Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 7 (1898)
- Issue
- 10 (11.3.1898)
- Date
- 1898-03-11
- Page
- Seite 158 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 10. Seite 158. / / Allgemeine §2 tttlsche Wochenschrrft. halten wir die ganze Meldung für einen Fastnachtsscherz, und nicht für einen guten. R. Memel, 6. März. (Jüdische Volksschule.) In No. 9 Ihres geschätzten Blattes fiubct sich die kurze Notiz, daß die hiesige Syuagogengemeinde von der Stadt ein Grundstück gekauft habe, um daraus eine Gemeindevolksschnle zu errichten. Die Angabe ist nicht ganz richtig. Es handelt sich nicht um eine Gemeindevolksschule, sondern um die konzessionierte Privat-Armen- und Waisenschule des Dr. Rülf. Diese nun schon seit dem Jahre 1879 bestehende Schule war in zwei Gelassen, die die Synagogen-Gemeinde hierzu in ihrem Gemeindehause eingeräumt hatte, untergebracht. Diese waren viel zu klein für die große Anzahl der Schüler, und mehr als 25 angemeldete Schüler mußten außerdem zurückgewiesen werden, weil kein Raum vorhanden war. Ein Bittgesuch an die Frau Baronin von Hirsch-Gereuth in Paris um Gewährung der Mittel zum Ankauf eines Schulhauses für diese Arnienschule war von Erfolg gekrönt, denn die edle Frau bewilligte 20 000 Mk. zu diesem Zwecke. Da nun Dr. Rülf demnächst in den Ruhestand tritt und den Ort verläßt, übergab er diese Summe der Gemeinde, und ihr Vorstand verpflichtete sich schriftlich, hierfür ein Schulhaus für die Armenschule zu bauen oder zu kaufen. Der Vorstand hatte diese Verpflichtung schon um deswillen übernommen, weil auch der im Jahre 1885 von dem Berliner „Hilsskomite für die russisch-jüdischen Flüchtlinge" — der Vorsitzende des Komitcs Herr Justizrat Makower s. A. war eigens zu diesem Behuse nach Memel gekommen — bewilligte Fonds von 50 000 Mk. zur Unterhaltung der Schule an die Verwaltung der Gemeinde übergegangen war. Gegenwärtig bot sich eine günstige Gelegenheit zur Erwerbung eines Grundstücks für die Armenschule. Unmittelbar an das Grundstück der Synagogengemeinde, aus dem sich auch die deutsche Synagoge befindet, grenzt ein städtisches Schulgebäude, die sogenannte „Altstädtische Knabenschule". Diese hat die israelitische Gemeinde von der städtischen gekauft, um hier die Armenschule unterzubringen und beide Grundstücke zu einem Komplexe zu vereinigen. Das ist der richtige Sachverhalt. (Personalnachrichten.) Am 20. d. M. feiert der Oberkantor Herr I. Berliner in Kempen (Posen) das 25 jährige Amtsjubiläum und zugleich die silberne Hochzeit. — Anläßlich seines 25jährigen Geschäftsjubiläums hat Herr Kaufmann Louis Basch in München dem Magistrat von Wollstein 900 Mk. für christliche und 200 Mk. für jüdische Arme überwiesen. Ferner hat er der Synagogengemeinde 500 Mk. zur Beschaffung notwendiger Gegenstände für das Gotteshaus geschenkt. — Der Israelitische Frauenverein in Lobsens feierte am 1. d. M. sein 25 jähriges Bestehen. Die Begründerin des Vereins, Frau Caspar Behr, schenkte aus diesem Anlaß der Synagoge zwei prächtige dreiarmige Leuchter. — Anläßlich seiner goldenen Hochzeit schenkte das Kommerzienrat Hepnersche Ehepaar in Krotoschin der Stadt und der jüdischen Gemeinde je 3000 Mk., bedachte außerdem Wohlthätigkeitsvereine des Ortes mit namhaften Spenden. Die Stadt hat Herrn Kommerzienrat Hepner zum Ehrenbürger ernannt. — Die Professur für alttcstamentarische Kritik und israelitische Literatur an der Universität Leiden ist dem dortigen Privatdozenten Dr. B. Eerdmans übertragen worden. — Baron Nathanael von Rothschild hat vom deutschen Kaiser den Kroncnorden 1. Klasse erhalten. — In Paris ist dieser Tage S. H. Goldschmidt, langjähriger Präsident der Alliance israelite, im Alter von 84 Jahren gestorben. Er war in Frankfurt a. M. geboren und früher Teilhaber der längst erloschenen Firma Bischossheimer, Goldschmidt und Co. in London. Vor Jahren hatte er sich nach Paris zurückgezogen, wo er ausschließlich gemeinnützigen und wohlthätigen Werken lebte. — In Bad Kissingen soll im kommenden Herbst der Bau der neuen Synagoge, für die 130 000 Mk. ausgeworfen find, begonnen werden. — Aus Weimar wird das Ableben der Frau Witwe Cäcilie Callmann geb. Hirschberg gemeldet. Die Verstorbene hat für ihren werkthätigen Patriotismus von dem alten Kaiser Wilhelm, der Kaiserin Augusta, dem Großherzog und der verewigten Großherzogin von Sachsen-Weimar zahlreiche Auszeichnungen, darunter das eiserne Kreuz für Frauen und Jungfrauen und den großherzoglich-sächsischen Verdienstorden für ruhmreiche Thäligkeit im Kriege und die Kriegsmedaille von 1870/71 erhalten. — Die Gemeinde in Emden hat den Kantor Lew in aus Briefen in Westpr. zum Vorsänger und Schächter gewählt. — In Halberstadt feierte in vergangener Woche die Gemeinde das 25jährige Amtsjnbiläum des Rabbiners Dr. Auerbach. — Dr. Daniel Mayer in Charleston ist zum nordamerikanischen Generalkonsul von Argentinien ernannt worden. Er ist ein geborener Niersteiner und seit 1853 in seinem gegenwärtigen Heimatslande. -- In Magdeburg hat der israelitische Witwen- und Waisen-Unterstützungsverein, der im Frühjahr 1873 auf Veranlassung des Herrn Rabbiner Dr. Rahmer ins Leben getreten, sein 25. Stiftungsfest gefeiert. Die Enkelkinder des Ghetto. Von I. Zangwill. ^Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Und that er das?" „Nein, ich habe noch immer keine Stiefmutter — Ihre weiße Halsbinde hat sich ganz verschoben." „Das thut sie gewöhnlich," sagte Rafael, indem er ungeschickt an der kleine Schleife zupfte. „Ich werde sie zurecht schieben. So! Und nun, da Sie Alles von mir wissen, werden Sie hoffentlich meine Konfidenzen mit Gleichem belohnen." „Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht mit etwas so Romantischem auswarten," sagte er lächelnd. „Ich stamme von reichen, aber ehrlichen-Eltern, aus einer Familie, die bereits seit drei Generationen in England ansässig ist und habe meine Studien in Harrow und Oxford gemacht. Das ist Alles. Aber als ich ein Knabe war, lernte auch ich ein wenig das Ghetto kennen. Ich stand in Briefwechsel mit einem großen, jüdischen Gelehrten, Gabriel Hamburg (er lebt jetzt in Stockholm) und eines Tages besuchte ich ihn. Durch eineu glücklichen Zufall konnte ich der Gründung der Palästinaliga beiwohnen, deren. Präsident nfct Gideon. .daL