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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1897-12-24 · 52 (24.12.1897) · p. Seite 892

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
6 (1897)
Issue
52 (24.12.1897)
Date
1897-12-24
Page
Seite 892 (sequence 8)
Language
German
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Seite 892. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 62. sammensetzt, und dem folgende Damen beigetreten sind: Frau Dr. Maybaum, Frau Sarah Guttmann, Frau Stern, Fräulein Lipschütz, Frau David, Frau Jenny Guttmann, Frau Helene Cohn, Frau Natalie Cohn, Frau Weber, Frau Guttentag, Frau Rosalie Gerling, Frau Feibusch, Frau Jsacoby, Frau Amalie Rosenstiel. Die Ausgabe dieses Komitee wird insbesondere darin bestehen, sich den Interessen der sich meldenden weiblichen Arbeitsnehmer zu widmen; ferner soll es Fürsorge üben für die Lehrmädchen, damit dieselben nicht nur in ordentliche Lehrstellen untergebracht werden, sondern auch durch die dauernde Aufsicht zu brauchbaren und nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft erzogen werden. — Ferner aber sollen die Komiteedamen die Tendenzen des Arbeits-Nachweis-Vereins hineintragen in ihre Frauen-Vereine, um eine Wechselwirkung zu erzielen, damit die weitere Oeffentlichkeit von dessen philantropischen Bestrebungen mehr Kenntnis erhält, und das Interesse an dem Verein für Arbeitsnachweis verallgemeinert wird. Es wurde allgemein anerkannt, daß durch die Bestrebungen des Arbeitsnachweises eine heilsame Reform der Wohlfahrtsbestrebungen mit der Zeit zu erwarten ist. Denn nichts kann die Armut mehr eindämmen, als wenn unterstützungsbedürftige Familien arbeitsfähig gemacht und in Arbeitsstellen untergebracht werden. Oft wird dies allerdings nur schwer zu ermöglichen sein, insbesondere, wo es sich um unfähige und bereits in vorgerücktem Alter stehende Personen handelt, doch muß dann der Hebel bei der künftigen Generation, bei den Kindern, angesetzt werden. Die Thätigkeit des Damen-Komitees soll Anfang Januar 1898 beginnen und zwar werden an jedem Wochentage in den Nachmittagsstunden von 4—5'/2 Uhr mehrere Damen im Bureau, Klosterstraße 44, anwesend sein, um den weiblichen Persönlichkeiten, die sich hilfesuchend an den Verein wenden, mit Rat und That dienlich zu sein, soweit es sich um Unterbringung in Stellungen handelt. Der Arbeitsnachweis-Verein hat in den letzten Monaten einen außerordentlichen Aufschwung genommen, da sich täglich Handelshäuser und Fabrikanten in größerer Zahl an den Verein wenden, um von dort ihr Personal zu beziehen, und daher viel Arbeitslose untergebracht werden. — Der Verein verspricht sich von dem nunmehr ins Leben gerufenen Damen-Komitee eine weitere Förderung und ist es zu wünschen, daß auch die anderen jüdischen Frauenvereine, welche noch nicht in dem Komitee vertreten sind, sich diesem baldigst anschließen möchten, damit ein gemeinsames Wirken Aller stattfindet/ * Berlin, 19. Dezember. (Fürsorge-Kommission für entlassene Strafgefangene.) In der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde wurde der Bericht der Fürsorge-Kommission, deren Thätigkeit sogar der Justizminister den anderen Konfessionen zur Nachahmung empfohlen hat, verlesen. Dieser Bericht ist sehr interessant, so daß er im Interesse der Sache ausführlich besprochen zu werden verdient. Es soll dabei ausdrücklich hervorgehoben werden, daß die Fürsorge-Kommission hauptsächlich der unermüdlichen Thätigkeit des Herrn Rechtsanwalt