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Jeschurun · 1892-10-06 · 2 (2. Probennummer) (6.10.1892) · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1892
Issue
2 (2. Probennummer) (6.10.1892)
Date
1892-10-06
Page
Seite 27 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2. Seite 27. 3 t F rfj u r u n. auch eine größere Anzahl Gäste in nächster Zeit hier einträfe. — Ich fyabe mich ja immer einzurichten gewußt." — Wollheim, der in Marianne ein gar vortreffliches Wirtschaftsstück besaß, wollte die Selbstbewußte nicht gekränkt wissen. Er antwortete daher im besänftigenden Tone: „Das weiß ich ja Marianne, aber Sie sprechen ron Hühnern und Gänsen, wie, wäre es nicht nötig, daß wir auch Eliten und Enten hätten?" Nochmaliges Erstaunen der Wirtschafterin. Sie ver-; suchte die Nase zu rümpfen, allein, das war gar nicht - nötig, da dieselbe schon von Natur auf eine diesbezügliche! Darlegung des Mißbehagens eingerichtet war. „Zch weiß nicht ob dasselbe nötig ist" sagte sie etwas; piquiert — „doch, wenn der Herr Amtmann es wünschen. . ." j Gewiß, Marianne, ich wünsche es, und werde mir dabei! die Einkäufe selbst besorgen." — — | Erstaunen von seiten Mariannens in dritter Potenz 1 mit einer starken Dosis von Gereiztheit. Was hatte er sich in den Einkauf des Geflügels zu mischen; wie, hatte! sie ihm jemals Veranlassung zum Verdacht gegeben; war j sie nicht die Anhänglichkeit und Gewissenhaftigkeit selbst? ' Zener fuhr fort: „SagenSie mir doch einmal, bei welchem , Händler in der Stadt, man wohl dabei am besten ankäme." — j „Ich kaufe meist nur bei den Landleuten auf dem! Markte, selten nur von den Händlern" antwortete sie kurz.! „Aber wie heißen sie denn eigentlich diesehändler?" — j „i)ch höre mitunter nennen: Esther Berils, Nicke mit 1 dem halben Fuß, und das böse Masel." — i „Das böse Masel, — was bedeutet denn das?"! „Ich weiß es nicht, aber man nennt den Mann . einmal so."! „Es ist gut" sagte Wollheim wtd gab ein Zeichen,! daß sich die Wirtschafterin entfernen könne. And sie ging,! die gute, jetzt sehr gekränkte Marianne. Und in ihrem , Kopfe arbeitete es wie in einer Maschine: der Herr! erkundigt sich nach dem Stand des Geflügels, er ist nicht j zufrieden mit dem vorhandenen Vorrat — und er will i sich den Einkauf derselben ferner selbst besorgen? Große, i gewaltige, weltbewegende Fragen, — die selbst in einem! Gehirn wie es die groß und stark gewachsene Wirtschafterin j besitzt, nicht Raum haben. — Es war am andern Tage j vormittags ungefähr (0 Uhr.! Zn der kleinen Wohnung Leiser Mayers sah es bereits i sauber geordnet und aufgeräumt aus, denn das ließ sich; Röschen, seine Tochter nicht nehmen, die innere Verwaltung des Hauses nach ihrem Sinne und ihrer Weise zu gestalten, und da trat denn in allen Ecken und Enden des einfachen Raumes in Anordnung der bescheidenen Möbel, in allen dem, was dem Zimmer zur Verzierung dienen konnte, der wohlgefälligste Geschmack zu Tage. Kein prachtvoller Teppich bedeckte den Fußboden; dafür aber hob sich die Helle Weiße der sorgfältig gescheuerten Dielen wohlthuend dem Auge ab, zeichnete sich die peinlichste Sauberkeit auf allen vorhandenen Gegenständen, auf welchen kein Stäubchen zu sehen war. Durch die geöffneten Fenster zog ein erfrischender Luftstrom in das Zimmer und wurde getränkt von den: Aroma der auf einem zierlichen Tischchen stehenden Blumenstöcke,; welche mit künstlich gezackten bunten Papierstreifen um-! hüllt waren. j Der Feststrausz. Zum Laubhüttenfeste. Bon Dr. I. Goldschmidt. Eßrog, £ufaiu, Iflijif umt SDimCef itirfi jum Strau§! Dodi (feiiirnff juc Itff esfteude Hänget mit ins Haus; — Sduningt itrii Mfffraufj in die Lüste, „Sduiffeff,“ Hrudec, iffn, TiefenSinn, roieHIumeiidüffe, Soff ec um (Budi fpriili’n!*) Eßrog Hei der Seifte Fülle Hlirff Dein Duff umkreist: Hüll des Manns uon edler Groß an Herz und Geist Hüt Du, der nidit ffdi affeine Hligeldiloffen lebt, Deß Gemüt fiiu zum Vereine Mit den Hrüdern strelit. — Hu [am — Palme — Früdüe reifst Du Dorff Dir Duff gebridd; Stolz znrWolkenfföffe ffffmeisst Du, Strekst zll andern nitfit: Hist ein Sinnfiitd mir des kalte u Denkers offne Herz, Der für ffdi allein 6 eff alten Will das edle Erz. *)Nach Midrasch rabba Levit .30. Myrte — würz'ge ffaudt|t Du, Wie non Lief? lieleelt, Dimmer Dirff zn srffümen liraurffst Dn Gli autff Hrucfff Dir sefflt! Hidit kann stolz znrHöke ragen Zeder ffodigeleffrt, Fremde Leiden mitzntragen, fleinem ist nermeffrt. Weide — an des Hadtes Hände Hot Didi nie ffeimfurfff: Dir allein, ff eff'Deine Srffande! Fefflet Dust und Fendd. — Hdi, genug giefft's Deinesgleidlen Leiller in der Welt, Dem " ~ ' als Hist Du zngesellt. — Eßrog, Lnlam, Myrt' und Weide, Hngleidi iffr erldieint; Freijedodi nomStolz nndHeide Endi der Strauß vereint: Hrüder, [mit in dieler Stunde Hießen und nerzeiff'n, Heiner soll vom Hrmlerffnnde Hnsgeldilollen sein! Schreibebrief des autisemitifcheu Studiosus Teutobold in Wien an seinen Freund in Berlin.*) (Nach der Auflösung der antisemitischen L>tudenten-Bereine.) Liebenswertester Kumpane Pumpo! Eigentlich sollte ich Dir diesen meinen Brief auf Papier mit fingerbreitem schwarzem Rande schreiben, aber der Marqueur meines Stammcafos, der mir immer die Brief- Papiere borgt — ich besorge meine Korrespondenzen stets im Kaffeehause — hat kein derartiges ans Lager. Also teile ich Dir ohne Trauerrand die düsterste Kunde der Welt mit: Wir sind sämtlich gestorben, ohne Ausnahme! Es kann nichts Betrübenderes für ein honoriges Mitglied der wohllöblichen Specie bipedes geben, als wenn dasselbe seine eigene Auflösung erlebt. Diesen Erlaß — den hätten sie uns erlassen, oder vielmehr nicht erlassen sollen, wie Du willst. — Ich bin in namenlosem Jammer, ganz aufgelöst, daher verzeihe diesmal, wenn mein Schreiben nicht die gewohnte sorgfältige (Fortsetzung folgt.) ) Nach d*er „Österr. Wochenschr. 0200945971

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