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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-11-14 · 46 (14.11.1895) · p. Seite 753

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
46 (14.11.1895)
Date
1895-11-14
Page
Seite 753 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 46. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 753. Stimmmittel wegen bekannten Entrepreneur andere hervorragende Kräfte auf dem Gebiete der Vokal- und Instrumental- Musik Mitwirken werden. — Noch einmal der christliche Staat. Mit der Idee vom „christlichen Staat" geht nun auch im christlichorthodoxen „Reichsboten" ein Theologe, namens Zahn (Bremen) gehörig ins Gericht. Er weist nach, daß „der Gedanke eines christlichen Staates in der Weltanschauung der ersten Christen keinen Raum hatte" und daß Staatsfragen mit der Idee des Christentums nichts zu thun haben. In den Schlußsätzen sagt der Verfasser: „Der christliche Staat, hat v. Hofmann in seiner Weisung und Erfüllung schon vor 50 Jahren gesagt, ist eine Lüge. Der Staat ist eine von Gott gegründete, durch seine Geduld bewahrte, unter dem Einfluß der Geistesmächte in der Welt sich entwickelnde Gottesordnung, aber er bleibt ein natürliches Gemeinwesen, und man begeht an ihm und seinen Gliedern ein Unrecht, wenn man ihn als eine geistliche, christliche Gemeinschaft behändst." — Oberrabbiner — Gödsche. Eine alte Ente mit neuen Federn läßt die antisemitische „Reichspost" in Wien auffliegen. Sie tischt am 13. Oktober die angebliche Rede eines „englischen Oberrabbiner's John Readclif" aus dem Jahre 1880 auf, welcher unter anderem auch gesagt haben soll: „Wenn wir uns zu alleinigen Besitzern alles Geldes der Erde gemacht haben werden, wird die wirkliche Macht in unsere Hände übergehen, und dann werden sich die Verheißungen erfiillen, welche unserem Vater Abraham gemacht worden sind u. s. w" Wie unsere Leser aus unseren mehrfachen Widerlegungen wissen, ist dies die berüchtigte Rede, die ein Großrabbiner im historischen Roman „Gaeta-Warschau-Düppel" von Sir John Betcliffe hält, also eine erfundene Mde, eine erfundene Situation! Wie unsre Leser ferner wissen, ist der Name Retcliff ein Pseudonym des aus dem Waldeck- Prozeß bekannten Rechnungsrats Hermann Gödsche. Daß er dereinst, zum „Oberrabbiner" gemacht werden würde, hat sich der gute Gödsche sicherlich nicht träumen lassen. — Kriegserinnerung. Da gegenwärtig mit vollem Rechte die Namen derjenigen Glaubensgenossen festgestellt werden, welche in den französischen Kriege sich ausgezeichnet haben, so möchte ich mir erlauben, den nachstehenden Divisionsbefehl der 11. Division, datiert St. Doms, den 17. Juli 1871 mitzuteilen. Derselbe lautet wörtlich: Divisions-Befehl. Der Grenadier Max Karfunkel von der 2. Kompagnie des 1. Schlesischen Grenadier-Regiments Nr. 10 hat sich als Posten auf der Bahnhofswache in St- Denis mit solcher besonderer Energie benommen, daß dieselbe hierdurch lobend anerkannt wird. Dieser Befehl ist sämtlichen Truppenteilen der Division bei Parole vor- Iulesen. gez. v. Malachowski, . General-Major und Divisions-Kommadeur- Hierbei ist noch zu bemerken, daß derselbe Grenadier am 25. Juli 1870, am Tage vor dem Ausmarsch nach Frankreich, zwei Kameraden mit eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens gerettet hat. Herr Karfunkel lebt seit dein Feldzuge in Berlin als Redakteur. Bh. S. Die von der Konferenz jüdischer Lehrer 1° o f Provinz Hannover gewählte Kommission zur Erledigung der Lesebuchfrage tagte auf Einladung des Lehrers Spanier- Stolzenau am 7. Oktober d. I. in Falks Hotel. Die Kommission bestand aus den Herrn Seminar-Direktor Dr- Knoller - Hannover, ^hrer Stern - Hildesheim, Lehrer Spanier-Stolzenau, Hauptlehrer Reutz-Aurich, Hauptlehrer Levy-Norden; ein weiteres Mitglied der Kommission war wegen einer Reise verhindert an der Beratung teilzunehmen. Auf Zuruf übernahm Herr Dr. Knoller den Vorsitz und Renß-Aurich die Schriftführnng. Dr. Knoller ersuchte Herrn Spanier, der sich freiwillig der Ausarbeitung eines erschöpfenden Referats unterzogen hatte, um Verlesung seiner Arbeit. Spanier gab im Anschluß an seinen Vortrag folgende Leitsätze: l. Der Mangel eines den gesetzlichen und pädagogischen Anforderungen der Neuzeit entsprechenden deutschen Lesebuches für jüdische Volksschulen erfordert, die Herausgabe eines neuen oder die Bearbeitung eines bereits vorhandenen guten Lesebuches. 