Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 7 (1898)
- Issue
- 51 (23.12.1898)
- Date
- 1898-12-23
- Page
- Seite 819 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 51. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 819. der Bericht über das Verbandsthema pro 1898 (Sulmann- Köln), der Vortrag über Zweck und Maß der häuslichen Schularbeiten (Gut-Köln), der Bericht über den Delegiertentag (Goldschmidt-Köln), Festsetzung der Summe sür Unterstützungszwecke pro 1899. Wien, 18. Dezember. (Antisemitenlügen.) Die „Neue Freie Presse" erhält vom Präsidium des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus folgende Zuschrift: „Kürzlich machte in allen antisemitischen Blättern die Notiz die Runde, daß in Sanok (Galizien) ein jüdisHer Wucherer namens Nathan Lieber in der Wohnung eines verstorbenen Schuldners, während dieser ausgebahrt lag, eine gerichtliche Exekution durchsührte, und zwar in der unglaublich rohen Weise, daß er Hand an das Kruzifix legte, welches man dem Toten aus die Brust gegeben hatte. Unser Verein fühlte sich verpflichtet, sofort Recherchen anzustellen, und erhielt folgendes Schreiben der israelitischen Kultusgemeinde in Sanok, das mit einer Abschrift des Bescheides des k. k. Bezirksgerichtes belegt ist: „Der geschilderte Vorfall hat sich wirklich hier ereignet, aber nicht so, wie derselbe in dem antisemitischen Blatte entstellt wurde. Es ist wahr, daß bei. dem verstorbenen Ladislaus Mlodecki, während derselbe auf dem Katafalk ausgebahrt lag, die gerichtliche Transferierung der bei ihm zu Gunsten des hiesigen Bezirks-Vorschußvereins früher gepfändeten Mobilien vorgenommen wurde, dagegen ist es eine bodenlose Lüge, daß bei dieser Amtshandlung irgend welcher Jude interveniert hätte, ebenso unwahr und ganz aus der Luft gegriffen ist es, daß die exequierte Forderung von 81 fl. 60 kr. von einem jüdischen Wucherer Nathan Lieber herrührte, da hier eine Person dieses Namens, sowie des angeführten Steinig überhaupt nicht existiert Wir legen Ihnen im Anschlüsse eine Nummer des in Lemberg erscheinenden „Slowo Polskie" vom 4. November bei, worin der Sachverhalt von dem hiesigen Korrespondenten des genannten Blattes, Herrn Dr. Linde, Sekretär der hiesigen Waggonfabrik, wahrheitsgetreu geschildert wurde, ebenso eine wortgetreue Abschrift des betreffenden Bescheides des hiesigen Bezirksgerichtes vom 28. Oktober 1898, aus welchem unzweifelhaft zu ersehen ist, daß die erwähnte Amtshandlung zu Gunsten des hiesigen Bezirks-Vorschußvereins vorgenommen wurde, wie es ebenso unbestritten wahr ist, daß dem genannten Institute kein einziges Mitglied der jüdischen Konfession angehört, wobei noch zu bemerken ist, daß der bei der erwähnten Amtshandlung intervenierende Beamte und Bevollmächtigte des genanntenJnstitus ein eifriges Mitglied des hiesigen antisemitischen Vereines Ogniwo ist. Inwiefern die angeblich von Seiten der intervenierenden Personen vorgekommenen Rohheiten aus Wahrheit beruhen, sind wir nicht in der Lage, authentische Mitteilungen angeben zu können, wie uns aber von mehreren Seiten versichert wurde, soll sich der genannte Beamte des Instituts wirklich äußerst herzlos benommen haben, was die Mutter des Verstorbenen zu der berechtigten Bemerkung veranlaßte, daß die Christen bei den Juden Barmherzigkeit lernen mögen, da, während ein christliches Institut so unbarmherzig