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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-12-20 · 51 (20.12.1895) · p. Seite 841

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
51 (20.12.1895)
Date
1895-12-20
Page
Seite 841 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 51. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Sette 841. Herrn Dr. Rippner gelesen, der hat ihn auch gehört; er spricht wie er schreibt: knapp in der Form, klar in der Disposition, anregend im Gedanken, ungezwungen in der Ausführung. Er verzichtet aus jene äußeren Zuthaten all, die man teils psäsfisch, teils komödiantenhaft nennt und berührt den Sachkundigen wohlthuend und angenehm. Wie eine schlichte Vortragsweise aus das große Publikum wirkt, vermögen wir freilich nicht zu sagen, denn mir gehören nicht zu diesem großen Publikum. — Den besten Auszug aus der Rede des Herrn Dr. Rippner bringen sonderbarerweise die „Kreuzztg." und das „Volk". Vermutlich war es der Korrespondent des erstgenannten Blattes, der während der Predigt im rechten Seitenschiff saß und stenographierte. Das Blatt schreibt: Dr. Rippner knüpfte an das bevorstehende Fest der Makkabäer an und verherrlichte den Triumph Judas als einen leuchtenden Dezcmbertag in dem langen rauhen Winter jüdischer Unterdrückung, als eine That, die den Akut für die Zukunft belebt habe und für alle Zeiten eine stolze Erinnerung bleiben werde. Aber, gleichwie ein sonniger Wintertag die rauhe Kälte nicht dauernd verscheuche, nicht die Natur neu belebe, so habe auch die That der Makkabäer nicht dauernden Segen bringen können. Für Israel sei nicht Kriegsruhm das größte, das Haus seines Gottes sei dem Frieden und der Versöhnung geweiht. Damals wie heute begegne sich das Judentum nach langer Abgeschlossenheit mit der Kultur der Zeit, aber die Kultur der Gegenwart ist nicht matt und krank wie die heidnische, sie ist trotz mancher Auswüchse kerngesund, und trotz vieler Bitternisse ist es eine Lust, in diesem Jahrhundert zu leben. So ist auch jetzt die Aufgabe, die den Edlen in Israel — in Israel ist ja jeder bestrebt, ein Edler zu sein — vorgezeichnet. Daruin bcuwndern wir Juda Makkabi und singen auch jetzt noch sein Loblied, aber wir ersehnen ein höheres und'reineres, dessen Grundton nicht der Kanips, sondern die Versöhnung ist. Und weil wir die Palmen des Friedens schwingen, rufen wir in unseres Herzen Frieden: „Israel wird niemals wanken!" Hätte die „Kreuzztg." gemußt, daß aus dem Berichte sich nicht mehr werde herausschlachten lasseir, sie würde sicherlich ihren Stenographen nicht in die Synagoge geschickt haben. — Zu der Rede des Herrn Dr. R. wird uns geschrieben: „Das Thema der Predigt war durch den Tag gegeben. Herr Dr. Rippner sprach über Juda Makkabi, den streitbaren Helden, dessen Komps dem feindlichen Hellenistnus galt, dessen Sieg nur auf kurze Zeit des jüdischen Reiches Selbständigkeit neu begründete. Des Predigers Stellung brachte es nrit sich, daß er unerwähnt ließ, wer die Förderer des Hellenismus im Judentum gewesen, gegen die des zornmütigen Streiters Schwert sich richten mußte, daß die Vornehmen und Priester Israels selbst den König Antiochus von Syrien in planvollem, oder unbewußtem Landesverrat herbeigerufen. Herr Dr. Rippner ließ den Lorbeer Juda Makkabi's unangetastet; doch meinte er, in der heutigen Zeit der Aufklärung und wachsenden Gesittung, in der es eine Lust sei zu leben, brauchte die Judenheit gegen den moderner: Hellenisnrus sich nicht abzusperren, könnte sie getrost ihre Pforten weit austhun, bedürfte sie eher eines anderen Joseph von Egypten,^ eher eines anderen Juda, der gleich dem Sohne des Patriarchen Jakob mit den Egypterrr friedlich auszukommen verstand, als eines zweiten Juda Makkabi. — Es verdient Dank und Anerkennung, daß Herr Dr. Rippner in seiner Predigt eine Art Programm gab. Freilich bilden Tank und Anerkennung noch keinen Zwang, dem Prediger