
1892
Issue
3 (13.10.1892)
Date
1892-10-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nr. 3. Königsberg i. Pr., den 13. Oktober. 1892. Ir-- Israelitisches OeWeiaHe- Herausgeber: A. Uevin in Tilsit. Erscheint jeden Donnerstag. Zu beziehen durch die Post oder die Expedition. Vertag: G. Moser, Königsberg. Preis vierteljährlich 2 Mark. Anzeigen die viergespaltene Petitzeile 20 Pfg. Spr. d. Väter 1, 2 Inhalt: Wochenübersicht. Die „15 Grundsätze der jüd. ölttenlehre." Von I. Herzberg (Bromberg.) Drei Rätselbücher. Von Rabb. Dr. Rosenthal (Rogasen.) Das Pharisäertum. Von Bezirksrabb. Dr. Grünebaum (Landau.) Homiletische Briefe. Von Dr. H. S. Mädchen - Konfirmationsunterricht. Von Rabb. Dr. 'Grünwald (Jungbnnzlau.) Revue der Presse. — Kleine Chronik. Das böse Masel. Erzählung von M. Scherbel (Gumbinnen.) Gedicht. . Von R. Streitet (Karlsruhe.) Kritische Blätter. — Gedenktage. — Vereinsbote. — Lose Blätter. — Anzeigen. Wocheniiberßcht. In der Woche zwischen dem Versöhnungstage und dem Suckotfeste, da in Israel, den göttlichen Schutz symbolisierend, Laubhütten errichtet werden, ist das Unvergängliche in dem Menschen, sind Intelligenz und Gerechtigkeit zu Worte gekommen. In dem Lande, wo der Judenhaß sich in seiner rohesten und kulturfeindlichsten Gestalt zeigt, in Österreich, hat Kaiser Franz Joses, beim Empfange der österreichischen Delegierten in der Ofener Burg, Gelegenheit genommen sich über das unwürdige Treiben der Antisemiten im niederösterreichischen Landtage mit einer Schärfe zu äußern, wie man sie aus dem Munde eines Fürsten noch nie vernommen. Er nannte die Vorgänge im Landtage einen „wahren Skandal, der zu keinem guten Ende führen könne, eine Schande vor der ganzen Welt". Zum erstenmal erklingen diese Accente von der Höhe des Thrones herab mit schneidender Schärfe gegenüber jenen, die das ihnen anvertraute Mandat eines Volksvertreters dazu mißbrauchen, um die Bevölkerung aufzureizen, die Wissenschaft zu ver höhnen, die Staatsgewalt zu unterwühlen, den Aberglauben zu verbreiten und den sozialen Krieg gegen unsere Glaubensgenossen zu predigen. Und nicht zum erstenmale spricht es der österreichische Kaiser ans, daß er seine schützende Hand über seine jüdischen Unterthanen hält. „Ich will Frieden unter meinen Völker n!" „Ich dulde keine Judenhetze in meinem Reiche!" „Ich weiß es, die Juden sind gute Patrioten." So hat der.. Monarch zu wiederholten Malen gesprochen, ohne daß die Hetzer und Wühler diese warnenden Worte hatten verstehen wollen. -!- -i- * Und so stellen sie sich auch jetzt an, als ob die ganze Sache sie nichts anginge. Das antisemitische „Deutsche Volksblatt" in Wien und nach diesem die gesinnungsverwandten Blätter im Reichsdeutschland verzeichnen die Äußerung des Monarchen und fügen heuchlerisch hinzu: „Wir meinen, der Kaiser hat da wieder einmal ein gutes Wort zur rechten Zeit gesprochen. Die Zustände im niederösterreichischen Landtage sind unhaltbar, da bei dem Terrorismus, den die liberale Partei daselbst ausübt, an eine sachliche Arbeit unserer Landesvertretung nicht zu denken ist. D i e w ü st e n S c e n e n, d i e die Liberalen i m n i e d e r ö st e r r. Landtage hervorgerufen haben, sind noch in aller Gedächtnis. Das ist eine Schande und ein Skandal! Und da muß Wandel geschaffen werden!" — In Prag sitzt der k. k. Profsessor Rohling, der mit Meineiden in d'r ganzen Welt hausieren geht; im Reichsrate sitzt der Prinz L i e ch t e n st e i n, der seine eigene Vergangenheit verleugnet; im Landtage sitzt Ernst Schneider, der Stammpiglien und Stimmzettel fälscht und zu falschen Zeugenaussagen verleitet, und in der Redaktion eines Wiener Blattes sitzt Ernst Vergani, der seines Kaisers Worte in ihr Gegenteil verkehrt. Diese Worte werden so gedeutet, als ob sie auf die Liberalen gemünzt wären, obwohl die Entrüstung des Kaisers gegenüber einem antisemitischen Delegierten in unzweideutiger Weise zum Ausdruck kam. Nicht ohne Abscheu kann man an diese verrottete Gesellschaft denken. * * Ein anderes Bild wird in einem Budapester Tageblatt von französischen Juden entworfen, denen die Drumont und Konsorten nachsagen, daß ihre hervorragenden Männer nur auf dem Handels- und Bankwesen zu finden seien. Wie sehr diese Anschuldigung jeden Grundes entbehrt, beweist folgende Statistik, 'welche durchaus keinen Anspuch auf Vollzähligkeit mache will. In der Journalistik und Litteratur haben sich einen bedeutenden Namen erworben: Albert Millaud, Mitarbeiter des „Figaro," und dessen Vater Polido^Millaud, der das „Petit Journal" imiS,; strömt., V y' - > - _/ ... » __ V' 1 \ L

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