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Jeschurun · 1892-10-06 · 2 (2. Probennummer) (6.10.1892) · p. Seite 23

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Journal
Jeschurun
Volume
1892
Issue
2 (2. Probennummer) (6.10.1892)
Date
1892-10-06
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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Seite 23. Nr. 2. I t f rij und uns eines Verfahrens bedienen, das die alte und die neue Methode in sich vereinigt. Wir müssen zunächst den Schüler auf den Geist der hebräischen Sprache aufmerksam machen und besonders betonen, daß diese nicht wie die deutsche die Begriffe durch besondere Worte, sondern meist durch Anfügung einzelner Buchstaben, von Vor- und Nachsilben, die Veränderung bewerkstelligt. Wir nehmen z. B. das Wort für die Übersetzung dieses Wortes ins Deutsche brauchen wir einen aus fünf Worten bestehenden Satz: ,,Und du sollst sie einschärfen." Wer bewundert nicht da — muß den Schülern gesagt werden — die Herrlichkeit unserer heiligen Sprache, die bei der größten Klarheit mit so wenigen Mitteln einen ganzen Gedanken ausdrückt! — Welche sprachliche Vorbildung, wie viel Zeit ist erforderlich, bis die Kinder alles das, was in dem einen Worte gegeben ist, klar erkennen! Welche Menge von grammatischen Kenntnissen setzt das Verständnis dieses einen Wortes voraus! Es ist somit ganz unmöglich die Kinder bei jedem einzelnen Worte mit allem, was zum Verständnis desselben notwendig ist, bekannt zu machen. Aber wohl sind wir im stände oem Kinde — wenn auch etwas dunkel — einen Begriff von dem Inhalte des Wortes zu geben, wenn wir dasselbe vor den Augen des Kindes entstehen lassen, oder es in seine Bestandteile zerlegen. Wir sagen: schonan — er hat eingeschärft, schonanto — du hasteingeschärst; weschinanto und dnwirst(oder sollst) einschürfen; ^vsKodiuautom— nnddusollstsie einschärfen. Und so denke ich mir die neueste Methode, die ich seit Jahren — wie ich glaube — mit dem besten Erfolg anwende. Der Lehrer trägt ein Stück des Chomesch oder Siddur vor, übersetzt es Wort für Wort und erklärt kurz den Inhalt; schon dadurch behalten viele Schüler — die befähigten und fleißigen natürlich — eine Menge Wörter, namentlich solche, die oft Vorkommen. Dann wiederholt der erste — und beste — Schüler den ersten Vers und der Lehrer zerlegt viele Worte in ihre Bestandteile. Beispielsweise wird bei 68 haschomajim dem Kinde gesagt: „schomajim — Himmel; haschomajim — der Himmel; 68 haschomajim den Himmel". Oder di^rcchcrn —eure Worte: do^vor —Wort, chvorirn —Worte diwre, dwori, dworaj. u s. w." DerSchülerlernt diesesZerlegen mit Leichtigkeit, ohne etwas von Grammatik zu wissen; er kennt noch nicht die Redeteile, keine Deklination, keine Konjugation, trotzdem lernt er mit der Zeit viele Formen und Stämme kennen, bei Substantiven Zahl, Geschlecht und Snffixa, beim Verbum Wurzel, Zeiten, Personen in der Ein- und Mehrzahl unterscheiden, und das genügt für unsere Religionsschule vollständig. Nach dem Zerlegen der Wörter und nach dem Vorträge ist das Übersetzen dann ein Leichtes und nur die jüngeren und unbefähigten Schüler brauchen dann einen jeden Vers zu wiederholen, um sich dieselben einzuprägen Und nur bei dieser Methode ist es möglich einen größeren Teil der Sidra in drei Stunden wöchentlich durchzunehmen. Der Unterricht ist nicht so starr und nicht langweilig, indem die Schüler den Fortschritt selbst bemerken und bald im stände sind ganze Sätze zu übersetzen.