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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-12-20 · 51 (20.12.1895) · p. Seite 843

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
51 (20.12.1895)
Date
1895-12-20
Page
Seite 843 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 51. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 843. nötigt, für Angehörige und die eigene Zukunft zu sorgen. Namentlich die Großstadt birgt eine große Zahl solcher Existenzen und lockt noch fortwährend Neulinge herbei, die ihre Fertigkeiten verwerten, oder sich solche erst aneignen wollen. Die Fülle der zum Angebot stehenden Arbeitskräfte wirkt auf die Bemessung der Entlohnung herabmindernd ein, so daß eine Gelegenheit erwünscht, ja notwendig wird, die das zum Leben Erforderliche in angemessener Art und Form, aber gegen geringes Entgelt bietet. Ebenso wird für die von auswärts zum Lernen und Erwerben Zuziehenden eine Stelle notwendig sein, wo sie für das Erste entsprechende Unterkunft und des weiteren Rat und Förderung durch Anschluß an Gleichstrebende gewinnen können. Außer der leiblichen Pflege werden die Arbeitenden aber auch jener geistigen und gemütlichen Erholung nicht entbehren mögen, wie sie Häuslichkeit und Familie am schönsten gewähren, die aber nach der Lage der Sache fehlen und deshalb bestens ersetzt werden müssen. •- Solchen Anforderungen zu entsprechen beabsichtigt das Mädchenheim. Es bietet eine größere Anzahl gesunder, heller, einfach aber entsprechend ausgestatteter Zimmer zum Wohnraum für je zwei Insassen. Diese finden in dem gemeinsamen großen Speiseraum den täglichen Tisch früh, mittags und abends gedeckt. Badezimmer stehen zur Verfügung. Andere Räume dienen zur Geselligkeit und Erholung und ermöglichen ein anregendes Beisammensein der Pensionäre, denen Gelegenheit zur Musikübung, Veranstaltung von Vorträgen und Aufführungen und eine passende Bibliothek zur Einzelbeschäftigung in den Mußestunden auch höhere Annehmlichkeiten bieten wird. Während jede einzelne in der Ausübung ihres Berufes völlig unbeschränkt bleibt, soll die dargebotene Gemeinschaft die Familie soweit als möglich ersetzen. Edle Frauen werden in aufopfernder Milde die Veranstaltungen zur körperlichen und geistigen Pflege der Pensionäre überwachen und segenbringend gestalten." Ueber die Aufnahmebedingungen besagt der Prospekt: „Aufnahme findet jedes unbescholtene jüdische Mädchen, das auf eigene Kraft angewiesen ist, gegen Erlegung einer Pension von monatlich pränumerando 30 Mk., außer welcher nur noch 2 Mk. monatlich für die Benutzung der allgemeinen Einrichtungen zu entrichten sind. Im Anschluß an die Verwaltung des Heims wird eine Haushaltungsschule errichtet, die den jüdischen Töchtern ausreichende Gelegenheit bieten wird, alle Pflichten des Haushaltes kennen und üben zu lernen, und zwar in ernster Weise, so daß keinem Zögling die Handhabung der geringsten Dienstleistung erspart wird. Solchen, die Ausnahme in das Heim selbst nicht benötigen, wird Teilnahme an den gemeinsamen Mahlzeiten gegen Entrichtung von 10 Ps. für Mittag-, 25 Pf. für Abendessen gewährt werden. Durch Einrichtung einer Stellen-Vermittelung soll den Pensionären im Falle der Arbeitslosigkeit genützt werden." Ter Prospekt schließt daun: „So empfehlen wir das Heim dem Wohlwollen der betreffenden Kreise und hoffen, von treuen Freunden und Gönnern unterstützt, vielen ein wirkliches Heim, Pflege, Anschluß und Erholung gewähren zu können." Diesem Appell schließen wir uns an, und geben zugleich der Erwartung Ausdruck, daß unsere