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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-11-22 · 47 (22.11.1895) · p. Seite 759

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
47 (22.11.1895)
Date
1895-11-22
Page
Seite 759 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 47. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 759. nehmen und das kränkende Mißtrauen gegenüber der Waisenkommission zu zerstreuen. Er ging sogar so weit zu bebehaupten, dieser Antrag des Vorstandes sei als ein Zeichen des Wohlwollens anzusehen. Aber trotz alledem konnte sich Herr Sachs der Wahrnehmung nicht verschließen, daß eine immer größer werdende Verstimmung in den Kreisen der Gemeinde Platz gegriffen habe, und um dieser Thatsache Rechnung zu tragen, ist die Kommission von ihrem frtthern Standpunkte zurttckgetreten und empfiehlt als eine Art Vermittlungsvorschlag nunmehr folgendes: 1) 5000 Mk. Mehrbewilligung für das laufende Etatsjahr auszusprechen, 2) dem Antrag auf Einsetzung einer gemischten Kommssion für heute zu vertagen, und 3) den Vorstand zu ersuchen, mit der Waisenkommission in Beratung zu treten und über das Ergebnis dieser Beratung zur Zeit der Versammlung Bericht zu erstatten. Herr Jacoby vom Vorstand hielt natürlich an dem Anträge des Vorstandes fest und betonte mit Entschiedenheit, daß nur rein sachliche Motive dem Anträge zu Grunde liegen. Herr- Direktor Hermann erachtet den von der Kommission vorgeschlagenen Ausweg als ganz acceptabel. Daß dabei die bekannten Vorwürfe gegen die Waisenkommission parademäßig wieder aufmarschierten, versteht sich von selbst. Auf Seiten der Mehrzahl der Repräsentanten steht man jedoch nach wie vor in dieser Angelegenheit dem Anträge des Vorstandes kühl bis ans Herz hinan gegenüber. Herr Sanitätsrat Dr. Blumenthal verweist auf allerhand Gerüchte, die durch das jetzt beliebte Vorgehen des Vorstandes bereits hervorgerusen, als ob in der Waisenverwaltung ganz unerhörte Dinge vorgekommen seien, welchen Vorwurf Herr Jacoby auf Rechnung der Opposition setzen zu müssen glaubte. Herr Martin Simon findet eine Verletzung der Mitglieder der Waisenkommission namentlich darin, daß in die gemischte Kommission laut Antrag des Vorstandes auch 2 Mitglieder des Kuratoriums der Waisenhäuser hineingewählt werden sollen. Er tritt für d.n Antrag des Herrn Sachs ein und bittet, um den Frieden und die Eintracht innerhalb der Gemeinde nicht zu stören, die gemischte Kommission abzulehnen. Für diese Kommission sprechen noch die Herrn Justizrat Dr. Tiktin und Moritz Heilmann, sowie zu wiederholten Malen die Beschwichtigungsweise des Vorstandes. Unterdessen ist noch ein Antrag des Herrn Geheimrat Marcuse eingelaufen, der sich im wesentlichen mit dem Anträge des Vorstandes deckt und nur die Mitglieder der Waisenhaus-Kuratorien von der gemischten Kommission ausschließt. Wesentlich neue Momente treten in der weiteren Diskussion nicht zu Tage. Die 5000 Mk. Mehrbemilligung werden alsdann einstinnnig gutgeheißen, über den Antrag der Kommission entscheidet eine namentliche Abstimmung, in welcher derselbe schließlich mit 11 gegen 9 Stimmen angenommen wird. Dieses Resultat ist nichts als eine vorläufige Vertagung, denn nach wie vor hängt das Damoklesschwert der gemischten Kommission über dem Haupte der Waisenverwaltung. Alle anderen Anträge sind damit vorläufig beseitigt. Punkt 5 der Tagesordnung: Einsetzung einer gemischten Vorberatung-Kommission betreffend der Verhandlungen mit der