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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1897-06-04 · 23 (4.6.1897) · p. Seite 382

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
6 (1897)
Issue
23 (4.6.1897)
Date
1897-06-04
Page
Seite 382 (sequence 12)
Language
German
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Seite 382. Allgemeine Israelitische Wochenschrift Nr. 23. 3. Mit Rücksicht auf das bevorstehende 50jährige Regiernngsjubitäums Sr. Majestät des Kaisers soll der Verein den Namen führen: „Kaiser-Jubiläums-Witwen- und Waisen- Unterstützungsverein der Kantoren Mährens." N. Paris, 28. Mai. (Die Exzesse in Algerien.) Die Annahme, daß es sich bei den Ruhestörungen 'in Algerien nicht blos um die regelmäßig wiederkehrenden Zwistigkeiten zwischen Juden und Arabern, sondern um eine mohammedanische Bewegung gegen Frankreich handeln könnte, wird in der französischen Presse nunmehr mehrfach vertreten. AuI Parteitaktik wird zugleich der Minister des Auswärtigen, Hanotaux, verantwortlich gemacht, weil er dazu beigetragen habe, daß die mohammedanischen Unterthanen Frankreichs den Sieg des Sultans über die Griechen feiern können. Da nun aber die Türken lediglich aus eigener Kraft die von griechischer Seite ausgehende Friedensstörung auf der Balkan-Halbinsel zurückgewiesen haben, liegt der Schluß nahe, daß der Fanatismus der Araber in Algerien sich weit heftiger geltend gemacht hätte, falls Frankreich eine herausforderndere Haltung gegenüber dem Sultan an den Tag gelegt hätte. Von der Macht, die die antisemitische Bewegung in Algerien erlangt hat, kann man sich einen Begriff machen, wenn man hört, daß die Judenfeinde fast alle Aemter und in den meisten Städten die Majoritäten in den Stadträten rc. besitzen. Auch die Deputiertenmandate sind ihnen meist zugefatten, da selbst die dortigen Sozialisten ausgesprochene Judenfeinde sind. Mr. Samary, der reine Antisemit, und Viviani, der antisemitische Sozialist, beide Deputierte der Stadt Algier, hatten kürzlich eine Volksversammlung einberufen, wozu ihnen die Stadtverwaltung das städtische Theater überlassen hat. Fast 2000 Personen waren anwesend und folgten den Hetzreden, in denen Gouvernement und Regierung, Senat und Kammer ebenso wie die Juden auf das Gehässigste angegriffen wurden. Nur Mr. Eambon, der Gouverneur von Algier, wurde geschont, ja sogar als Antisemit gefeiert, weil er die Streichung so vieler jüdischer Wähler aus den Wählerlisten von Algier und Oran bewirkt habe. Er dürste von diesem Lobe nicht sonderlich erbaut gewesen sein, aber er hat es durch seine antijüdischen Maßregeln reichlich verdient. c. London, im Mai. (Gegen Herzls „Judenstaat") nimmt die „Jewish Cronicle“ energisch Stellung. Der „Nationalismus" Herzls, von den östereichisch - ungarischen Verhältnissen ausgehend, könne nur Schaden anrichten, wenn er aus andere Länder übertragen werden soll. Der wahre Zionismus, der in der Liebe zu Palästina besteht, werde durch solche Extravaganzen nur empfindlich geschädigt. X Petersburg, Ende Mai. (Die Auswanderung der Juden) nach Argentinien geriet in letzter Zeit ins Stocken; der Hauptgrund hierfür war, daß ungünstige Gerüchte über die argentinischen Kolonien nach Rußland drangen, ja es hieß sogar, einige Ausgewanderten wurden wieder in ihre Heimat zurückgeschickt. Es scheint aber jetzt, daß die Lage der Kolonien doch nicht so schlecht ist, wie sie geschildert wurde, denn die Auswanderung der Juden nach Argentinien hat von neuem begonnen. Wie das hiesige Zentral-Komitee für Judenemigrationen berichtet, sind mit Hilfe der Auswanderungsinstitutionen zu Anfang dieses Jahres über 1000 jüdische Familien nach Argentinien ausgesiedelt worden. Die meisten Auswanderer stammen aus dem Gouvernement Grodno, weil dort die jüdische Bevölkerung vor allem Ackerbau betreibt. Auch in anderen Gouvernements ist unter den Juden die Auswanderungslust wieder erwacht und die Answanderungskomitees sind wieder in Thätigkeit getreten. Feuilleton. Der König der Zchnorrrr. Von I. Zangwill. 10] Nachdruck untersagt. „Ich? Keine Spur davon. Ich hatte von Euch und Euern Trauerreden gehört; als ich Euch daher heute Vormittag zum erstenmale aus der Straße traf, siel es mir ein, Euch zu fragen, warum Ihr Eueren Trost nicht auch in den Schoß meiner Gemeinde trägt, bei der sich viel mehr verdienen läßt. Ich sagte, daß ich mich wundere, warum Ihr das nicht von allem Anfang an gethan hättet, und Ihr — ludet mich zum Mittagessen ein. Ich wundere mich noch immer. Das ist alles, mein lieber Freund." Und er erhob sich, um zu gehen. Der hochmütige Verweis brachte den Rabbi zum Schweigen, obwohl in seinem Herzen das unbestimmte Gefühl kochte, daß er benachteiligt worden sei. „Geht Ihr vielleicht denselben Weg, Jankele?" fragte Manasse nachlässig. Der Rabbi wandte sich hastig zu seinem zweiten Gast. „Wann wollt Ihr also heiraten?" fragte er. „Ihr habt mich bereits verheiratet," antwortete Jankele. „Ich?" keuchte der Rabbi. Das war der letzte Strohhalm. „Ja," wiederholte Jankele. „Ist es nicht so, Herr Da Costa?" Sein Herz hämmerte, während er die Frage stellte. „Gewiß," sagte Manasse ohne Zögern. Jankeles Gesicht strahlte wie ein glorreicher Sommertag. Nur zwei von dem Quartett kannten das Geheimnis dieses Lenchtens. „Gut Schabbes, Rabbi," rief er voll Monge. „Gut Schabbes!" sagte Manasse. „Gut Schabbes!" murmelte der Rabbi betäubt. „Gut Schabbes!" fügte seine Frau hinzu. „Wünscht mir Glück," ries Jankele, nachdem sie das Haus verlassen hatten. „Wozu?" fragte Manasse. „Daß ich ^uer Schwiegersohn werde." „Oh, dazu? Gewiß, ich wünsche Euch herzlich Glück dazu." Die beiden Schnorrer schüttelten einander die Hände. „Ich glaubte, daß Ihr ein Kompliment über Euer Manöver hören wolltet." „Nu, verdiene ich das nicht?" „Nein," sagte Manasse entschieden. „Nein?" wiederholte Jankele, dem das Herz wieder schwer ward. „Warum nicht?" „Warum habt Ihr so viele Menschen umgebracht?" „Damit ich lebe, müssen Andere sterben."

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