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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1897-12-24 · 52 (24.12.1897) · p. Seite 896

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
6 (1897)
Issue
52 (24.12.1897)
Date
1897-12-24
Page
Seite 896 (sequence 12)
Language
German
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Seite 896. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 62. der Disziplin Der Prediger wies mit Genugthuung aus den Anteil hin, den jüdische Soldaten an den Grenzkämpfen des britischen Heeres, besonders in Afrika und Asien genommen haben. Nach der Predigt wurde die heilige Lade geöffnet unb die Gesetzesrollen von dem Geistlichen und einigen Offizieren herumgetragen. Zum Schluß der Feier wurde die englische Nationalhymne gesungen. W. B. London, 17. Dezember. (Die jüdische Wohlthätigkeit.) Mehr als zu irgend einer Zeit im Jahre wird in der Periode von Anfang Dezember bis Ende Januar die öffentliche Mildthätigkeit in Anspruch genommen. In diesem Jahre ist dies in erhöhtem Maße der Fall. Allen voran ist der Board of Guardians, der sich mit einem Ausrufe an das jüdische Publikum wendet. Mr. Benjamin L. Cohen, der Präsident, teilt mit, daß die Ausgaben in diesem Jahre erfreulicherweise etwas geringer gewesen sind, um ca. 21 000 Mark kleiner als in den ersten 11 Monaten des Vorjahres und um ca. 41 000 Mark gegenüber 1895. Aber die Einnahmen sind freilich noch viel mehr zurückgegangen ganz speziell die Schenkungen, die 1895 ca. 210 000 M. betrugen nach 1896 sich auf ca. 170 000 M. beliefen und jetzt nur noch ca. 135 000 M. eintreffen. Der Rückgang zeigt sich am stärksten in den Geschenken von mehr als 2000 M., das heißt die reichen Klaffen nehmen nicht mehr das frühere Interesse an dem Werk des Board. Hoffentlich bringt der Appell an die öffentliche Wohlthätigkeit genug ein, um die Schulden des Board, ca. 150 000 M. zu bezahlen. Wenn die Mittel vorhanden sind, wird übrigens der Board und die United Synagogues eine Handwerkerschule einrichten. Man ist schon eifrig mit der Bearbeitung der Pläne beschäftigt. — Auch die Suppenküche für jüdische Arme wird sich an die Oeffentlichkeit wenden müssen. Sie veranstaltet jedes Jahr im Winter ca. 65—70 Verteilungen von gutem Essen an jüdische Arme und verbraucht dazu ca. 32 000 M., wovon sie noch nicht einmal 8000 M. bis jetzt besitzt. Am 13. Dezember wurde sie eröffnet und bei dieser Feierlichkeit wurde sofort ein Betrag von ca. 4000 M. neu gezeichnet. — Das jüdische Rekonvaleszentenheim hielt am 12. Dezember seine zwölfte Generalversammlung ab, in der Bericht erstattet wurde. Das Norwood Haus beherbergte 341 Kranke gegen 355 im Vorjahr, das Brighton Haus hatte 241 Patienten gegen 229 im Vorjahre. Von der Baronin Hirsch gingen 20 000 M. ein, von denen jedoch der größte Teil schon verbraucht ist. — Zwischen den beiden großen Gemeindegruppen den United Synagogues und der Federation of Synagogues ist ein heftiger Streit wegen der Traugebühr entbrannt. Nach dem geltenden Usus muß nämlich jedes Brautpaar eine Gebühr von 10 s. 6 d. ca. 10,50 M. bezahlen, ehe die Ehe vom Oberrabbiner legimitiert wird, auch dann, wenn das Paar sich in einer der Synagogen der Federation trauen läßt. Dies ist natürlich eine Beschwerung der Mitglieder dieser Synagogen, und Sir Samuel Montague als der Präsident der Federation hat sich zum Wortführer der Beschwerdeführung gemacht. Zwischen ihm und dem Oberrabbiner Adler hat nun ein Briefwechsel stattgefunden, in denen