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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1897-12-24 · 52 (24.12.1897) · p. Seite 894

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
6 (1897)
Issue
52 (24.12.1897)
Date
1897-12-24
Page
Seite 894 (sequence 10)
Language
German
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Seite 894. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 62. zureichend erwiesen, und der Vorstand und das Kuratorium sich zur Erweiterung durch einen Neubau mit Hintenansetzung aller Bedenken wegen der daraus erwachsenden Schuldenlast entschließen mußten. Die Aula des neu ausgesührten Gebäudes, das schon seit einiger Zeit unmittelbar nach der Fertigstellung in Benutzung genommen war, wurde am 28. November in festlicher Weise eingeweiht. Mit dieser Feier sollte zugleich dem überaus bescheidenen Gründer der Anstalt, Herrn Konsul M. A. Simon ein dauerndes Zeichen der Würdigung gegeben werden. Ohne daß er eine Ahnung davon hatte, hatten Mitglieder des Vorstandes und des Kuratoriums sein Bild nach einer Photographie in großer Ausführung Herstellen lassen, daß an diesem Tage, seinem sechzigsten Geburtstage, als Schmuck der Aula enthüllt werden sollte. Illach einem Begrüßungsgesange der Zöglinge und Kinder der Anstatt folgte die Ansprache des Herrn Landrabbiners Dr. Gronemann, der zunächst auf die großen Schwierigkeiten hinwies, welche Herr Konsul Simon zu überwinden hatte, bis die zur Ausführung zu bringende Idee, Juden zum Ackerbau und zur Bodenkultur zu erziehen, nun in engeren und weiteren Kreisen Boden gefaßt habe. Der Name „Ahlem" — bisher ein kleines unbekanntes Dorf — werde heute bereits weit und breit, über die Grenzen des deutschen Vaterlandes hinaus mit Achtung genannt, und von den fernsten Gegenden eilen Jünglinge hierher oder werden von der Alliance Israelite Universelle hierher gesandt, UM sich für den von unseren Vätern hochgehaltenen und eifrig gepflegten Beruf des Ackerbauers vorzubereiten — um die von den Völkern uns verstopften Brunnen wieder zu erschließen. Alsdann wurde das Bild enthüllt, das der Gefeierte mit sichtlicher Ueberraschung und Bewegung lange betrachtete. Die Zöglinge feierten alsdann ihren Freund und gratulierten ihm in einem ergreifenden Gesänge, woraus Herr Justizrat Dr. Berend, der Vorsitzende des Kuratoriums, im Namen des letzteren in markigen Worten gratulierte und die Anstalt, die durch die rastlose Arbeit des Gründers aus eine solche Höhe gebracht sei, dem Wohlwollen und der Förderung Aller empfahl, damit sie zum Heil und Segen d^s Gesamt-Judentums, zu immer größerer Vervollkommnung emporsteige; Frau Baurat Oppler überbrachte in herzlicher, liebenswürdiger Weise Namens der Mitglieder des Damen-Komitees, welches die innere Leitung der Anstalt überwacht, ihre Glückwünsche und überreichte einen prachtvollen Chanukahleuchter für die Anstalt als Geburtstagsgeschenk. Es folgten noch Ansprachen seitens des Herrn Federlein Namens der anwesenden Repräsentanten der Gemeinde, des Herrn Rechtsanwalt G. Heinemann Namens der Zion-Loge, deren Mitglied Herr Simon ist. Auch von auswärtigen Logen und Freunden waren Gratulationen selbst mit Beiträgen und Geschenken für die Anstalt eingelaufen. Herr Konsul Simon, der sich unerwartet und unvermutet als Mittelpunkt dieser Ovationen sah, dankte tiefbewegt und wies das Verdienst, das man ihm allein zuschrieb, als unverdient zurück, auch seinen Mitarbeitern, besonders Herrn Alphons Jakobson, gebühre ihr voller Anteil. Er ermunterte