Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 7 (1898)
- Issue
- 10 (11.3.1898)
- Date
- 1898-03-11
- Page
- Seite 162 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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! \ Seite 162. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 10. empfehle. Die Vorlage bezeichne immerhin noch einen bedeutenden Fortschritt gegen die derzeitigen Verhältnisse, und ihre Annahme seitens der Gemeinden schließe für diese erhöhte Aufwendungen ein, die manchmal nicht ohne anzuerkennenden Opfermut werden geleistet werden können. In der Ansiellungsfrage hat der Vorstand aus die unter andern Umständen so unerläßliche lebenslängliche Anstellung nach beendigter Probezeit verzichtet und sich mit einer Anstellung aus fortgesetzt wachsende Zeitperioden zufrieden gegeben, doch ist unserem Wunsche, ungerechtfertigten Kündigungen, besonders älterer und bewährter Beamten entgegenzuwirken, dadurch Rechnung getragen worden, daß diesen ein kleiner mit den Amtsjahren in der Gemeinde wachsender dauernder Pensionsanspruch zuerkannt wurde, wodurch Amtsauskündigungen nach befriedigender dreijähriger Probezeit zwar nicht unmöglich gemacht, aber doch durch das damit verknüpfte materielle Opfer erschwert und voraussichtlich eingeschränkt werden. In der Besoldungsfrage hat der Vorstand die Aufstellung einer Gehaltsskala, ja selbst die Fixierung eines Mindesteinkommens, nach der Größe der Gemeinde unterschieden, nicht erreichen können und sich allein damit bescheiden müssen, daß für die Beamten der kleinsten Gemeinden ein Mindesteinkommen festgesetzt werde. Dabei ist es nicht einmal gelungen innerhalb des dafür angenommenen garantierten Gesamteinkommens die Höhe des Bargehaltes sestzulegen. Am schwierigsten gestaltete sich die Beratung der Versorgungsfrage. Die bisher für die Lösung dieser Aufgabe angewendeten Mittel und Formen, besonders auch die für solchen Zweck allgemein beliebten Hilfskassen mit Quotensystem, haben nach den Erfahrungen selbst an den ältesten und bestfundierten die auf sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen können. Die Kommission hat die Ueberzeugung gewonnen, daß aus diesem Wege eine einigermaßen befriedigende Versorgung der Beamten überhaupt nicht, oder doch erst nach gar nicht abzusehender Zeit zu erreichen ist. Sie sah sich dadurch genötigt, neue Versorgungsformen zu suchen, die bessere und vor allem auch schnell sich verwirklichende Aussichten eröffnen. Die geringen Mittel aber, die dafür in Rechnung gestellt werden konnten, wenn man sich nicht von dem Wege der praktisch erreichbaren Ziele entfernen wollte, machte das Aufsinden dieses Besseren nicht leicht. Der Referent gab ein bis ins kleinste ansgeführtes Bild der von der Kommission einstimmig gewählten Versorgungssorm, nach der die zu begründende Versorgungs- und Unterstützungskasse für die ihren Mitgliedern gegenüber übernommenen Verpflichtungen eine Rückversicherung bei einer soliden Lebensversichungsgesellschaft abschließt. Im Vergleiche zu den bekannten Hilsskaffen weist die neue Versorgungs- und Unterstützungskasse danach folgende Vorzüge aus: 1. Die Kasse ist von dem Tage ihrer Gründung an in den Stand gesetzt, die Aufgabe der Versorgung ihrer Mitglieder in demselben Maße zu erfüllen, wie späterhin. Sie bedarf also keiner Wartezeit zur Ansammlung eines Fonds, aus dem die Unterstützungen zu gewähren sind. 2. Die Kasse bietet von Anfang an höhere Pensionen als die ältesten und bestfundierten Hilsskaffen bisher haben gewähren können. 3. Die Kasse leistet garantierte, in ihrer Höhe vorher genau zu übersehende Pensionen. 4. Die Kaffe läßt bei genügend angesammeltem Reservefonds jederzeit eine Erhöhung der garantierten Pensionen zu. 5. Die Kasse arbeitet ohne jedes Risiko inbezug aus die von ihr in Aussicht gestellten Pensionen. 6. Die Kaffe schließt infolge der eingegangenen Rückversicherungen große und sichere Gewinnchancen in sich, die ihre reiche Ausgestaltung und selbständige Entwickelung für die Zukunft garantieren. 7. Die Kaffe bietet in ihrer doppelten Gestaltung eine Versorgung für alle jüdischen Beamten der Provinz ohne Rücksicht auf Alter und Gesundheitszustand. 8. Die Kaffe verlangt von den Beamten keine wesentlich höheren Beiträge, als viele der bestehenden Hilfskassen. Nicht unerheblich sind dagegen die zur Bestreitung der laufenden Verpflichtungen an die Versicherungsgesellschaft erforderlichen Gesamtauswendungen. Die Kommission hofft aber, daß durch Verteilung der Lasten auf viele Schultern (Beamte, Gemeinde, Ostpreußischer Synagogenverband, D.-J. G.-B., außerordentliche Mitglieder), sowie durch eine rührige Thätigkeit zur Erwärmung der Herzen für die dringende Notlage der Beamten das verhältnismäßig Große wohl zu ermöglichen sein wird. In erster Reihe muß von den Beamten selbst erwartet werden, daß sie in den Kampf eintreten mit der Ueberzeugung der unbedingten Notwendigkeit des Sieges; dann wird der Erfolg gewiß nicht ausbleiben. Was die Stellungnahme der Gemeinden zu dem Projekt betrifft, so hat der Referent keine zu große Besorgnis. Die Forderung der Kultusbeamten nach einer bescheidenen Alters¬ und Witwenversorgung sei auch in den Kreisen der Gemeindevertreter bereits allgemein als berechtigt und notwendig anerkannt. Dabei werden die eigenen Vorteile einer solchen Fürsorge, die verhindert, daß aus der Familie des Kultusbeamten je eine Armenlast erwächst, von einsichtsvollen Gemeindevorstehern nicht mehr verkannt. Endlich darf auch auf den Druck der öffentlichen Meinung gerechnet werden, die für den Beamten ist, und auf die Energie und Ausdauer der Kultusbeamten, die voraussichtlich aus dem Vorbilde ihrer christlichen Kollegen aufs Neue gelernt haben werden, daß nur Beharrlichkeit zum Erfolge führt. In ihrer Hand vornehmlich ruht darum das Schicksal dieser Pläne. An das mit lautem Beifall aufgenommene Referat schloß sich eine umfangreiche und lebhafte Debatte, in der die verschiedensten Verhältnisse (Verzug aus der Provinz, Folgen der von Mitgliedern nicht eingehaltenen Verpflichtungen u. s. w.) mit dem Projekte in Beziehungen gebracht und dem Referenten zur Erläuterung gegeben wurden. Sie zeigten sich alle von der Kommission bereits vorbedacht und im Rahmen des Gesamtbildes vorgesehen. Der von einer Seite angeregte Versuch, die bestehende Hilfskasse für Ostpreußen, Westpreußen und Pommern durch