Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 6 (1897)
- Issue
- 22 (28.5.1897)
- Date
- 1897-05-28
- Page
- Seite 358 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 22. Seite 356. Allgemeine Israel die Ziffer von ca. 6 Millionen Seelen und die jüdische Einwohnerschaft bildet gegen 12 Prozent der Gesamtbevölkerung. Gegen 80 Prozent leben vom Ackerbau, diese sind aber nicht imstande dem Boden so viel zu entringen, um die Bedürfnisse eines Kulturmenschen halbwegs zu befriedigen. Die allgemeine prekäre Lage der agrarischen Kreise kommt hier doppelt zum Ausdrucke, denn die Bodenkomplexe sind stark zersplittert, aufgeteilt, die Getreidepreise sinken von Jahr zu Jahr, und wenn der Landmann einen Ueberschuß zum Markte bringt, so ist der hierfür gewonnene Erlös nicht ausreichend, um damit seine Ausgaben, Steuern, Kleidungsstücke u. s. w. zu decken. Er ist also nicht kaufkräftig und infolge dessen leidet auch der Geschäftsmann. Ein großer Teil des Grundbesitzes konzentriert sich in der Händen des Hochadels, nud diese Herrschaften befriedigen ihr, * Berlin, 25. Mai. (Wie der Abgeordnete für Arnswalde-Friedeberg) mit der Wahrheit umspringt, dafür liefert jetzt die „Zukunst" einen Beitrag. Der große Parlementarier hat am 18. Februar im Reichstage bei seinem Wiedereintritt erklärt: „Da ich infolge eines Beschlusses des Gerichtes in Hoboken aus Amerika nicht fort konnte, ohne rechtsbrüchig zu werden, so habe ich zu meinem Bedauern hier länger abwesend sein müssen, als es eigentlich in meinem Willen lag." Was daran wahr ist, ergeben die nachstehenden Auszüge aus den notariell beglaubigten Aktenstücken: Am siebenten April 1890 wurde Ahlwardt vom Polizeirichter in Hoboken, Hutson County, N. I. für disorderly conduct and carrying concealed weapons mit zehn Dollars bestraft, die er gleich erledigte. Noch am selben Tage stellte ein gewisser Michael Arnsberg gegen Ahlwardt vor dem Friedensrichter Scymour in Hoboken Strafantrag wegen thätlichcn Angriffes und Ahlwardt gegen Arnsberg wegen Meineides. Am 14. April 1896 wurde Ahlwardt verhört und, um sein Erscheinen als Angeklagter nachdrücklichste betätigen. Sie stehen an der Spitze ein jeden Aktion, die dahin zielt, die Juden aus ihrem Besitzstani zu verdrängen, unter ihrer Patronanz entstehen die famos, „landwirtschaftlichen Verbände" — Rolkardnicze — die ei gestandenermaßen nur den Zweck haben, den Juden den kleim Handel zu entreißen. Und was sagen hierzu unsere Großes Sie lassen sich in allerhand Vertretungskörper wählen, ham die „Würde", aber ohne „Bürde". Sie „machen" im poln schen Patriotismus, d. h. in Chauvinismus, denn ihre Thätb keit gipfelt darin, alles, was nicht polnisch, zu verdrängen m zu unterdrücken. Sie klammern sich an die Rockschöße d jeweiligen Regierung, tragen dazu bei, jede Volksregung, v< welcher Seite immer zu unterdrücken, treiben allerhand Wa^ Mißbräuche und wollen nur ihre Knopslochschmerzen befriedige Während man allenthalben sich angelegen sein läßt, die La des kleinen Mannes zu verbessern, ihn widerstandsfähiger machen, sehen die Gewählten im galizischen Israel ruhig i wie dem kleinen Manne der Boden förmlich unter den Füß entzogen wird, wie alles sich gegen ihn organisiert und schlummern gemütlich aus ihren knrullischen Stühlen, 5 Hände über dem Schmeerbauche verschränkend. Sie kenn nicht die