Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 7 (1898)
- Issue
- 51 (23.12.1898)
- Date
- 1898-12-23
- Page
- Seite 820 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 820. Allgemeine J-raeitische Wochenschrift. Nr. 61. anstatt in Kempen feierte Mitte dieses Monats das Fest ihres 50 jährigen Bestehens. — In See bürg ist in vergangener Woche die neu eingerichtete Synagoge feierlich eingeweiht worden. — Die jüdische Gemeinde Losoncz in Ungarn hat Herrn Dr. Bela Vajda zum Rabbiner gewählt. Dr. Vajda, ein Zögling des ungarischen Rabbinerseminars, hat in Nagy-Abony zehn Jahre lang zu allseitiger Befriedigung gewirkt. — Am vergangenen Samstag ist in London Baron Ferdinand v. Rothschild am 59. Geburtstag gestorben. Er war ein älterer Bruder des Freiherrn Albert von Rothschild in Wien. Bor langen Jahren siedelte er nach England über, ließ sich dort naturalisieren und wurde Mitglied des Unterhauses für Arylesbury. Er war auch schriftstellerisch thälig. Seine Novelle „Broni", vor zwanzig Jahren in deutscher Sprache in Leipzig erschienen, fand einen großen Leserkreis. Mit dem Prinzen von Wales war er eng befreundet. Im Jahre 1866 verlor er nach einjähriger Ehe seine Frau Evelina, eine Schwester des ersten Lord Rothschild. Zur Erinnerung an sie stiftete er ein Hospital. — Scharfsinnige Gelehrte haben behauptet, daß diejetzigen Engländer dieNachkommenderzehnStämme Israels seien, die nicht von Babylon nach Palästina zurückgekehrt waren, und deren wechselnde Schicksale die Geschichte niemals genau feftgestellt hat. Wir wollen über den Wert einer solchen ethnologischen These nicht streiten; wir müssen jedoch zugeben, daß ein Herr, der Allain A. zeichnet, zur Unterstützung obiger Behauptung eine Anzahl Beweise beibringt, die geradezu Staunen erregen müssen. Die Beweise sind sämtlich der heiligen Schrift entnommen. So heißt es in der Genesis: „Die Nachkommenschaft Israels wird den Namen Isaaks führen." „Kinder Israels" heißt daher im Englischen „Isaaos 8on8“; man läßt den ersten Buchstaben fort und erhält das Wort „8aac8 sons“, woraus sich bald von selbst „Saxons“ ergiebt: nun braucht man nur noch „Anglo“ hinzuzusügen, um eine ganz genaue Bezeichnung der Engländer zu erhalten. Ferner prophezeit Amos, daß „die Juden von einem Meer zum andern gehen werden, vom Norden zum Osten". Läßt sich das nicht ausgezeichnet auf das englische Volk anwenden, das größte Seevolk unter allen Völkern? Beweise dieser Art findet man in dem Werke des Herrn Allain A. in Hülle und Fülle. Man wird vielleicht sagen, daß sie nicht überzeugend sind, aber das Verdienst der Originalität wird man ihnen in jedem Falle zuerkennen müssen. — Jn Wongrowitz soll mit einem Aufwand von 6000 Mk. ein neues Schulhaus gebaut werden. — Der israelitische Krankenpflegerverein in Koschmin hat in voriger Woche das 25jährigeJubiläum gefeiert. — Der Bau der Synagoge in Dortmund wird jetzt auch abends bei elektrischer Beleuchtung weitergeführt. Vakanzen. Neustadt-Gödens (Ostfriesland.) Elem.-L. u. K. 1200 M. Geh., fr. W. Für Schech. bes. Vergütig. Meld. an Vorst. — Rogasen. Rel.-L., Vorb., Sch., Balk. 1000 M. Geh., fr. W., 1000 M. Nebeneink. Meld. an Jastrow. — Zwingenberg b. Darmstadt. Rel.-L., Vorb., Sch. 600 M. Geh., fr. W., 2 bis 300 M. Nebeneink. Meld. an D. Mainzer. — Bork i. Wests. L. u. K. 725 M Geh, 350 M. Nebeneink. Meld. an Josef Rosenberg — Münstereifel. Sem. geb. Rel.-L u. K. 800 M. Anfangsgeh. Meld. an Karl Nathan. — Zell an der Mosel. L. u. Vorb. 300 M. Geh. u. freie Station. Meld. an R. Bender. — Boppard. Sem. geb. Rel.-L. u. K. 800 M. Geh., fr. W-, Hzg. u. Bel. Meld. an S. Haas. — San Remo (Italien) Ruff. od. poln. streng orthod. Sch. für Wintersaison. Meld. an Bezirksrabb. Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz.) — Oberwesel. Rel.-L. u. Vorb. 700 M. Geh., fr. W., Heiz , Bel. Meld. an Alexander Mayer. — Kurnik (Posen). Led. El.-L. zu einj. Vertret. Meld. an Lehr. Georg Hopp. — Geseke in Wests. Vorb. u. gepr. El.- L. Meld. an Lehmann Aronstein. — Bunde in Oftfriesland. Rel.- L, K., Sch. 900 M. Geh. Meld. an G. Watermann. — Parchim i. M. Sch. u. Hilfsvorb. ea. 700 M. Eink. u. fr. Station. Meld. an Albert Elkan. — Annaberg (Erzgebirge). Rel.-L., Pred., Vorb. 2000 M. Geh. Meld. an I. Chanange. — Charlottenburg. Religionsverein „Westen". Kantor, 1200 M. Geh., 300 M. gar. Nebeneink. Meld. an D. Davidsohn, Grolmannstr. 22. — Rehlingen a. Saar. Unverh. Rel.-L. u. K. Meld. an Ferd. Kasel. — Wickrath, Rheinland. Staatl. gepr. Rel.-L. u. K. 1000—1200 M. Geh. Meld. an Laz. Harff. — Hellstein. Rel.-L., Vorb. Sch. 600 M. Geh., fr. W., Heizung, 300 M. Nebeneink. Meld. an Dr. Koref. — Herne Wests. Sem. geb. Elem.-L. u. K. 1800 M Geh. Meld. an Joh. Misch. Geschäftliche Mitteilungen. Das in Breslau Kaiser- Wilhelmstraße 9 bestehende Töchterpensionat, das Frau Elise Holz bock von Anbeginn aus der Höhe eines Instituts ersten Ranges gehalten und das jetzt auf eine zwölfjährige Erfahrung zurückblickt, hat seinen vorzüglichen Ruf vornehmlich der pädagogischen Einsicht und Thatkraft der Leiterin zu danken, die für ihr Institut jederzeit die besten Lehrer zu gewinnen bestrebt war, den fremdsprachlichen Unterricht durch Ausländerinnen erteilen ließ und der Erziehung die peinlichste Sorgfalt widmete. Die ehemaligen Zöglinge und deren Eltern sind die eifrigsten Lobredner des Instituts, dem sie zu dauerndem Dank sich verpflichtet fühlen. Die Pianosortefabrik von W. Emmer in Berlin, Seydelstr. 20, ist in verhältnismäßig kurzer Zeit zu hohem Ansehen gelangt, das durch die Verleihung von Staatsmedaillen u. s. w. auch äußerlich bekundet ist. Die Flügel, Pianinos, Harmoniums, die von der genannten Fabrik unter zehnjähriger Garantie geliefert werden, zeichnen sich durch Fülle, Kraft und Gleichmäßigkeit des Tones aus. Nicht allen jüdischen Hausfrauen in Berlin W. dürfte es bekannt sein, daß sich in der Magdeburger Halle, Stand 66, erste Reihe vom Eingang Lützowstraße, eine Firma befindet, die sich zur Aufgabe macht, besseres Geflügel unter Aufsicht des hiesigen Rabbinats zu mäßigen Preisen zu verkaufen. Der Inhaber hält darauf, nur beste Ware auf den Markt zu bringen. Allen Glaubensgenossen sei diese Firma, die die einzige in der genannten Markthalle ist aufs beste empfohlen: A. Petrikowsky, Genthinerstr. 17. Feuilleton. Jude! — Roman von Louis Dollivet. (Fortsetzung.) Aber nach der Enthüllung von Helenens Geheimnis würde er das begeisterte Lob seines Freundes anstimmen, die Eltern durch die glänzenden Erfolge, die Lewy zu verzeichnen hatte, zu blenden suchen und ihnen mit den lebhaftesten Farben die Zukunft schildern, die ihm alle Welt in seiner chirurgischen Laufbahn voraussagte. Dann sollte Helene eintreten und der Bruder ihr ein Zeichen geben: erschien ihm die Lage sehr günstig, so würde er die Eintretende anblicken und den Kopf von oben nach unten neigen; wäre die Angelegenheit erledigt, dann würde er nach dem Fenster blicken; und sollte er durch einen außergewöhnlichen Zufall den Moment nicht für günstig halten, so würde er ihr. sobald sie ins Zimmer trete, lebhaft entgegen gehen. Mit welcher Bewegung hatte sie den Blick ihres Bruders gesucht, als sie die Thür öffnete! Wie schlug ihr Herz! Und doch, wie beruhigt mußte sie sein, die Sache endlich beendet zu sehen! Wie freute