^ Wenn wir dieses alles ins Auge fassen, so brauchen wir eigentlich von dem Nutzen für den Lehrer nicht erst zu sprechen. Indessen muß doch noch hervorgehvben werd n, daß der Unterricht nach dieser Methode für den Lehrer selbst leicht ist, daß er keine besoudern Anforderungen an die Kräfte desselben stellt, itub was die Hauptsache ist: es giebt fast gar keine häuslichen Aufgaben. Wo es sich ermöglichen läßt, eine kleine hebräische Grammatik zu Hilfe zu nehmen it i* u n. und hin und wieder zur Erleichterung etwas aus derselben durchzunehmen, ist die von Levy besonders zu empfehlen. Ich fasse nun die Hauptgedanken meines Vortrages in folgende Leitsätze: 1. Der hebräische Unterricht in der Religionsschule mit einer Lehrkraft muß, wie aller Unterricht, auf eine geistesbildende Welse betrieben werden und in erster Reihe religiöse Bildung bezwecken. 2 Der Übersetzungsunterricht darf daher nicht in mechanischem Vor- und Nachübersetzen bestehen, sondern muß auf grammatischer Grundlage beruhen. 3. Jedoch empfiehlt es sich nicht die rein grammatische Methode in der Religionsschule mit einer Lehrkraft anzuwenden. 4. Gegenstand des Unterrichts bilde Übersetzen der Bibel und der Gebete. 5. Jedes zu übersetzende Stück muß seinem Inhalte nach vom Lehrer besprochen werden. Revue der Presse. Unter dem Titel: „Die Schofartöne der messianischen Zeit" schreibt Dr. B. Rippner in der Rvsch-Haschanah- Nnmmer der „Jsr. Wochenschr.": „.Die Mahnung des Schofar führt uns an den Schluß der Zeiten zu dem ersehnten Tage, da die Verstoßenen und Verlorenen sich wieder zusammenfinden werden, um sich vor Gott zu beugen in Jerusalem; sie führt uns zu der messianischen Zeit." Es sei viel darüber gestritten worden, ob wir an einen persönlichen Messias glauben, oder nur die Ideen einer allgemeinen Menschen-Verbrüdernng, eines Reiches des Friedens und des Rechtes festhalten sollen. Dies scheine ein müssiger Streit; „denn ein großes Werk tritt nicht ins Leben, ohne eine große Persönlichkeit. . . Richtig ist es, jedes Zeitalter hat Ideen, von denen es beherrscht wird; aber daß diese Ideen Gestalt und Leben gewinnen, ist das Werk des Genies, der großen Persönlichkeit. Und gerade bei der Niederwerfung der Herrschaft der Gewalt und dem Ausbau des Reiches des Friedens, sollte sich alles von selbst machen, sollte kein Baumeister notwendig sein, der nach einem klaren Plane das ansfnhrt, was die andern dunkel wollen und ersehnen? . . . Das alte Israel hat auch dem Messias eine bestimmte Gestalt, einen bestimmten Namen verliehen. David wird der Messias sein; . . . was soll dies anders bedeuten, als daß der Messias wie David ein Sänger und ein Held zugleich fein müsse. Die alten Weisen haben über das messianische Zeitalter ernstlich nachgedacht; sie haben es ausgesprochen, daß es nicht ohne ernsten Kampf emporsteigen werde; mir ein rastloser Held, wie David, besitzt die Thatkraft und den Mut. um die Feinde niederzuwerfen, und wieder nur ein frommer Sänger, wie David, besitzt die Vorzüge der Seele, deren der Fürst des Friedens bedarf. . . . Aber wann wird der Messias erscheinen? Der Talmud hat darüber die mannigfachsten Ansichten. Einer nannte den Messias ><793 -q, Sohn des Umsturzes, denn so heißt es: „An diesem Tage werde ich anfrichten die Hütte David's da deren Einsturz nahe ist." Rad Jehnda meint: „Es wird eine Zeit sein, in der die Lehrhänser in Stätten der Lust nmgewandelt werden, und die Männer des Gesetzes werden wandern von Ort zu Ort und werden keine Aufnahme und

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