Rabbiner, Lehrer und sonstigen Beamte» des Judentums dem Mädchen heim besondere Aufmerksamkeit zuwenden, daß sie in ihren Gemeinden Umschau" halten werden, ob nicht diese und jene Tochter eines mit irdischen Gütern wenig gesegneten Mitgliedes die Institution des Mädchenheims für sich nutzbar machen, durch Ausbildung oder Verwertung ihre Fähigkeiten in Berlin sich auf eigene Füße stellen und ihren Eltern eine Stütze werden könnte. Die Adresse der Direktion ist in unserem Anzeigeteile zu finden. * Pädagogisches. Am 20. November fand in Siegburg die dritte Konferenz der Bezirke Köln und Bonn des „Vereins der Rabbiner und jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen" stall. Dieselbe war sowohl von Mitgliedern dieser Bezirke, wie auch von Mitgliedern der Siegburger Synagogengemeinde stark besucht. Der stellvertretende Bezirksvorsteher, Kupfer-Brühl, begrüßte die Erschienenen mit dem Psalmverse: „Siehe, wie schön und wie lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig zusammen wohnen" und schloß mit dem Hinweise, daß Gemeinde und Lehrer, Haus und Schule einträchtig zusammen wirken müssen, wenn die Zwecke der Erziehung und des Unterrichts erfüllt werden sollen. Dann erhielt Gut-Köln das Wort zu einem Vortrage: „Ueber Pentateuchunterricht". Derselbe trat warm für den Gedanken ein, daß der Unterricht im Pentateuch der Zentralisationspunkt für den gesamten jüdischen Unterricht bleiben müsse. Dann referierte Gold sch mid t-Köln über das von Dr. F. Feilchenfeld, Landesrabbiner von Mecklenburg-Schwerin, neu herausgegebencs Werk: „Kurzgefaßtes Lehrbuch der jüdischen Religion, für Schule und Haus." Dieses Referat, wie auch der Vortrag des Herrn Gut werden durch den Druck veröffentlicht werden. (Eine kurze Mitteilung über das Resultat, zu dem Herr Goldschmidt in seinem Berichte über das Religionsbuch von Dr. Feilchenfeld gelangt ist, wäre uns sehr willkommen. Red.) Der Vorsitzende des Vereins, Rabb. Dr. Lazarus, legte nunmehr in einem Schlußworte die Zwecke und den Nutzen der Konferenzen und des Vereins dar und ermahnte, auch fernerhin an dem begonnenen Werke rüstig weiter zn arbeiten und die Ziele des Vereins nach Kräften zu fördern. Die nächste Konferenz wird am Neujahrstage 1896 in Köln gleichzeitig mit der ordentlichen Generalversammlung stattsinden. Für dieselbe haben Heilberg-Beuel und Seelig-Siegburg je einen Vortrag übernommen. K. — Am 20. und 21. Rov. tagte der „Verein Israel. Lehrer und Kultusbcamten des Regbz. Cös lin in Schievelbein. Vonseiten der dortigen Gemeinde wurden die Mitglieder des Vereins aufs freundlichste empfangen. Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüßte der Vorsitzende des Vereins, Rabbiner Dr. Hahn-Stolp die Vereinsmitglieder, wie auch die zahlreich anwesenden Mitglieder der Gemeinde Schievelbein. Bei dem kurzen Rückblick aus die Thätigkeit des Vereines, gedenkt der Vorsitzende mit innigen Worten der Anerkennung des so früh verstorbenen Dr. Hoffmann - Neustettin. Die Versammlung ehrt durch Erheben von den Plätzen das Andenken dieses unvergeßlichen Mitgliedes. — Nach einer Begrüßung der Versammlung durch Herrn Salamon-Schievelbein folgte die von Herrn Prediger Kamerase- Belgard gehaltene Lehrprobe über: „Moses Mendelssohn", die eine lebhafte Diskussion veranlaßtc. Nach gemeinsam verrichteter Andacht erhielt dann Herr Dr. Josevhson-Lauenburg das Wort zu seinem Vortrag: „Ueber Ziel und Merhode des Unterrichts in der jüdischen Geschichte", sodann eeferierte Herr Dr. Hahn über die Stellungnahme des Ver-

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