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Jeschurun · 1892-10-06 · 2 (2. Probennummer) (6.10.1892) · p. Seite 22

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Journal
Jeschurun
Volume
1892
Issue
2 (2. Probennummer) (6.10.1892)
Date
1892-10-06
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 2. Seite 22. | f f ch u r u n. Katheder imti iuimt'l. Mädchen-Konfirmations-Unterricht. Von Dr. M. Grünwatd. Religion bedeutet zu deutsch Verbindung und ist das Band, das die Erde mit dem Himmel verbindet. Die Religionslehre also will nur lehren, wie wir, für das Irdische Sorge tragend, unseren Pflichten als gottähnliches Wesen ebenfalls gerecht werden können und sollen. Unsere Religion wird die jüdische oder auch mosaische genannt, Sie wird die jüdische genannt, weil nach der Teilung des Reiches das Land Juda der Sitz des Opferdienstes und die Stätte des Gotteswortes war. Israels zehn Stämme gingen im Strome der übrigen Völker unter und verfolgt man vergebens bis auf den heutigen Tag ihre Spuren. Die jüdische Religion wird auch die mosaische genannt, nicht etwa weil Mose der Stifter dieserReligion ist, sondern weil dieser einzige, unvergleichliche Mann mit Hintansetzung jeglichen Vorteils und der größten Selbstverleugnung die göttlichen Gebote in ihrer Wohrheit und Klarheit dem jüdischen Volke übermittelte. Die Grundlehren dieser unserer Religion sind in den fünf Büchern Mosis enthalten. Dieselben werden auch kurz Pentateuch (Fünfbuch) genannt. Das Wesen der mosaischen Religion läßt sich kurz in den Glauben an die Einheit Gottes und in die Gottesähnlichkeil des Menschen zusammenfassen. Das Wesen Gottes zu begreifen, ist und wird dem Menschen stets unmöglich sein. So sagt der deutsche Dichter (Friedrich Rückert) ganz treffend: „Begreifen willst du Gott, oh, laß den blöden Eifer; Denn mehr muß sein als das Begriffene sein Begreifen." Ein anderer Denker des Mittelalters äußert sich hierüber wie folgt: „Wenn ich wüßte, was Gott ist, so wäre ich Gott selber." Wenn es uns also unmöglich ist, das Wesen Gottes ganz zu begreifen, so können wir andererseits mit Bestimmtheit behaupten, daß Gott ein einig-einziges, reingeistlges Wesen ist und keinerlei körperliche Eigenschaften besitzt. Wenn wir daher sagen oder lesen: Gott sieht, Gott hört u. s. w., so dürfen wir keineswegs dabei denken, Gott habe ein körperliches Auge oder Ohr. Es ist nur die Armut der menschlichen Sprache, die ja für Menschen bestimmt ist, schuld daran, daß wir übermenschliche Begriffe, die die Gottheit betreffen, auszudrücken nicht im stände sind. Aber selbst geistige Eigenschaften, wie Güte, Weisheit, Gerechtigkeit, die sich bei den Menschen getrennt vorfinden, können wir nur insofern Gott beilegen, als wir damit ausdrücken wollen, daß bei Gott jede Art Tugend, die wir vereinzelt bei den Menschen vorfinden, im höchsten Grade und in unerreichbarer Vollkommenheit sich vereinigt. Bei Gott ist Allgüte, Allwissenheit, Allmacht nicht etwas Getrenntes; diese drei Eigenschaften sind vielmehr mit Gottes Wesen innig verknüpft, ja sind Gott selber. Haben wir es nun erkannt, daß Allgüte, Allmacht und Allwissenheit Gottes Wesen bilden, so wird er für uns nicht nur der Schöpfer der unendlichen und unzähligen Welten, sondern auch deren Erhalter und Leiter sein. Der Allgüte Gottes entspricht zunächst, daß er jedem geschaffenen