Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 52 (27.12.1895)
- Date
- 1895-12-27
- Page
- Seite 854 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 854 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 52. von denen 1975 als „Ackerbauer" bezeichnet sind. 86 figurieren als Tagelöhner, 381 als Näherinnen, 378 als „ohne Profession". Den Rest bilden Handwerker. Frauen und Kinder sind bei diesen Zahlen mit einbegriffen. — Ende 1893 gab es 6 Kolonien mit 18 Terrains, die von 2955 Juden bewohnt waren. Sie nahmen 125 331 5a ein, Ende 1894 lebten 5865 jüdische Kolonisten in 12 Kolonien auf 25 Terrains und haben 175 664 5a in Besitz genommen. 8 Kolonien liegen in der Provinz Entre Rios; die wichtigsten sind: Klara, S. Jorge, S. Bicente, Spangenberg. In Buenos Aires liegt Mauricio, in Santa-Fe Moisesville. Die Lage der neuesten Kolonien (Zeballos) ist nur unbekannt. 12 Dresch-, 221. Mäh-, 143 Säe-Maschinen sind als im Gebrauch angegeben. 8 Schulen, 2 Hospitäler, 6 Badeanstalten sind vorhanden, 854 Brunnen sind angelegt und 1801 Häuser erbaut. Der Bericht stellt fest, daß fast alle Familien sehr zahlreich und die Eltern relativ jung waren. Herr Alsina betont die Notwendigkeit der Einrichtung von Staatsschulen, damit die jüdischen Kinder nicht ein fremdes Element in Argentinien bleiben, sondern Argentinier werden . . . Auf die Bedeutung der jüdischen Kolonieen und die Arbeitsamkeit ihrer Bewohner erlauben folgende Zahlen wertvolle Schlüsse. Es waren besät, bestellt 20911 5a, davon 14211 mit Weizen, 4972 mit Mais, 352 mit Gerste, 108 mit Roggen, 540 mit Gemüse und Hülsenfrüchten. Zur Bestellung vorbereitet waren weitere 14 032 5a. Es gab in den Kolonien in Summa 8293 Ochsen, 2633 Pferde und 1825 Stuten und 229 Maultiere, 1515 Kühe, 5582 Fohlen und Kälber, Schafe (1301) wurden nur in der Kolonie Zeballos gehalten. - Diesem günstigen offiziellen Berichte, der aus eine erfreuliche Entwickelung der Kolonien schließen läßt, fügt die Redaktion des Globus die Bemerkung hinzu, daß nach einem dem philanthropischen Unternehmen des Baron Hirsch sehr wohlwollend gegenüberstehenden Aufsatze in der „La- Plata-Rundschau" (1895, Nr. 29—>31) das ganze Kolonisationsunternehmen , welches 20 Millionen Mark kostete, als mißlungen zu betrachten sei. (Dasselbe war vor kurzem in einem ausführlichen Bericht der „Köln. Ztg." zu lesen. Red.) Sollte da doch wohl nicht ein wenig Uebclwollen mit unterlaufen sein V Ich will hierbei nur noch aus einen Punkt des angeführten Artikels Hinweisen, der ganz besondere Beachtung verdient. Es heißt dort: Ein großer Teil der deutschen Auswanderung soll in den nächsten Jahren durch Hilfe des Norddeutschen Lloyds nach Argentinien gesandt werden. Was das Projekt des Lloyds betrifft, so soll es dem deutschen Landarbeiter ermöglicht resp. sehr erleichtert werden, recht bald Besitzer eines Landstückes zu werden. Die deutsche. Einwanderung wäre der Regierung und einem großen Teil der Presse und Bevölkerung sicher die angenehmste! Bei der von der Erziehungs-Anstalt in Ahlem ausgehenden verdienstvollen Bewegung, die jüdischen Knaben für Ackerbau und Gärtnerei heranzubilden, könnte über kurz oder lang der Fall eintreten, für jüdische Ackerbauer und Gärtner geeignete Stellen auszusuchen, wo sie ihre Kenntnisse und Kräfte verwerten können. Die in der Anstalt erzogenen, an Arbeit gewöhnten und gründlich vorbereiteten Zöglinge, die sich später zur Auswanderung entschließen, würden