Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 47 (22.11.1895)
- Date
- 1895-11-22
- Page
- Seite 768 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 768. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seile 47. Wochen-Chronik. Berlin, den 20. November. * Berliner Nachrichten. Der Zentralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde hat für die am 28. d. M. ftattfindende Repräsentantenwahl folgende Kandidaten ansgestellt: 1. SanitätSrnt Dr. Julius Blumenthal, 2. Gustav Loewenberg, 3. Siegfried Leichtentritt, 4. Julius Oppenheim, 5. Maurermeister Joseph Frankel, 6. Geh. Sanitätsrat Dr. Moritz Kirstein, 7. Profeffor Dr. Louis Le min, 8. Geh. Medizin.-Rat Professor Dr. Hermann Senator, 9. Justizrat Dr. Theodor Heymann, 10. Professor Dr. Adolph Baginsky, 11. Alexander Breslauer, 12. Oskar Berlin, i. F. Theodor Werther u. Co. Rachf., 13. Isidor Sachs, Direktor des Börsen-Handels-Vereins, 14. Tr. med. Julius Stern, 15. Rechtsanwalt Ignatz Holz, 16. Max Weiß, i. F. Weiß u. Kaphan, 17. Jsaac Blumenthal, 18. Isidor Gutmann, 19. Louis Sieskind, 20. Moritz Reufeld, 21. Rechtsanwalt Dr. Eugen Apolant I., 22. Max Saling er, i. F. Levy u. Salinger, 23. Leopold Benjamin, 24. Wilhelm Caspari, 25. Julius Oliven. — Die Kandidaten unter 1. — 6. haben dem bisherigen Kollegium als Repräsentanten, die unter 9., 11., 17., 19., 20. als Stellvertreter" angehört. — Wählerversammlungen. Je näher der Wahltermin rückt, desto größer wird die Beteiligung an der von: Zentralverein veranstalteten Wahlerversammlungen und desto lebhafter werden die Debatten. Die beiden letzten Versammlungen waren sehr stark besucht; der große Saal im Englischen Garten konnte am Donnerstag Abend die erschienenen Wähler nicht ,fassen; viele Hunderte füllten den Saal und sehr viele mußten heimkehren, weil kein Plätzchen mehr frei war. An das Referat des Herrn Spiewkowsky über unterscheidende Merkmale zwischen den beiden Vereinen knüpfte sich eine rege Diskussion, die das Eintreten eines Mitgliedes des liberalen Wahlvereins für die Reformgemeinde abwechselungsreich wurde. Wir behalten uns vor, in der nächsten Nummer einen besondern Bericht zu bringen, der objektiv die Vorgänge in Berlin und die einander bekämpfenden Parteien beleuchten wird, damit auch unsere auswärtigen Leser erfahren, worum es sich hier gehandelt. — Die am Montag im Deutschen Hof (Luckauerstr.) veranstaltete Versammlung war ebenfalls stark besucht und verlief ruhig und friedlich, weil kein Gegner des Zentralsvereins anwesend mar, den man hätte widerlegen können. Hier hatte in Vertretung des plötzlich erkrankten Referenten der Vorsitzende des Lokalkomitees, Herr Weinberg, das Referat übernommen, die Ziele des Zentralvereins besprochen und zur Förderung desselben ausgesordert. Hier stellten sich auch zwei Kandidaten, die Herren Dr. Stern und Direktor Sachs den Wählern vor; ihre Ansprachen fanden lebhafte Ausnahme. Der Vorsitzende teilte noch mit, daß am 26. d. M. (Dienstag abend) abends 8^ Uhr in der Tonhalle (Friedrichstr. am Oranienb. Thor) eine große allgemeine Wähle rversammlung stattfinden werde, in der Herr Prof. Dr. Lew in über die Wahlen sprechen wird und auch die anderen vom Zentralverein nominierten Kandidaten stch den Wählern vorstellen werden. — Ein Vorschlag. Man schreibt uns: Den Herren Repräsentanten der jüdischen Gemeinde wird ein Mandat auf 