Wesen, vom kleinsten bis zum größten, ein bestimmtes Ziel gesteckt und daher auch dem Menschen eine seinen Fähigkeiten entsprechende Aufgabe znerteilt hat. Der Güte Gottes entspricht ferner der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele. Da wie nämlich auch in einem sehr kurzen Leben die Beobachtung machen können, daß edle und tugendhafte Menschen gar oft ein kurzes und trauriges Leben fristen, während lasterhafte ein hohes Alter in ungetrübter Freude erreichen, so würde dies dem Begriffe der göttlichen Güte und Gerechtigkeit widersprechen, wenn wir nicht den Glauben an die Unsterblichkeit der Seele und an eine Belohnung im jenseit besäßen. Wie jedoch die Belohnung im jenseit beschaffen sein wird, können wir naturgemäß so lange wir im diesseit weilen nicht erkennen; nur soviel ist gewiß, daß Lohn und Strafe rein geistiger Natur sein werden. Empfinden wir doch auch Schmerz, der unser körperliches Wohlbefinden beeinträchtigt, wenn unsere Handlungen gerügt werden, obwohl die Rüge rein geistiger Natur ist. Das Wesen des Menschen besteht eben in seiner Gott entsprossenen Seele und diese empfindet am ersten und tiefsten die geistigen Eindrücke. Da aber der Mensch, solange er auf Erden weilt, nicht nur einen göttlichen Geist besitzt, sondern auch Träger eines, aus irdischen Stoffen zusammengesetzten, Körpers ist, so hat Gott in seiner Allgüte ihm nicht nur geistige Gebote, sondern auch äußerliche, in Formen kristallisierte, Satzungen zu seiner Ausbildung und Vervollkommnung hienieden, gegeben. Allerdings haben diese äußeren Formen, solange sie nicht von sittlichem Inhalt erfüllt sind, keinen ,Wert; wie aber aus der Sitte mit der Zeit sich die Sittlichkeit entwickelte, so wird aus äußeren Gebräuchen, die der warme Hauch der Gottinnigkeit durchweht, na ch und nach das siegesfreudige Bewußtsein, ein gottühnliches, unvergängliches Wesen zu sein, nufer Teil. Doch gilt trotz alledem des Dichters (Phiruz's) Wort: „Wirf hin die Form, den Sinn ergreife, denn er ist Zucker, sie gemeines Rohr". — Wir werden nun die drei wichtigsten Kapitel unserer Religion in gedrängter Kürze vorführen. Und zwar 1. die Pflichten gegen Gott, 2. die Pflichten gegen unsere Nebenmenschen und 3. die Pflichten gegen uns selbst. (Fortsetzung folgt) Die Methode des hebräischen Übersetzungs- Unterrichts in der Religionsschule mit einer Lehrkraft. Ein Vortrag von I. Sturmann. II. Wir sehen also, daß, wenn wir von der alten Methode sagen konnte: mm HDSH man von der neuen bekennen muß: HDsm im und aus diesem Grunde sind viele Lehrer in der letzten Zeit zu der alten Methode wieder zurückgekehrt. Welche Unterrichtsweise wäre bei dem hebräischen Übersetzungs-Unterricht anzuwenden? Der gewiß berechtigten Forderung, daß nur aus der Bibel und dem Gebetbuche übersetzt werde, treten folgende Schwierigkeiten entgegen: erstens sind die Schüler für ein rein grammatisches Verfahren nicht vorbereitet, sodann enthält jedes Kapitel der Bibel, jedes Stück des Gebetbuches die verschiedensten, mehr unregelmäßigen als regelmäßigen Formen. Es ist also nicht möglich vom Leichtern zum Schwerern, vom Einfachen zum Zusammengesetzten überzugehen und sich auf jeder Stufe auf die Einübung bestimmter Sprachgesetze zu beschränken. Wir müssen daher auch hier die goldene Mitte aufsuchen

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