die Zöglinge zum Fleiß und versprach ihnen sein und der Anstalt immerwährendes Interesse und Unterstützung auch für ihre spätere Laufbahn. Zu diesem Zweck spendete er 1000 Mark zu einem Unterstützungsfond für entlassene Zöglinge. Der Eindruck der ganzen Feier war ein erhebender und Alle verließen die Anstalt mit den besten Wünschen für deren Gedeihen. Mannheim, 17. Dezember. (Goethe und die Juden.) Gestern Abend hielt Herr Pcofessor Dr. Ludwig Geiger aus Berlin im Kasinosaal einen interessanten Vortrag, in welchem er eingehend das Thema „Goethe und die Juden" behandelte. Ein großer Teil des Judentums, so leitete Redner seinen Vortrag ein, wird Goethe, dem deutschen Dichterfürsten, kein zu großes Interesse entgegenbringen, weil vielfach in ihm ein Judenfeind vermutet wird. Daß diese Vermutung jedoch ungerechtfertigt sei, wies der Vortragende in seinen VU* stündigen klaren Ausführungen durch Besprechung einzelner Werke des großen Dichters nach. Wolfgang Goethe war nicht eine jener Naturen, welche leicht verdammen oder entgegengesetzt wieder so leicht etwas beschönigen. Goethe nahm vielmehr die Stellung eines ernsten Forschers ein und bei der Beurteilung der Juden war ihm nicht selten, ja man kann sagen, größtenteils die Bibel maßgebend gewesen, in welcher er mit Vorliebe bis in sein Greisenalter studiert hat. Die freundschaftlichen Beziehungen Goethes zu verschiedenen bedeutenden israelitischen Männern, zeigen deutlich, daß er der jüdischen Religion keineswegs unsympathisch gegenüberstand. Goethe war, wenn auch nicht gerade ein Schwärmer oder Verehrer des Judentums, so doch am allerwenigsten ein Feind desselben. Die Quintessenz der Gesinnung Goethes zu den Juden kennzeichne sich am deutlichsten in seinem Ausspruche, in welchem er die Stellung des Einzelnen zum Ganzen, hier des Individuums zur Masse hervorhebt, wie das Individuum eine Hauptbedingung zur Existenz der Masse sei. Dieser Ausspruch lautet: „Der Deutsche wird ebenso wenig wie der Jade zu Grunde gehen, denn beide sind Individuen." Wttrzburg, 12. Dezember. (Rabbi Simon Bamberg er,) Distriktsrabbiner in Aschaffenburg, ist am 10. Dezember im Alter von 05 Jahren verstorben. R. Simon Bamberger war der älteste Sohn des verewigten Distriktsrabbiners Seligmann Bär Bamberger. Er war im Jahre 1832 geboren. Im elterlichen Hause großgezogen, war der Verstorbene stets mit dem Thorastudium beschäftigt. Neben diesem Studium beschäftigte er sich eifrig mit Fachkenntnissen für feinen späteren Berus. In seinem 22. Lebensjahre erhielt er einen Rus an die Talmud-Thoraschule nach Kolmar, an welcher er zwei Jahre wirkte. Die Gemeinde in Fischach, die von den Kenntnissen und dem Wirken des jungen Gelehrten gehört hatte, beries ihn als ihren Rabbiner, welchem Rus er auch Folge leistete. In Fischach wirkte er 24 Jahre. Nach dem Hinscheiden des Rabbiners Adler in Aschasfenburg (1881) richtete die Gemeinde und der Distrikt ihr Augenmerk aus Bamberger, und sicherlich hätten sie keinen Besseren finden können. Er entschloß sich, die Gemeinde Fischach zu verlassen und die Aschaffenburger Stelle anzunehmen. So wirkte er 16 Jahre bis zu seinem leider allzusrühen Tode. Von der Verehrung, die der Verewigte genoß, legte die Beerdigung ein beredtes Zeugnis ab. Wem es seine Zeit nur irgend gestattete, eilte nach Aschaffenburg, um dem Gelehrten noch die letzte Ehre erweisen zu können. Da bemerkte man unter den Teilnehmern an der Beerdigung die Rabbiner Bamberger-Würzburg,

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