2. In Erwägung dessen, daß es deutsche Lesebücher konfessionellen Charakters giebt, die obigen Anforderungen entsprechen, genügt die Bearbeitung eines solchen für jüdische Schulen. 3. Bei der Bearbeitung sind religiöse Stoffe gebührend zu berücksichtigen. 4. In anbetracht des bildenden Einflusses und des regen Interesses, mit welchem die Kinder Proben aus dem deutschen Drama lesen, sind geeignete Szenen aus den Meisterwerken deutscher Dramatiker, volkstümlichen Charakters, mehr als bisher sich in den deutschen Lesebüchern vorfinden, auszunehmen. Nach einer längeren Debatte, an der sich Stern-Hildesheim, Nenß-Anrich, Knoller-Hannover beteiligten, wurden die Leitsätze 1—3 angenommen, der vierte aber abgelehnt. Nach fast dreistündiger Verhandlung wurde die Sitzung aufgehoben." — Lehrerkonferenz. Der Verein jüdischer Lehrer der Ostprovinzen hält am 20. d- Nt. in Posen (Keilers Hotel) seinen siebenten Vereinstag mit folgender Tagesordnung ab: 1. Gesang: „Brüder reicht die Hand zum Bunde." 2. Begrüßung und geschäftliche Mitteilungen. 3. Rechnungslegung. 4. Besprechung der „Leitsätze für die Begründung eines allgemeinen Verbandes der deutsch-israelitischen Lehrervereine." 5. Unsre Ferienordnung. 6. Anträge und Sonstiges. * n Zweite Lehrerprüfung. In der letzten Oktoberwoche fand am isr. Seminar zu Cassel unter Vorsitz des Geheimen Regierungs- und Provinzial - Schulrats Kannegießer, des Provinzial-Schulrats Sternkopf, sowie des Landrabbiner Dr. Prager die zweite Lehrerprüfung statt, bei der von 14 Kandidaten 10 die Berechtigung zu definitiver Anstellung erhielten. Bei schriftlichen Prüfung wurden folgende Themata bearbeitet: 1. im Deutschen: Wie ist die Pflicht der Schonung der Tiere und Pflanzen in der Volksschule zu behandeln 2. in Religion: Isaaks Opferung, eine katechetische Behandlung auf der Mittelstufe. 3. im Hebräischen: Hanna's Dankgebet. (Sam. 1. Kap. 2. V. 1—11.) 4. in der Naturgeschichte: Die Nadelbäume (Tanne, Kiefer und Fichte, Behandlung auf der Oberstufe.) Kier und dort. — Von dem bekannten Werk von Nahida Remy das jüdische Weib ist soeben die dritte Auflage erschienen. Dasselbe enthält folgende Vorrede der Verfasserin (Frau Professor Lazarus): „Als ich dieses Buch schrieb, war ich Christin. Heute bin ich Jüdin; ich mußte Jüdin werden, nachdem ich durch meine Forschungen erkannt und vollends in meinen „Knlturstudien über das Judentum" bekannt, was die jüdische Religion bedeutet. Die Gesinnung also, welche diese Werke diktierte, ist nicht nur dieselbe geblieben, sondern sie ist bestärkt und — besiegelt." — In einem Urteile hat das Reichsgericht ausgesprochen daß, wenn schmähende Angriffe gegen den Kapitalismus in die Form der Zehn Gebote gekleidet werden, darin die Beschimpfung einer Einrichtung der christlichen Kirchen und der jüdischen Religiönsgesellschaft nicht gefunden werden kann. — Das Amt des in den Ruhestand versetzten, verdienten Predigers der israel. Gemeinde in Duisburg Herrn D. Lazarus, ist Herrn Lehrer N u ß b a u m aus Wittlich übertragen worden. — Am 2. d. Mstarb der Sekretär der israel- Kultnsgemeinde in München, Rechtsanw- Dr- Jacob Kohnstamm. Seit vielen Jahren als Sekretär der Gemeinde thätig, hat Dr- Kohnstamm zur Reorganisation der Gemeinde und zur Schaffung insbesondere der neuen Synagoge wesentlich beigetragen. Ein eingehender Kenner des Verwaltungsrechts und der Geschichte seiner Gemeinde, hat er als Verfasser der im Laufe seiner Amtsthätigkeit von der Verwaltung abgegebenen Schriftstücke sich als Meister der Sprache bewiesen und durch sein konziliantes Benehmen und seine Friedensliebe die Zuneigung fast sämtlicher Gemeindemitglieder, die Achtung der Behörden, mit denen er zu verkehren hatte, genossen. - Die Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunstnnd historischen Denkmälern des Judentums in Wien hat nun ihr

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