Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 6 (1897)
- Issue
- 52 (24.12.1897)
- Date
- 1897-12-24
- Page
- Seite 895 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 52. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 895. Bamberger-Kissingen, Dr. Bamberger-Burgpreppach, Dr. Breuer-Frankfurt a. M., Dr. Horowitz - Frankfurt a. M., Dr. Marx - Darmsladt, Dr. Stein-Schweinfurt, Herrn Hauptlehrer N. Eschwege-Höchberg, den Bürgermeister und Abgeordneten der Gemeindebevollmächtigten, Professoren der Forstschule und Lateinschule, Vertreter sämtlicher Distriktsgemeinden, Vertreter seines früheren Wirkungskreises, viele Freunde und Verehrer u. v. a. Selbst die entfernte Gemeinde Fischach ließ es sich nicht nehmen, sich durch ihren Lehrer und Vorstandsmitglied vertreten zu lassen. Sämtliche Läden in den Straßen, durch welche der Leichenkondukt sich bewegte, hatten in verehrungsvoller Pietät gegen den Verstorbenen geschlossen, teilweise schwarz verhängt. In den Straßen selbst bildete die Volksmenge Spalier. Im Hause sprachen Herr Distriktsrabbincr Bamberger-Kissingen, ein Bruder des Verstorbenen, dann der zweitälteste Sohn, Herr Rabbiner Dr. Bamberger- Schrimm. Am offenen Grabe sprachen die Herren Rabbiner Dr. Breuer - Frankfurt, Dr. Marx-Darmstadt, Rabbiner Bamberger-Würzburg und Dr. Bamberger-Schildberg, sowie der Abgeordnete der Gemeinde Fischach, Herr Lehrer Hirschmann. Zum Schluffe noch ergriff das Mitglied des Vorstandes der Kultusgemeinde Aschafsenburg, Herr Goldschmidt, das Wort, um dem Dahingeschtedenen den tiefgefühltesten Dank und die aufrichtige Anerkennung namens der Gemeinde anszusprechen. rr Hamburg, 12. Dezember. (Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens") hatte in voriger Woche hier eine öffentliche Versammlung einberufen. Der Vorsitzende Herr David Rüben begrüßte die zahlreich erschienene Versammlung und erteilte Herrn Rechtsanwalt Dr. Eugen Fuchs-Berlin das Wort zu einem Referat über die Ziele und Bestrebungen des Vereins. Redner bemerkte in der Einleitung zu seinen längeren, vortrefflichen Ausführungen, daß es den Vorstand stets eigentümlich berührt habe, für seine Bestrebungen in Hamburg, der zweitgrößten Stadt des deutschen Reiches, so wenig Anklang zu finden. Herr Dr. Fuchs legte sodann in äußerst klarer, interessanter Weise die Aufgaben des Vereins dar, welche darin gipfeln, mit offenem Visir den Antisemitismus zu bekämpfen. Nachdem Redner vor dem Renegatentum, das nur materieller Vorteile wegen den angestammten Glauben verläßt, gewarnt, schloß er wirksam mit der Mahnung: „Bewahren Sie Ihren Stolz und Ihre Selbstachtung, damit die Glaubensgenossenschaft, die die Gefahren des Antisemitismus überwunden hat, nicht am Renegatentum zu Grunde geht." Die Ausführungen des Referenten fanden lebhaften, wohlverdienten Beifall. In der sich anschließenden Diskussion bemerkte ein Redner, daß, wenn die Bestrebungen des Vereins in Hamburg wenig Förderung gesunden haben, dies wohl daraus zurückzusühren sei, daß wir — was mit Dankbarkeit öffentlich konstatiert zu' werden verdiene — in unserer Vaterstadt nur wenig vom Antisemitismus verspüren, wie wir ja hier jüdische Land- und Amtsrichter haben und auch das höchste Ehrenamt in der städtischen Verwaltung, das Präsidium der Bürgerschaft, durch einen Glaubensgenossen besetzt sei. Dieser