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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-11-29 · 48 (29.11.1895) · p. Seite 781

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
48 (29.11.1895)
Date
1895-11-29
Page
Seite 781 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 48. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seile 781. Lehrer das geschriebene Gesetz zum Leitfaden der Vorträge nahmen, und aus Grundlage und nach der Reihenfolge der Gesetze den tradierten Lehrstoff vortrugen, wie wir dies in den Midrasch-Werken zum II. III. IV. und \ . B- Mose (Mechilta, Sisre, Sisri) finden, gruppierte R. Abika den gesamten Lehrstoff nach Gleichartigkeit und Gleichnamigkeit seines materiellen^nbalts und brachte ihn in ein Lehrsystem. Mit diesem System hat R. Akiba den Grund zur „Mischna" und mittelbar auch zum „Tallnud" gelegt und dadurch Lehrern wie Schülern eine große Erleichterung des Studiums verschafft. Mit liecht haben dessen Zeitgenossen diese Neuerung außerordentlich gepriesen. R. Akiba verfolgte auch die Tendenz, die traditionellen Erklärungen und Entwicklungen des Gesetzes aus den Buchstaben der Schrift abzuleiten, wenn auch auf kosten des einfachen und grammatischen Sinnes. Von dem Glauben allsgehend, daß entweder die Gottheit oder der heilige Geist (Ruach Ha-Kodesch) den ganzen Pentateuch von Wort zu Wort, von Buchstaben zu Buchstaben durch Mose niederschreiben ließ, begnügte man sich nicht, denselben dein zusammenhängenden Wortsinne nach zu erklären, sondern war der festen Ueberzengnng, daß selbst jedes überflüssig scheinende Wort, jeder überflüssig erscheinende Buchstabe in diesen! Gotteswerke auf noch etwas anderes Hinziele und irgend eine Nebenbedeutung entfalte. Es leidet keinen Zweifel, daß di.se eregetische Methode, welche das gesunde Sprachgefühl beeinträchtigt, uns sonderbar Vorkommen mag; aber es war dies ein Zeugnis des herrschenden Zeitgeistes, der auch die Kirchenschrislsteller beeinflußte. So günstig die politischen Verhältnisse der Inden bei R. Akiba's Auftreten waren, eine so ungünstige Wendung nahmen sie in dessen letzten Lebensjahren, Nachdem die Römer den Aufstand der Juden in Kyrene — Afrika niedergeschlagen hatten, entstand ein solcher in Palästina unter Anführung des Bar-Kochba, wobei auch R. Akiba eine große Rolle spielte. Das war der letzte allgemeine Versuch der Juden, das eiserne Joch der Römer abzuschütteln. Dein Beispiele deS R. Akiba folgend, der Bar-Kochba als Messias hielt und die ganze Judenheit zur Teilnahme ain Kampfe für 'Ration und Religion begeisterte, eilten Lehrer wie Schüler aus das Schlachtfeld und sielen scharenweise im Freiheitskampfe. Die siegenden Römer begnügten sich nicht mehr. Hunderttausende vernichtet zu haben, sie wollten die Religion mit den Wurzeln vertilgen. Zu diesem Zwecke wurde die Todesstrafe aus die Ordination gesetzt*). R. Akiba, der ungeachtet des Verbotes nicht ausgehört zu lehren, erlitt mit diesen andern den 'Märtyrertod. Mit dem Thronesantritt der Antoniden traten wieder bessere Zustände ein, und der Synhedrion konnte seine ungestörte 'Wirksamkeit wieder aufnehmen, anfangs in Uscha, später in Tiberias**). Die Tanaiten-Epoche erreichte ihren Glanzpunkt in dem Patrirachate des R. Jehuda, des Sohnes Simeons, 180 bis 220. Sowohl bei den römischen Kaisern, als auch bei den Juden in großem Ansehen stehend, unternahm er die Redaktion jenes Werkes, welches in der jüdischen Litteratur, nach der heiligen Schrift, den ersten Platz einnimmt. Aus Grundlage der von R. Akiba dazu genlachten Anfänge und der Vorarbeiten von dessen vorzüglichstem Schüler, R. Meir, sammelte und systemisierte er den ganzen Lehrstoff zu einem Werke, das „Mischna" genannt wird. «Ein fünftes Kapitel folgt.) *) Jeder vollberechtigte Lehrer mußte entweder vom Synhedrial-Präsideiiten oder von einem ans drei ordinierten Lehrern bestehenden Kollegium ordiniert werden, um in religiösen Angelegenheiten eim scheiden 31t dürfen. **) Das Synhedrion hat mehrere Male den Ort seines Sitzes geändert. CS scheint, daß es absichtlich jene Städte mied, wo der Sitz eines Bischofs war, 11m Kollisionen aus dem Wege zn gehen- So mied es Jerusalem, obwohl es den Inden bis nach Hadrian (Graetz, 6t. d. I. IV. 523) erlaubt war in Jerusalem zn wohnen, weil dort seit der Zerstörung des Tempels nnunrerbrochen der Sitz eines Bischofs war (Eusebius, R. G. IV., E. 6); und da sich später auch in Jamnia eine Christengemeinde bildete und im dritten Jahrhundert auch ihren Bischof hatte (EnsebiuS: lieber die paläst. Märtyrer, E- 11), so mag ans diesem Grund das Synhedrion Ianinia verlassen und Tiberias gewählt haben, welches nicht als Bischofssitz in den Quellen erwähnt wird.,. (sirätz, IV. 147 ist anderer Meinung- War noch eine schöne Zeit, Als Tarschanim reisten; Als sie noch beim Reich Hakohol, Nicht im Gasthof'speisten. Geiftessuuken sprühten da Zündend in die Mayen, Und der Rede Wort und Bild Könnt' man leichtlich fassen. - - War bei uuS ein solcher Mann Ginn zu Tisch gebeten; Wandernd zog er durch die Welt, Hatt' es nicht von Röten. In dem nahen Ungarland Lebt' er als Rabbiner; Hatt' in Fülle alles dort, Enten, Gänie, Hübner. Der ftlilmdk lllonat. „Rabbi! warum ließt Ihr denn Eure Landgemeinde Fragten wir ihn beim Dessert — „Hattet Ihr denn Feindes" — -Feinde,' sagt er, ,warum die. Wer sollt' mich denn hassend Haben eher viel zu viel Mich in Ruh gelassen- — Zog nur fort, weil dort im Jahr Mir Ein Monat fehlte, Weil ich im Kalender nur Eli Monate zählte.' — „Wie das, Rabbis" forschten wir. Wollt' uns das erklären! Aeüt uns doch nicht immerfort Mit solch' Wunderinähren.'" -In dem Städtchen, wo ich wohnt', Giebt's verschied'ne Leute; Reich' und Arme sonder Zahl, Dumme und Gescheite. Hatte mancher Geld im KiS *), Doch nicht Lew'"*) znm (sieben; Andre hatten wieder Lew, Nichts im KiS zu leben- Kis und Lew war nie vereint, So daß Kislew***) fehlte; — Darum ging ich, weil ich nie Monat .Kislew zählte. Und io zieh' ich immerfort, Möcht' den Kislew finden; Habt Ihr ihn, bleib' ich bei Euch, Will's der Welt verkünden!'- Ter Rabbi schwieg, da blickten wir Uns traurig an, verstohlen; Er könnt' sich wohl bei uns ein Lew, Doch nickt den Kis sich holen. ■ Simon Bacher. K w CT — Beutel. Lew ZT — Herz. ***'» Kieslew — der dritte < gegenwärtige! Monat im jüd. Kalender.

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