Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1892
- Issue
- 2 (2. Probennummer) (6.10.1892)
- Date
- 1892-10-06
- Page
- Seite 25 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2. Seite 25. ^Jeschurun. * Im öfterr.-schles. Landtage beantragte der antis. Abg. Türk, das Gesuch der jüd. Gemeinde in Troppau um eine Subvention für die israelit. Schule abzulehnen. Die Subvention wurde jedoch mit allen gegen zwei Stimmen bewilligt. Die Tschechen und Polen hatten sich vor der Abstimmung entfernt. * Ganz wie — anderswo! In Mako Ungarn, wurde das Gerücht verbreitet, daß für die jüdischen Feiertage ein Christenknabe von einerJüdin umgebracht worden sei. Obgleich! der Knabe bereits unversehrt gefunden wurde, mußten dennoch! die Behörden einschreiten, um eine Ruhestörung zu ver-! hindern. — Also auch zum Rosch-Haschanah-Feste sollen > wir Christenkinder schlachten! Natürlich wird der brave Herr Rohling „angesichts des Todes und seines ewigen Richters" dies aus dem Talmud „beweisen" können. * Die „Zionisten" in Lemberg geben vom 1. Oktober ein neues Blatt in polnischer Sprache heraus, das ihren nationalen Bestrebungen dienen soll. Der Titel des Blattes lautet „Przyszlosc“. Wie dieses konsonantenreiche Wort ausgesprochen wird, wissen wir nicht, aber es soll „die Zukunft" bedeuten. * Der Bis Hof von Digne hat den Geistlichen seines Bezirkes die Lektüre der Drumontsichen „Libre parole" j und der „Autorite" untersagt. Dagegen unterstützt die! katholische Partei in Brüssel einen Versuch, welcher auf j Gründung einer Antisemiten-Partei in Belgien abzielt.! * Der kürzlich verstorbene Kardinal Howard soll als! Jude geboren sein, wie etwa Ratisbonne, dieser gefeierte Kämpe Roms. Und angeblich war er gar ein Prager Judenkind und soll früher Austerlitz geheißen haben. Vor einigen Jahren lief nämlich eine Erzählung durch die Blätter, welche den englischen Kirchenfürsten zum Helden eines Ronians machte, der in Prag, Wien und Ischl spielte und, wenn wir nicht irren, nicht einmal ein entschiedenes Dementi erfahren hat. * D:e Beratung über die „Judenfrage" in Rußland, , die in der Herbstsession des Reichsrates erfolgen sollte, ist \ hinausgeschoben worden. Diese Hinausschiebung soll mit j der Reise des Domänenministers Ostrowsky in die Krimm in Verbindung stehen. Der Minister will vorher die! jüdischen Kolonien, die sich wegen ihrer musterhaften Landj Wirtschaft in ganz Rußland eines ausgezeichneten Rufes j erfreuen, eingehend inspirieren, und von dem Ergebnisse dieser Inspektion werden viele Bestimmungen des projektierten Gesetzes abhängig gemacht werden. * Einem englischen Blatte wird aus Odessa gemeldet, die russische Regierung habe den Juden verboten, ihren j Kindern christliche Vornamen zu geben, nur hebräische, also! Wohl alttestamentliche würden erlaubt. — Diese Verordnung j ist jedoch keineswegs neu; sie wurde schon vor etwa vier; Jahren erlassen, so daß an gar manchem Firmenschild der! Vorname des Geschäftsinhabers geändert werden mußte. j * Nach amtlichen statistischen Aufnahmen leben in! Palästina gegenwärtig 61,000 Juden. j Gemeinde, Synagoge und Schule.! * Preisausschreiben. Wir gedenken in jedem Quartal j mindestens ein Thema zur Preisbearbeitung zu stellen. Die! Preise werden jedoch ausschließlich in nützlichen wissen-! schaftlichen Werken bestehen, die nach dem talmudischen j Grundsatz: frnjA* C3isb bald mehr, bald weniger! kostbar sein werden. Die erste Preisarbeit soll das Thema! behandeln: „Die Bedeutung des Judentums in der Gegenwart in religiöser, sittlicher und sozialer Beziehung/' Preis: Ein neues, Halbfranz, gebundenes Exempl. der „Volkstümlichen Geschichte der Juden" von Graetz (3 starke Bände.) Endtermin für die Einlieferung: 15. November 1892. — Bedingungen: Die Darstellung muß gemeinverständlich sein; es können auch fremde Arbeiten benutzt, jedoch muß stets die Quelle angegeben werden. — Das Manuskript muß leserlich geschrieben und, ohne den Namen des Autors zu verraten, mit einem Motto versehen sein. Dasselbe Motte ist auf einen Briefumschlag zu schreiben, in welchem sich die Adresse des Absenders befinden muß. — Der Umfang des Manuskripts darf 6 Druck-Seiten „Jeschurnn" nicht wesentlich überschreiten. Die Namen der Herren Preisrichter werden demnächst bekannt gegeben werden. * * * Wie alljährlich, so sind auch in diesem Jahre kurz vor den hohen Festtagen an verschiedenen Orten neue Synagogen eingeweiht worden. So in G log an, wo unter Beteiligung der politischen, Kommunal- und Justizbehörden, sowie der christlichen Geistlichkeit, der Weihakt von dem Gemeinderabb. Dr. Rippner vollzogen wurde (Text: Psalm 24, 3—4); in Groß-Gerau, wo Rabb. Dr. Selver- Darmstadt die Feierlichkeit leitete und die Weiherede hielt. (Anknüpfend an die Worte der Schrift: „Sie sollen mir ein Heiligtum machen, auf daß ich in ihrer Mitte wohne", schilderte er in erhebender Weise die Bedeutung der Synagogen als Siegesdenkmal des erhabensten Gottesglaubens und der wahren Gottesverehrung in der Weltgeschichte); endlich in Straßbnrg i. E., wo die Religionsgesellschaft (orthod. Separat-Gemeinde) die Einweihung eines neuen Gotteshauses feierte. * Die Bemühungen der hochdeutschen Jsraeliten-Gemeinde in Altona, eine Bestätigung des Dr. Rosenfeld ans Ungarn zum Oberrabb. zu erlangen, hatten kei> en Erfolg. Der Minister des Innern hat dem Vorstande der genannten Gemeinde mitgeteilt, daß er die Wahl des Dr. R., weil derselbe Ausländer ist, nicht bestätige. * Fräulein Amalie Falk in Höchberg bei Würzbnrg hat der dortigen israelitischen Präparandenschule die Summe von 75,000 Mark vermacht. * Wie politische Blätter berichren hat das General-Kommando des VH. Armeekorps auf das Gesuch, den israelitischen Einjährig-Freiwilligen, die auf den 1. Oktober einberufen sind, wegen des Versöhnnngsfestes, die Gestellung auf Montag, den 3. Oktober zu gestatten, unterm 26. September ablehnend geantwortet. Dagegen hat das bayrische Kriegs- Ministerium durch Erlaß vom 29. August genehmigt, daß in diesem Jahr in Rücksicht auf den Versöhnungstag die Einstellung der jüdischen Einjährig-Freiwilligen auf den 3. Oktober zu verlegen sei. — Unseres Wissens ist es bisher auch bei den preußischen Truppenteilen üblich gewesen, auf die größeren Feiertage der verschiedenen Konfessionen Rücksicht zu nehmen, (vergl. auch „Prag".) * Ans Prag wird berichtet: Da das 8. Korps-Kommando sich nicht für berechtigt hielt, auf das Ansuchen der hiesigen Rabbiner Qr. Ehrenfeld und Kisch den Rekrnten-Einrückungs- Termin für die Israeliten wegen des Versöhnungstages vom 1. auf den 2. Oktober zu verlegen, eilte Her Dr. K., der seit sieben Jahren die Seelsorge bei den hiesigen israelitischen Soldaten versieht, nach Wien, bewarb sich um eine Audienz