6 Jahre übertragen. Eine lange Zeit, in der sich vieles ereignen kann, zu den: Stellung zu nehmen, die Mitglieder der Gemeinoe dringende Veranlassung haben. Leider haben die Gewähren oft während der Wahlperiode vergessen, wem sie ihre Mandate zu verdanken haben; sie haben ihren Wählern selten oder gar nicht Gelegenheit gegeben, sie — die Vertreter — über diese oder jene wichtige Gemeinde- Angelegenheit zu interpellieren. Dies muß, soll der Enthusiasmus, der die Wähler jetzt so erfüllt, nicht bald erkalten, in Zukunft anders werden. Der Centralverein muß fortan durch regelmäßige Versammlungen allen seinen Mitgliedern und Anhängern Gelegenheit geben, mit den Herrn Repräsentanten, welchen sie durch die Wahl ihr Vertrauen bewiesen, in ständigem Verkehr zu bleiben. Dies ist eine conditio sine qua non! Repräsentanten, die es mit ihrer Pflicht ernst nehmen, werden sich in solchen Versammlungen auch gern ihren Wählern stellen, um ihnen so Gelegenheit zur Erörterung von Mißständen in der Gemeinde-Verwaltung und zu sonstigen Interpellationen zu geben. Nur aus diese Weise kann eine gedeihliche Entwickelung des Gemeindelebens herbeigeführt und können die hehren Ziele, welche sich der Centralverein und seine Freunde im Interesse der Erhaltung des Judentums gesteckt haben, dauernd erreicht werden. — Namensänderungen Die Zeitschrift „Der Standesbeamte", Zentralblatt für Standesbeamte, Amts- und Gemeindevorsteher, enthält in seiner Nr. 31 vom 1. November 1895 auf Seite 248 unter der Rubrik Namcnsänderungen auch folgende: „Preußen. Provinz Brandenburg. Der am 27. Januar 1858 zu Königsberg R. M. geboreue Kaufmann Louis Cohn, wohnhaft zu Leipzig, darf fortan den Rainen „Carsten" führen." Ferner in derselben Rubrik und Ueberschrist der Nr. 32 vom 11. November. „Der am 6. Dezember 1858 zu Pr. Eylau geborene Emil Wilhelm Kohn, Ziegeleibesitzer zu Wendisch-Drehna, darf den Namen „Kronhansen" führen." — Einen unfreiwilligen Kommentar zu der vorstehenden Mitteilung liefern die folgenden Zeilen, die wir in der neuesten Nummer der New-Porker Staatszeitung finden. Das Blatt schreibt: „Je weniger der Israelit erfahrungsgemäß geneigt ist, von alttestamentarischen Vorschriften abzulassen oder dem Glauben seiner Väter gänzlich zu entsagen, um so mehr muß eine andere thatsächliche Erscheinung aussallen; nämlich die, daß der Israelit das größte Kontingent der Leute liefert, die ihren Namen wechseln. Diese Neigung läßt sich doch nur durch den inneren Konflikt erklären, daß die Israeliten Juden bleiben, aber nicht scheinen wollen." — Bei den Stadtverordnetenwahlen in Berlin sind die antisemitischen Stimmen um 123 zurückgegangen, während ihre Gegner 7750 Stimmen gewonnen haben im Verhältnis zu den Wahlen im Jahre 1889. Unter den gewählten liberalen Stadtverordneten befinden sich auch sieben Juden; es sind dies die Herren Leopold Jacobi, Rechtsanwalt Ladewig, Justizrat Meyer, Fabrikbesitzer Dr. I. Ginsberg, Moritz Heitmann, Louis Sachs, Julius Martin Friedländer. Außer diesen sitzen noch drei Glaubensgenossen im Kollegium: R.-A. Sachs, Kalisch und der sozialistische Reichstagsabgeordnete Singer — rund ein „Minjan". — Statistisches Jahrbuch. Bekanntlich giebt der D. I. G. B. seit einem Jahrzehnt ein „Statistisches Jahrbuch über die Verhältnisse der jüd. Gemeinden in Deutschland" heraus, das ein Verzeichnis sämtlicher Gemeinden, ihrer