Lilienthal ihre großen Erfolge zu verdanken hat. Der Bericht liegt nun für das Verwaltungsjahr 1896/97 vor, und wir entnehmen demselben die folgenden, auch für weitere Kreise wichtigen Einzelheiten: Die Organisation der Fürsorge-Kommission gelangte im Berichtsjahre dadurch zum Abschluß, daß die von der Kommission vorgeschlagenen Satzungen die Zustimmung der Gemeindebehörden erhielten. Gegenüber der bisher von der Kommission ausgeübten Thätigkeit enthalten die Satzungen zwei Neuerungen: Die Ausdehnung der Thätigkeit auf die Fürsorge für verwahrloste jugendliche Personen und die Mitwirkung von Frauen als Pflegerinnen für entlassene weibliche Strafgefangene und für Familien von Inhaftierten. Im Berichtsjahre ist übrigens eine Fürsorge für verwahrloste jugendliche Personen überhaupt nicht in Anspruch genommen worden. Die Heranziehung von Frauen hat sich für.die Zwecke der Fürsorge als außerordentlich förderlich erwiesen. Die Kommission hat vorläufig nur zwei Frauen zu Pflegerinnen gewählt. Die Rechnung des Berichtsjahres schließt mit einem Minderverbrauch von 1150 Mark 90 Pf. Die Kommission bestand im Berichtsjahre aus 19, am Schluffe des Jahres aus 17 Mitgliedern. Ausgeschieden sind der frühere Vorsitzende, Herr I. E. Jsaac, infolge der Bestimmung eines anderen Vorsitzenden durch den Gemeindevorstand, und Herr Regierungsbaumeister Plotke infolge seiner Versetzung nach außerhalb. Neu gewählt wurden als Pflegerinnen: Frau Jenny Mannheim und Frau Heinrich Stern. Die Fürsorge-Thätigkeit erstreckte sich während des Berichtsjahres im Ganzen aus 163 Parteien. Von den Pfleglingen waren 40 oder rund 56 (51) pCt. Kaufleute und 27 oder 38 (33Vz) pCt. Handwerker und Arbeiter. 2 Pfleglinge waren unter 18, 4 über 50 Jahre alt, der jüngste war 16 (14), der älteste 63 (70) Jahre alt. 58 waren Deutsche, 13 Ausländer. Von den 58 Deutschen waren 11 aus Berlin gebürtig. Von den 13 Ausländern waren: aus Oesterreich 9, Rußland 4. Es waren bestraft: wegen Diebstahls 18, Betrugs 8, Unterschlagung 11, Hehlerei 3, betrügerischen Baokerotts 2, Urkundenfälschung 3, Kuppelei 2, anderer Verbrechen gegen die Sittlichkeit 2, Abtreibung 1, Widerstands gegen die Staatsgewalt 1, Insubordination (vom Militärgericht) 1, Führung eines falschen Namens 1, Sachbeschädigung 1, Vergehen gegen die Gewerbeordnung 1, Uebertretung der Straßenpolizeiordnung 1, Bettelns 8, zusammen 63; 8 waren in Untersuchungshaft. Von denselben wurden 4 freigesprochen, 3 befinden sich noch in Untersuchungshaft, während 1 flüchtig geworden ist. — Vorbestraft waren 40, und zwar: 22 1 mal, 8 2mal, 3 3mal, 3 4mal, 3 5mal, 1 14mal. Interessant ist, daß der 14mal (wegen Bettelns) Vorbestrafte, nachdem ihm Arbeit verschafft war, sich arbeitsam und ordentlich gezeigt hat; 8 waren schon früher von der Kommission in Pflege genommen worden, und zwar 7 Imal, 1 bereits 2 mal. Dem letzteren, welcher einer angesehenen Familie entstammt, ist jedoch die weitere Fürsorge später als aussichtslos entzogen worden. Ein Rückfall ist von den 71 im Berichtsjahre in Pflege Genommenen nur in einem Falle sestgesteüt. Dies beweist jedoch nicht, daß nicht auch andere rückfällig geworden sind. Von den 71 waren bestraft: 6 mit Hast, 3 mit Haft und Arbeitshaus, 13 mit Gefängnis bis zu 3 Monaten, 28 mit Gefängnis von 3 Monaten bis zu 1 Jahr, 9 mit Gefängnis von mehr als 1 Jahr, 1 mit 8 Wochen Festung, (v^m Militärgericht); bei 3 ist die Strafe nicht festgestellt

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