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Jeschurun · 1892-10-06 · 2 (2. Probennummer) (6.10.1892) · p. Seite 26

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Journal
Jeschurun
Volume
1892
Issue
2 (2. Probennummer) (6.10.1892)
Date
1892-10-06
Page
Seite 26 (sequence 10)
Language
German
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Seite 26. I e schu r u n. Nr. 2. beim Reichskriegs-Minister und erlangte die erstrebte Vergünstigung für den Bereich des 8. Armeekorps. Gleichzeitig wurde auch den Angehörigen des 2. Armeekorps dieselbe Vergünstigung zugestanden. * In Fiorenzuola starb der Nestor der italienischen Rabbiner, Herr Tobias Foa, im Alter von 80 Jahren. * Um das vakante Rabbinat in Zürich bewerben sich und haben „geprobepredigt" n. a. Dr. Landsberg-Kaiserslautern, Einstein-Laupheim, Lazarus- Köln, Plato (vom Rabb.-Sem) in Berlin. * Der Beschluß der unter der Führung des Dr. Wise stehenden amerikanischen Reform-Rabb., in Zukunft bei der Aufnahme von Proselyten die Zeremonie der Beschneidnng nicht mehr zu beachten, hat eine Entgegnung der Orthodoxen hervorgerufen. Der Oberrabbiner Jakob Joseph erläßt einen Aufruf, worin alle orthodoxen Rabbiner der Vereimgteu Staaten zu einer vom 9. bis 10. Oktober dieses Jahres in New-Aork abznhaltenden Versammlung eingeladen Werden Dr. Wechsler-New-Iork fordert alle Reform-Rabb. zu einer Disvutation über die Streitfrage heraus und sprich die Überzeugung aus, baß es ihm gelingen wird, seinen Gegnern die Irrlehren des Reform-Judentums nachznweisen. Wir werden über den Verlauf dieser Versammlung s. Z. berichten. * In der Universität von Kioto in Japan ist die hebräische Sprache als Lehrgegenstand ausgenommen worden. Professor Nasa hat 38 Studenten in der hebräischen Abteilung. AiMienMiulg. Das böse Atasel. Erzählung von Moril; Lcherbel. Fortsetzung. So erscheint sie uns jetzt in ihrem häuslichen Walten als der gute Genius, den die Vorsehung vielleicht aus ganz besonderen Gründen nach dieser Stätte verpflanzt. Denn die Verhältnisse, wie sie in diesem Hause walteten waren nur wenig dazu angethan aus Röschen ein Musterbild zu schaffen. Wir haben bereits gesagt, wie wenig die Eltern selbst dazu geeignet waren, für die geistige und ästhetische Ausbildung ihrer Tochter etwas zu thun, wenn sie auch den guten Willen dazu hatten, ja daß sie vielmehr unbewußt den schädigendsten Einfluß auf die von ihnen sonst wie ein Aleinod geliebte Tochter ausübten, und wenn die Folgen davon ausblieben, es eben nur dem ganz eigenartigen Tharakter ihres Rindes zuzuschreiben war. Röschen hatte eine gewöhnliche Elementarschule besucht, aber das, was daselbst gelehrt wurde, hatte sie mit vieleni Ernste in sich zu befestigen gewußt. So viel Einsicht besaßen indes doch die Eltern Röschens, daß sie diese niemals auf den Markt zum Handel Mitnahmen, dazu war sie ihnen doch zu gut. Es war an einem Septembervormittage und der scheidende Sommer goß noch die ganze Fülle seiner Lieblichkeit in der Natur aus, wo Himmel und Erde sich zusammenthaten, die Welt schön und begehrenswert zu machen. Aus dem kleinen Häuschen Leiser Mayers trat dessen Tochter, Röschen, — sein „lichtig Masel", wie er sie mit Vorliebe als Entschädigung für seine eigene, unglückliche Namensbereicherung — nannte. Sie ging dem Markte zu, um daselbst einige Einkäufe im Manufakturgeschäfte zu machen. Ihr kam eine offen? Aalesche entgegen, an der sie gleichgültig vorüberging. Nicht so gleichgültig erschien sie selbst aber dem Herrn, der in der Aalesche saß. Er sah sich nach ihr um; dann i befahl er dem Rutscher zu halten. Er stieg aus dem Wagen, und trat an einen vor der Thür eines Hauses stehenden Mann heran, den die umgeschnallte Lederschürze als einen Mann des Schmiedehandwerks kennzeichnet. „Meister," begann der Herr zu ihm. „Aönnt Ihr mir vielleicht sagen, wer die junge Dame ist, die dort die Straße hinauf dem Marktplatze zugeht?" Der Angeredete wendete! seine Blicke nach der bezeichneten Richtung hin und antwortete: ,,Diese? Das ist die Tochter des bösen Masel". — „Zch verstehe Euch nicht." — sagte der andere. „Nun, ich wiederhole es Euch: das Mädchen ist die Tochter des bösen Masel, des Geflügelhändlers, der hier nebenan ’rn dem kleinen Haufe wohnt." „Also Geflügelhändler ist der Vater und wohnt hier" sagte der Fremde und merkte sich das Haus. Er war ein hübscher junger Mann tritt schwarzen! Vollbart, Heinrich Wollheim war sein Name. Er hatte in der Nachbarschaft B.'s, wo unsere Erzählung spielt, ein Gut, das er selbst verwaltete. Heinrich Wollheim war? Jude. Sein Vater, ein reicher Aaufherr in Berlin,! hatte.ihn Ökonomie studieren lassen und ihm später das! Gut Ageln zur eigenen Verwaltung angekauft. Und man mußte sagen, Wollheim verstand sich auf die- Landwirtschaft, er genoß den Ruf dafür. Das Gut gedieh unter seinen Händen und ließ voraussehen, daß es einmal zu den besten der Umgegend gehören werde. Wollheim trug noch sehr viel jüdische Gesinnung in sich. Wenn auch in der Ausübung aller Zeremonialgesetzes nicht rigoros, so war ihm doch das Judentum in seiner eigentlichen Bedeutung an's Herz gewachsen. Er hatte wieder den Wagen bestiegen, besorgte dann noch einige Angelegenheiten und fuhr hierauf nach seinem Besitztum, welches eine kleine halbe Meile von der Stadt entfernt lag. Raum heimgekehrt berief er Marianne feine Wirt-! schafterin zu sich. I „Zch glaube annehmen zu müssen, Marianne." — j sagte er, — „daß eine Vermehrung unseres Geflügels; nötig ist, da in nächster Zeit eine große Anzahl von Gästen hier eintreffen wird. Marianne staunte, denn noch niemals hatte ihr Herr sich um das Geflügel gekümmert. Das war sozusagen; ihr Ressort, das sie sich selbst nach Gutdünken gestaltete, die geflederten Haustiere entweder sich selbst zog oder nach Bedürfnis käuflich ergänzte und vermehrte; sie begriff den Eingriff des Herrn in ihren wirtschaftlichen Zweig in diesem Augenblicke durchaus nicht. Sie staunte, und sie, die bereits mit den Dreißigern abgeschlossen und sich selbst unrecht gethan hätte, wenn sie sich in den jungen Zähren zu den Schönheiten gezählt, geriet unter dem Eindrücke dieses Erstaunens ganz und gar aus allen Formen der Anmut und Lieblichkeit. „Ich habe, Herr Anitmann" — so titulierte man den Gutsherrn — „noch meinen Vorrat an Hühnern und Gänsen und werde nicht in Verlegenheit kommen, wenn

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