in Argentinien bald ein Feld für ihre Thätigkeit finden, und sie sind glücklicher gestellt als so viele auswandernde Kommis und Kaufleute, die vergeblich lange Zeit nach einer geeigneten Beschäftigung zu suchen haben. — In der Leitung der jüdischen Kolonien in Argentinien hat abermals ein Personen-Wechsel stattgefunden. Der Administrator Brandis aus der Kolonie Mauricio wurde entlassen und Herr Hayem aus Clara hat aus Gesundheitsrücksichten seinen Abschied genommen. Somit wären die beiden Administratoren, deren Verhalten hauptsächlich die Mißhelligkeiten der letzen Monate hervorgerufen haben soll, glücklich beseitigt. Neu ernannt wurden die Herren Ch. Lapin für Mauricio und Ingenieur Mitelman für Clara. Sämtliche von den Kolonisten beanstandeten Punkte des Kontrakts sind nach ihren Forderungen abgeändert worden, mit Ausnahme des Kaufpreises und der Zinsen. Die Amortisationsfrist wurde von 6 auf 12 Jahre prolongiert. Die Erwartungen auf den Gerechtigkeitssinn und die Hochherzigkeit des Baron Hirsch haben somit, wie von vornherein feststehen konnte, nicht getäuscht. (ft’initmuij) an irrti SMMhailnka. Keine Predigt. Von Dr- I- Rülf, Memel. Ein Traum und eine vrophetische Vision bilden den Hauptinhalt der Vorlesungen, besonders am diesjährigen Sabbat-Chanuka, und niemand weiß oder ahnt, daß zwischen diesen beiden — so von Grund aus verschiedenen Phantasiebildern — eine gewisse Uebereinstimmung herrscht. Zuerst das Traumgesicht Pharaos, Genes. 41, Sidra Mikez. — Pharao steht am Ufer des Nils uub sieht aus dem Flusse zuerst sieben fette Kühe und dann sieben magere Kühe heraufsteigen und die mageren verschlangen die fetten und blieben so mager wie vorher. Dann sieht er in einem zweiten Traume sieben volle Aehren und nach ihnen sieben leere Aehren aus einem Halme herauswachsen und die leeren verschlangen wiederum die vollen Aehren. Pharao erzählt diesen Traum den Weisen und Schriftkundigen Aegyptens, aber nienrand kann ihm diesen Traum, welcher sein Gemüt beunruhigt, deuten. Da erinnert sich der Mundschenk Pharaos des undankbarlich vergessenen „hebräischen Knaben", welcher ihm dereinst seinen Traum so wahrheitsgetreu gedeutet hatte, und empfiehlt denselben dem Pharao. Man holt den Joseph aus dem Gefängnisse, und der hat sofort die richtige Deutung bei der Hand: Beide Träume sind nur ein Traum. Die fetten Kühe und vollen Aehren bedeuten sieben fruchtbare Jahre, die mageren Kühe und leeren Aehren bedeuten sieben unfruchtbare Jahre; selbstverständlich werden die sieben unfruchtbaren Jahre den Ueberfluß der fruchtbaren aufzehren müssen, wenn man überhaupt daran gedacht hat, diesen Ueberfluß für die Zeiten der "Rot auszusparen und aufzuspeichern. Darum rät Joseph, nur mit Fleiß und Sorgfalt alle Vorräte der fruchtbaren Jahre für die unfruchtbaren zu bewahren. Man sollte lneinen, diese Deutung wäre doch nicht allzu schwer auszufinden gewesen. Alle Fruchtbarkeit Aegyptens ist, wie jedes Kind weiß, vom "Nil abhängig. Seine jährlichen Ueberschwemmungen feuchten und düngen den Boden und die alten Aegypter haben schon vor länger als viertausend Jahren sich diesen Umstand durch eine vortreffliche Kanalisation zu Nutze gemacht. Ist diese Ueberschwemmung einmal nur gering oder sie bleibt ganz ans, so ist die "Rot da, und weder Getreide noch Vieh kann gedeihen. Aus dem Nil also steigen die fetten und die mageren Kühe, die vollen und die leeren Aehren herauf und bcbcuicn fruchtbare und unfruchtbare