Anschauung wurde von mehreren Seiten nachdrücklichst entgegengetreten und an verschiedenen Beispielen dargethan, daß der Antisemitismus leider auch in Hamburg Boden gefaßt hat. Zum Schluß erklärte sich die Majorität der Versammlung mit den Ausführungen des Herrn Dr. Fuchs vollinhaltlich einverstanden, und traten mehr als 100 Mitglieder sofort in den Verein ein. Wien, 16. Dezember. (Kunst und Antisemitismus.) Der Wiener Akademische Gesangverein hat dieser Tage ein reizendes Stückchen geleistet. Eine junge Sängerin, mit dem Künstlernamen Carneri, hätte in einem Konzerte des Gesangvereins ein Mendelssohnsches Lied singen sollen. Auf Anraten eines Vereinsmitgliedcs mußte die Dame das Programm ändern, weil die Herren Studenten den — Juden Mendelssohn nicht haben wollten. Schließlich verzichtete man ganz auf die Mitwirkung der Dame, weil die deutsch-nationale Studentenschaft „unangenehme Auftritte" gegen die Sängerin vorbereitete, die es gewagt hatte, in einem Programm des Wiener Akademischen Gcsangsvereins auch nur einen Moment lang an Mendelssohn zu denken. Budapest, 20. Dezember. (Das Wachstum unserer Gemeinde) wird am besten durch ihr Budget bezeugt. Dieses schwoll von 247,201 fl. im Jahre 1880 aus 428,389 fl. im Jahre 1896 an. Darunter waren vor sieben Jahren 57,600 fl. für die Schulen, jetzt sind es 87,433 fl. Noch größer ist die Steigerung bei der Position Wohlthätigkeit, die von 58,375 fl. aus 109,849 fl. anschwoll. Bekanntlich hat auch die Stadtgemeinde in Budapest ihre Subvention von 12,000 fl. aus 20,000 fl. erhöht. Auch ein Zeichen des guten Verhältnisses zwischen Juden und Christen in unserem Lande ist es, daß für die in Pancsowa gebaute Synagoge auch zwei Christen Zuschüsse gaben. Beide Serben, der eine, Obradovics, 500 fl., der andere, Manno, 50 fl. S* Paris, 20. Dezember. Auch das diesjährige Budget der Republik enthielt die üblichen Posten: Personal der jüdischen Gemeinden 133 530 Francs, jüdisches Seminar 22 000 Francs, endlich Erhaltung der jüdischen und protestantischen Gcbetshänser (diese Positionen sind immer zusammen) 51 000 Francs. Mit Recht klagen die französischen Juden, daß diese Summe weder ihrer stetig gewachsenen Zahl, noch ihren Steuerleistungen für den Staat entspreche. London, 19. Dezember. (Jüdischer Gottesdienst für Soldaten.) Heute fand in der Hampstead-Synagoge der alljährliche Gottesdienst für jüdische Soldaten und Freiwillige statt; das Gotteshaus war vollständig von Offizieren und Mannschaften der verschiedenen Waffengattungen, sowie von Zivilisten angefüllt. Unter den Soldaten, welche von dem Obersten De Lava-Cohen von dem Ost-London-Geniekorps befehligt wurden, befanden sich die Feiwilligen-Korps der Hauptstadt in der Majorität, aber kaum ein Regiment war unvertreten. Gardisten, Genietruppen, Husaren, Artillerie und sogar ein Exerziermeister der Marine befanden sich in der Kolonne, welche in die Synagoge marschierten. Der Gottesdienst siel dieses Jahr wieder in die Zeit des „Chanukahfestes," was dem religiösen Akt eine besondere Weihe verlieh. Die Soldaten und Freiwilligen folgen dem Gottesdienste, in welchem der Musik eine hervorragende Stelle eingeräumt war, mit großer Andacht. Rev. F. L. Cohen, jüdischer Feldgeistlicher im Lager von Aldershot, predigte. Er gemahnte die Soldaten zur Pflichterfüllung und zur Ansrechterhaltung