Pflichten des Besitzes, haben kein Herz für ihr B> und beuten es nur aus, indem sie ihm die Malldate entlock ische Wochenschrift. gang) hat sich diesmal durch unvorhergesehene Hindernisse so sehr verzögert, daß die Versendung erst gegen Ende künftigen Monats möglich sein wird. Um nun mit dem folgenden Jahrgang wieder eine größere Pünktlichkeit Herstellen zu können, soll der gegenwärtige mit der Doppelziffer XII und XIII bezeichnet werden. In dieser Weise werden wir im Stande sein, schon am 1. Juli d. I. mit dem Druck der Schriften des XIV. Jahrgangs zu beginnen und sonrit die künftige Lieferungsfcist innezuhalten. Für die diesmalige Verzögerung werden die Mitglieder durch die Reichhaltigkeit der Darbietungen entschädigt. Der Jahrgang enthält folgende Schriften: 1) Den Schlußband des Jbn Ganach'schen Wörterbuches mit ausführlicher Einleitung und verschiedenen Jndices. 2) Divan des Jehuda Ha-Levi, III. Lieferung, enthaltend den Schluß des ersten und Anfang des zweiten Bandes. 3) Einleitung in das Machsor Vitry nebst Jndices und verschiedenen Nachträgen. 4) Sammelband enthaltend: a) Kommentar zu Esra und Nehemia von dem Römer Benjamin ben Jehuda; b) Ergänzung einer Lücke in den Responsen Elia Misrachis: c) Die Statuten der Gemeinde Bamberg; d) Gedichte des Jsak ben Scheschets und Simon ben Duran, nach einem Manuskript in Algier; e) Historisches aus der Gemeinde Aussee während der Regierungszeit Maria Theresias. Diejenigen, welche auf den XII. Jahrgang noch subskribieren wollen, mögen sich beeilen, ihren Beitritt zu dem Verein durch Einzahlung des Jahresbeitrages von 10 Mark zu erklären. Dr. A. Berliner. F. G. Lions, 23. Mai. (Beamtenelend.) Unter dem Vorgeben, daß die hiesige Gemeinde die Gehälter ihrer Beamten nicht mehr aufbringen könne, hat der Vorstand dem hiesigen Kantor Herrn Bernstein nach 24jähriger Thätigkeit und nachdem man ihn, als er etwa vor zwei Jahren eine größere Stelle angenommen hatte, auf sechs Jahre unkündbar mit 200 Mk. Gehaltszulage weiter engagiert hatte, ohne jede rechtliche Grundlage per 1. August er. seine Stelle gekündigt. Herr Bernstein hat bereits zum 1. Juni er. eine neue bessere Stelle in Obersitzko angenommen. Um das Projekt der Gemeinde, Kultus- und Lehreramt zu vereinigen, zu realisieren, hat der Vorstand über den hier definitiv angestellten Volksschullehrer, um ihn zu verdrängen verschiedentlich an zuständiger Stelle Beschwerde erhoben, womit er aber, gegenüber der Pflichttreue des Lehrers, kein Glück hatte. Nunmehr versuchten die Herren, in Verbindung mit dem hiesigen Bürgermeister bei der königlichen Regierung zu Posen zu bewirken, daß der jetzige Lehrer entfernt und ein anderer, der das Kultusamt mit zu übernehmen bereit sei, an seine Stelle gesetzt werde. — Diese kleine Notiz, welche das Beamtenelend unter der Vorsteher-Autokratie kleiner Städte in Umrissen schildert, hat den Zweck, den Kollegen, welche Lust haben werden, den verlockenden Aussichten in hiesiger Gemeinde als trügerischer Fata morgana zu folgen, um sicher in schädliche Sümpfe zu geraten, einen kleinen Fingerzeig zu geben. (Die Verantwortung für diese Ausführungen überlassen wir dem Herrn Einsender. Red.) D. Hannover, 24. Mai. (Die diesjährige Konferenz) des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover findet hier am 9. und 10. Juni mit folgender Tagesordnung statt