beizupflichten. Es ist zum mindesten denkbar, daß man außerhalb Glogau's nicht unbedingt überzeugt ist, es sei für die Juden gegenwärtig eine Lust zu leben, und das Gebet um Wiedererstehung eines Juda Makkabi sei unangebracht. Allerdings muß eingeräumt werden, daß Joseph, der Kanitz von Egypten, für Manchen zeitgemäßere Züge tragen mag. Wir wollen nicht verhehlen, daß unsere stärkeren Sympathien dein Makkabäer Juda gehören, und daß wir nicht blos mit den Lippen, wie Herr Dr. Rippner voraussetzte, sondern aus vollem Herzen in diesen Tagen das Makkabäerlied gesungen haben: Unser Schup, Du unser Trutz — Uubesieglich macht Jehovas Bund! Pharos Knecht', Sein ganz Geschlecht Sanken wie der Stein zuin Meeresgrund! deicht unerwähnt soll bleiben, daß die Einladung des Vorstandes an Herrn Dr. Rippner zu einer Zeit ergangen ist, in der wenigstens der Vorstand einen andern Ausfall der Repräsentantenwahlen verntutete. K. — Protest. Wie wir erfahren, sind gegen die Repräsentantenwahlen sowie gegen die Einführung der neuen Repräsentanten an zuständiger Stelle Proteste eingelegt worden. Das entspricht dem Brauch bei den politischen Wahlen. Auch das praktische Ergebnis pflegt ähnlich zu sein. — Namen nennen! Aus den Kreisen des Zentralvereins wird uns geschrieben: In der aur 26. November abgehaltenen öffentlichen Versammlung des sogenannten liberalen Vereins äußerte sich Herr Professor Dr. Buka dahin, daß Führer des Zentral-Vereins zu ihm und seinen Genossen ein tiefes Bedauern unb Mißfallen ausgesprochen hätten über die Art, wie der Wahlkampf geführt worden sei, daß sie sich aber „des Anhangs nicht hätten erwehren können." Wir haben Umfrage gehalten, und von allen Seiten ist unbedingt in Abrede gestellt worden, daß Herr Professor Buka zu seiner Auslassung Ursache gehabt hätte. — An Herrn Professor Buka wird es nun sein, durch Namensnennung sestzustelleu, wer etwa die zweideutige Rolle gespielt hat. — „Jirderrannoireen" in antisemitischen Blättern. Der Inhaber eines hiesigen Geschäftshauses, der sich, wie es scheint, durch unsere Bemerkung in der vor. Nr. getroffen fühlt, sendet uns folgende Zeilen: „Sehr geehrter Herr Redakteur! So sehr ich mit der Haltung Ihres gesch. Blattes und der lebhaften Schreibweise desselben einverstanden bin, so muß ich dennoch sagen, daß Ihr wiederholter Angriff gegen diejenigen jüd. Geschäftsinhaber die in gegnerischen Blättern inserieren, nicht gerechtfertigt ist. Dieser Angriff beweist, daß Sie nicht Kaufmann sind; «ie würden sonst anders urteilen. Unsere Geschäfte leben von der Kundschaft, die wir nicht fragen, ob sie, und die uns nicht fragt, ob wir Juden oder Christen, Philo- oder Antisemiten sind. Inserierten wir in gegnerischen Blättern nicht, so würden wir mit diesem Prinzip brechen und dadurch bezeugen, daß uns die Leser jener Blätter als Käufer nicht erwünscht seien. Das hieße, die Parole antisemitischer Schreier: „Kauft nicht bei Inden!" umkehren und aus ihr eine neue Parole machen: „Verkauft nicht an Antisemiten." Diese wäre aber ebenso unvernünftig und ebenso unsittlich wie jene. Dies meine Ansicht, die ich Ihnen durchaus nicht aufoktroyieren will ... ." Der Herr Einsender, dessen Namen wir nicht nennen, obwohl er uns darum nicht ersucht hat, thut auch gut, uns seine Ansicht nicht ausoktoyieren zu wollen, da wir mrs zu ihr nimmer bekennen werden. Der Herr spricht schlechthin von „gegnerischen" Blättern, vermeidet aber konsequent, sie beim rechten Namen zu nennen. Wir verstehen, trotzdem wir nicht Kausleute sind, sehr gut, daß jemand in einem Blatte der politischen Gegenpartei, daß beispielsweise ein Fortschrittler in einem reaktionären, ein Reaktionär in einem fortschrittlichen, daß ein Jude in einem konservativen oder klerikalen Blatte inseriert, trotzdem durch diese Anzeigen das publizistische Unternehmen des politischen Gegners gestützt, ja oft erhalten

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