vorgeht, der jüdische Mietgeber des Verstorbenen keine Schritte unternommen hat, um den rückständigen Mietzins sür ein volles Jahr einzubringen oder sicherzustellen." Banjalnka, 18. Dezember. (Leichenbegängnis.) Dieser Tage wurde unter lebhafter Beteiligung aller Kreise der Bevölkerung der allgemein geachtete Rabbinatsverweser der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herr Wilhelm Herzler, zu Grabe getragen. Dem Sarge folgten sämtliche Vorstände der hiesigen politischen und Gerichtsbehörden, an der Spitze der Kreisvorsteher Lazzarini. Bei der gegenwärtigen Strömung und sür das gute Einvernehmen zwischen den verschiedenen Konfessionen im Okkupations-Gebiete als besonders charakteristisch, verdient hervorgehoben zu werden, daß unmittelbar binter dem Sarge der Pastor der hiesigen evangelischen Gemeinde, Herr Gustav Zwernemann, schritt, der am offenen Grabe seinem Amtsgenossen, wie er ihn nannte, einen tiefempfundenen Nachruf hielt. In der Hauptstraße, die der Leichenzug passierte und in der sich die Geschästslokale der hiesigen vornehmsten katholischen und griechisch-orientalischen Kaufleute befinden, waren sämtliche Läden von den Besitzern spontan gesperrt worden. St. Petersburg, 18. Dezember. (Das Aufenthaltsrecht der jüdischen Handwerker.) Nach einer neueren Verfügung haben jüdische Handwerksgesellen nur dann das Recht des Aufenthalts in der Residenz, wenn ihre Zeugnisse vom Residenz-Handwerksamt ausgestellt sind. Jassy, 16. Dezember. (Chanukaseier.) Das Chanukafest wirkt erhebend auf die schwer ringenden rumänischen Juden. In allen Kreisen unserer Gemeinde sind Makkabäerfeiern veranstaltet worde^. Im Neuschatztempel Beth Jacob und in der neuen Synagoge Beth Schlaume predigte Rabbiner Dr. Niemirower über acht Lichtmomente, gleichsam Chanukatage in unserer Geschichte, zu materieller und geistiger Beschenkung der Schulen, zur Bekleidung armer Kinder, zur Einführung des hebräischen Unterrichts in den Gymnasien aneisernd. Ein anderer Teil der Gemeinde versammelte sich in der Bne Brith-Loge, in der Dr. Lippe, Dr. Burstin, Rabbiner Dr. Niemirower, Goldenthal, Brociner, Redakteur Kaufmann Vorträge hielten. Die jüdische Arbeiterbevölkerung beging die Feier in dem vor Jahresfrist vergrößerten Asyl. Der Arbeiterführer Arinowitsch, der Volksarzt Dr. Lippe, Rabbiner Dr. Niemirower feuerten die zahlreichen Zuhörer zur ferneren Unterstützung der Anstalt an. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Die Alliance Jsravlite hat in Konstantinopel ein Rabbinerseminar geschaffen. Direktor der Anstalt ist der bekannte Orientalist Abraham Danon aus Adrianopel. — Durch die Klagen, daß es jüdischen Lehrern an der wünschenswerten Bekanntschaft mit der Obst- und Gartenbaukunde fehle, hat sich der preußische Kultusminister veranlaßt gesehen, sämtliche königl. Regierungen anzuweisen, bei der Berufung von Lehrern zur Teilnahme an Obit- und Gartenbaukursen auch auf jüdische Lehrer gebührende Rücksicht zu nehmen. — Bei den Wahlen zum israelitischen Gemeindeausschuß in Frankfurt a. M. sind gewählt worden: Sal. Epstein, Sally Bonn und Dir. Karl Herzberg. — In Baden bei Wien starb kürzlich im Alter von 97 Jahren Abraham Kreuzer- — In Odratzheim in Elsaß ftorb in vergangener Woche die fast hundertjährige Esther Levy, deren deutliche Erinnerungen in die Befreiungskriege znrückreichen. — Die israelitische Waisen-