Reformgemeinde, wird wider Erwarten sehr schnell erledigt. Es ist dies ein Gegenstand von so einschneidender Bedeutung, wie ihm vielleicht kein zweiter zur Seite gestellt werden kann, und es ist schwer begreiflich, wie der Vorstand grade in einem Zeitpunkt, wo durch die unmittelbar bevorstehenden Neuwahlen zum Repräsentanten-Kollegium möglicherweise ganz andere Verhältnisse eintreten können, diese eminent wichtigte Angelegenheit noch zur Beratung bezw. Beschlußfassung stellen konnte. Die Kommission für allgemeine Angelegenheiten, in deren Rainen Herr Geheimrat Dr. Kirstein referiert, hat sich diesem Bedenken auch keineswegs verschlossen und beantragt dem entsprechend die Angelegenheit einstweilen zu vertagen. Wie aus dem Referate zu entnehmen, verlangt die Vertretung der Resormgemeinde vor allen Dingen juristische Garantien dafür, daß für alle Zeiten der bisherige Kultus der Reformgemeinde erhalten bleibe. Die Diskussion ist eine sehr kurze, für die sofortige Einsetzung einer gemischten Kommission tritt nur Herr Stadtrat Dr. Weigert ein; selbst der Vorstand sieht sich nicht in der Lage, angesichts der bevorstehenden Wahlen und der daraus mögerlicherweise sich ergebenden Aenderungen eine solche Maßnahme zu befürworten. Der Vorschlag der Komnüssion wird zum Beschluß erhoben, jedoch soll die Begründung desselben ausdrücklich im Protokoll vermerkt werden. Herr Moritz Manheimer hat den Antrag gestellt, eine besondere Kommission zu bilden für die Besetzung vakanter Ehrenämter. Die Versammlung tritt einem Vorschläge des Herrn Leonhard Sachs bei, von der Einsetzung einer' besondern Kommission Abstand zu nehmen, dagegen in Zukunft die Erledigung derartiger Angelegenheiten der Kommission für allgemeine Angelegenheiten zu überweisen. Zum Schluß wird noch eine Nachbewilligung einer Mehrausgabe von 317 Mk. für Speisung von Gefangenen an den Festtagen ausgesprochen. Damit schließt die öffentliche Sitzung. Die Derteilung der Juden auf der Erde. Von Bernhard Traubenberg. Den statistischen Ueberblick, den ich in den folgenden Zeilen gebe, habe ich der neuesten Ausgabe der bekannten Hübnerschen Tabellen vom Jahre 1895 entnommen und meine eigene Arbeit beschränkt sich auf die Umrechnung der dort gemachten prozentuellen Angaben in die entsprechenden absoluten Ziffern. In eine Kritik des beigebrachten statistischen Materials selber, die an manchen Stellen, ohne aber das Gesamtresultat erheblich zu beeinträchtig, nötig wird, will ich, als die Uebersicht störend, nicht eintreten. Die europäischen Zahlen decken sich — bis auf Rußland — wie mir scheint genau mit den amtlichen Erhebungen. In den übrigen Erdteilen beruhen die Angaben auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen, denen andere Wahrscheinlichrechnungen mit denffelben Anspruch auf Autorität gegenüberstehen. Indessen, wie gesagt, das Gesamtergebnis bleibt dasselbe und man kann das schließliche Resultat als ein ziemlich sicheres ansehen. Zunächst folge ich Hübner in der Aufstellung, welche in alphabetischer Ordnung geschieht: Abessinien Aegypten . Afghanistan Belgien Bulgarien . Dänemark . Deutschland Frankreich Algerien Tunis . . 200,000 8,000 14,000 3,000 24,000 3,000 570,000 53,700 43,000 45,000 Griechenland . . 6,000 England . . 58,000 Schottland . . 8,000 British Indien . 20,000 Kapkolonie . . 6,000 Australien (Festland) 13,000 Neuseeland . . 1,450 Italien . . . 46,000 Luxemburg. . . 1,000 Maxokko . . . 200,000

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