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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1898-03-11 · 10 (11.3.1898) · p. Seite 159

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
7 (1898)
Issue
10 (11.3.1898)
Date
1898-03-11
Page
Seite 159 (sequence 15)
Language
German
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Allgemel? schenschrift. Seite 15<). Parlamentsmitglied für Whitechapel ist. Die Begeisterung rührte mich bis zu Thränen. Dort machte ich auch die Bekanntschaft ^Strelitzkys. .Er sprach wie inspirirt. Auch einen armen Poeten, Melchisedek Pinkas, lernte ich dort kennen, der mir später sein Werk, „Metatorons Flammen" schickte. Er ist ein wirkliches, aber vernachlässigtes Genie. Sehen Sie, an den Mann muß man denken, wenn man von Juden und jüdischer Poesie spricht. Von da ab unterhielt ich einen regelmäßigen Verkehr mit dem Gettho und habe es noch mehrmals besucht." „Aber sicherlich sehnen Sie sich nicht auch danach, nach Palästina zurückzukehren?" „Doch. Warum sollten wir nicht unser eigenes Land haben?" „Das Chaos wäre zu groß. Stellen Sie sich doch vor, wenn alle Ghettos der Welt amalgieren würden. Ein Jeder würde Pariser Gesandter werden wollen, wie der alte Scherz lautet." „Es wäre ein Problem für die Staatsmänner unter uns. Das protestantische England besteht aus Geistlichen, Atheisten, Bauern, Philosophen, Dissidenten, Aristokraten. Tie Unkenntnis der Thatsache, daß Juden ebenso verschiedenartig sind wie Protestanten, läßt solche Romane, wie den, den wir heute besprechen, gefährlich erscheinen." „Aber ist das die Schuld des Autors? Er will ja nicht die ganze Wahrheit darstellen, sondern nur ein Teilchen. Die englische Gesellschaft hat Thackeray wegen der Bilder, die er von ihr entwarf, in den Himmel erhoben. Guter Gott, glauben denn die Juden, daß sie allein von der Heuchelei und dem Protzentum frei sind, die bisher jede bestehende Gesellschaft verdunkelten?" „In keinem Kunstwerk kann der Zuschauer außer Betracht gelassen werden," sagte Rafael. „In einer Welt voll glimmender Vorurteile kann ein Stück Papier ein Feuer entzünden. Die englische Gesellschaft kann lachen, wo die jüdische weinen muß. Das ist auch der Grund, warum unsere Zeitungen für christliche Komplimente stets so überströmend dankbar sind. Es ist ja ganz wahr, daß der Autor nicht die Juden, sondern nur die schlechten Juden schildert; aber in Ermanglung der Schilderung guter Juden werden die schlechten Juden für identisch mit den Juden überhaupt gehalten." „Sie teilen also die Meinung der Anderen über dies Buch?" sagte sie in enttäuschtem Ton. „Ich habe es nicht gelesen. Ich spreche nur im allgemeinen. Lasen Sie es?" „Ja." „Und was halten Sie davon? Ich erinnere mich nicht, daß Sie bei Tisch eine Meinung darüber aussprachen." / Sie sann einen Augenblick nach. 'l „Ich hielt sehr viel davon, und stimmte jedem Worte zu —" Sie hielt inne. Er blickte erwartungsvoll in ihr dunkles lebensvolles Gesicht; er sah, daß noch viele Worte aus ihren LipE schwebten. Zis ich Ihnen begegnete," schloß sie ptötzlrch. (L^^Woge der Erregung, fuhr über sein Gesicht. „Ich glaubte Gemeinplätze zu reden," sagte er einfach. „Es würde der Wahrheit näher kommen, wenn ich sagen würde, daß Sie mir vieles im neuen Lichte erschienen ließen." Das Gesichtchen errötete vor Vergnügen, die dunklen Augen funkelten. Esther sah ganz hübsch aus. „Wie ist das möglich?" sagte sie. „Sie haben zweimal soviel wie ich gelesen und gedacht." „Dann muß es thatsächlich schlimm mit Ihnen stehen," antwortete er Uächelnd. „Ich freue mich aber wirklich, daß wir uns kennen gelernt haben. Man hat mich aufgesordert eine neue jüdische Zeitung zu redigieren, und unser Gespräch hat mir deutlich gezeigt, in welcher Weise ich das thun muß, wenn das Blatt irgend einen Nutzen bringen soll. Ich bin Ihnen sehr dankbar." „Eine neue jüdische Zeitung?" fragte sie mit lebhaftem Interesse. „Wir haben schon so viele. Was ist die raison d’etre davon?" „Sie zu bekehren," sagte er lächelnd, aber mit einem ernsthaften Tone in der Stimme. „Ist das nicht so, wie wenn ein Dampfhammer eine Nuß zerschlägt oder Hoti sein Haus niederbrennt, um ein Ferkel zu braten? Wie nun, wenn ich die jüdische Zeitung gar nicht lese? Wird sie dann ihr Erscheinen einstellen?" Ec lachte. „Was redet Ihr da von einer neuen jüdischen Zeitung?" sagte Frau Goldsmith plötzlich mit ihrem heiteren Lächeln neben ihnen erscheinend. „Was heckt Ihr zwei denn zusammen aus? Ich habe bemerkt, daß Ihr den ganzen Abend die Köpfe zusammenstcckt. Nun freilich! Gleich und gleich gesellt sich gern. Wissen Sie, daß meine kleine Esther das Stipendium für Logik an der Londoner Universität bekam? Ich wollte, daß sie sofort ihr M. A.*) machte, aber der Arzt sagt, daß sie etwas Ruhe haben muß." Sie legte liebevoll die Hand aus das Haar des Mädchens. Esther sah verlegen aus, aber auf Rafael schien es sichtlich Eindruck gemacht zu haben. „Komm Herzchen," fuhr Frau Goldsmith fort. „Alles brennt darnach, Dich Deine kleinen Liedchen vortragen zu hören." „Sie wissen, ich singe nur zu meinem eigenen Vergnügen, antwortete Esther. (Fortsetzung folgt.) Brief- und Fragekasten. Herrn M. L. in Gr.-W. In der möglichen Form ist Ihrer gfl. Mitteilung Raum gegeben worden. — Herr Dr. A. S. in D. Dank für die freundliche Mitteilung. — Herrn Dr. B. S. in C. Für den Sprechsaal sehr geeignet. Besten Dank. — Herrn Dr. R. in Ni. Die Mitteilung war K-ÄHF- H-rrn E. £ in 3.'Tk V.'Äfdjicft. in '"die Wege geleitet. Niemand kann die Herren hindern, eine Neuanstellung vorznnehmen. Niemand aber wird sie von [tet machen, ihre Unterschrift mit 2000 Mk. Künste.

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