dieser unterHinweis ausseineVerträgemitdenUnitedSynagogues es ablehnt, auf die Gebühr zu verzichten, während Montague erklärte, die Angelegenheit noch weiter verfolgen zu wollen. ck Petersburg, 14. Dezember. (Aus russischen Universitäten.) In Warschau studieren gegenwärtig 1097 Studenten, die sich aus folgende Fächer verteilen: Philologie 26, Mathematik 149, Jura 499, Medizin 423; es kommen dazu noch freiwillige Hörer 11 und Pharmaceuten 106. Nach der Religion sind 201 Orthodoxe, 656 Katholiken, 1 Altgläubiger, 42 Protestanten, 1 Gregorianer und 196 Juden. Dorpat zählt 1098 Studenten, nämlich 36 der Philologie, 80 der Mathematik, 230 Juristen, 170 Theologen und 582 Mediziner; darunter sind 286 Orthodoxe, 483 Protestanten, 220 Juden, 101 Katholiken und 8 Gregorianer. In Dorpat vollzieht sich allmählich ein Umschwung der Zahl zu gunsten der Studierenden aus den innern Provinzen Rußlands. Zum ersten Mal ist nun die Zahl dieser Studierenden größer, als die Zahl der Studierenden aus den Ostseeprovinzen. Im Jahre 1890 studierten in Dorpat noch rund 1000 Balten neben rund 600 aus dem Innern Stammenden. Heute beträgt die Zahl der letzteren 644; da an Ausländern nur 4 in Dorpat studieren, so bleibt für die Balten noch die Zahl von 450 (300 aus Livland, 50 aus Estland, 100 aus Kurland). Die Pharmaceuten sind in obigen Ziffern nicht enthalten. Auffallend ist die Verteilung der Pharmaceuten aus die Religionen: Juden 162, Protestanten 102, Katholiken 67, Orthodoxe 12. Unter den heutigen Studenten Dorpats befinden sich gegen 190 frühere Seminaristen orthodoxer Religion. O Bukarest, 12. Dezember. (Die antisemitischen Exzesse.) Gestern wurde Herr Rabbiner Dr. Bäck und der Präsident der hiesigen Kultusgemeinde vom Könige empfangen, welcher denselben seinen Abscheu über die Ausschreitungen gegen die Juden aussprach und sie aufforderte, ihre Glaubensgenossen zu versichern, daß sich ähnliche Vorkommnisse nicht wiederholen würden, sowie daß den Opfern der Exzesse vollständiger Schadenersatz geleistet werden würde. W. B. Algier,5.Dezember. (Antisemitisches). Abermals hat das Gericht in Oran eine Entscheidung getroffen, welche für die durch den hiesigen Antisemitismus geschädigten Juden Schadenersatz ausspricht. Diesmal handelte es sich um die jüdischen Cabkutscher in Oran; 38 in der Zahl, die gegen den M. Ayribier, Eigentümer der antisemitischen Zeitung „Le Petit Africain“, klagbar geworden waren. Diese Zeitung hatte eine Liste derselben veröffentlicht mit der Aufforderung an alle Abonnenten, stets diese Liste bei sich zu tragen und im Bedarfsfälle die auf derselben verzeichneten Kutscher nicht zu wählen, weil sie Juden, also Fremde seien. Nach französischem Gesetz ist der Boykott strafbar und trotz geschickter Verteidigung des Angeklagten, der die Schuld nicht bestritt, aber die Verantwortung aus den bankerotten Bidaine schob, erkannte das Gericht zu Recht, daß jeder der Kläger einen Schadenersatz von 100 Francs und die Kosten zu beanspruchen hat. Gegen dieses Urteil giebt es keine Appellation und M. Ayribier wird 3800 Francs und die Kosten bezahlen. Wenn unsere Brüder in der ganzen Provinz jetzt energisch gegen die judenhetzerischen Schreier Vorgehen, so werden diese in Zukunft ihre Sprache schon mäßigen müssen, denn in puncto Geldbeutel sind sie samt und sonders sehr empfindlich. W- B. Marocco, 8. Dezember. (Die Lage der Juden). Nach einem Reutertelegramm hat der Sultan der jüdischen

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