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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-11-14 · 46 (14.11.1895) · p. Seite 754

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
46 (14.11.1895)
Date
1895-11-14
Page
Seite 754 (sequence 18)
Language
German
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Seite 754. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Rr. 46. Muse ums lokal im Hause I. Rathausstraßc 18 eröffnet. In der letzten Zeit sind ihren Sammlungen wertvolle Geschenke an Kunstwerken, Büchern, sowie Objekte von historischem Werte zngekominen- Demnächst werden diese Sammlungen zum öffentlichen Gebrauche freigesrellt werden. — Die Israelitische Ungarische Litterarische Gesellschaft flieht bekannt, daß die Konkurrenzwerke für die vom Ausschüsse ausgeschriebene Preisfrage: „Tie Geschichte der auf dem Gebiete von Budavest bestehenden isr- Religionsgemeinden" (den Preis von 1000 fl. hat Paul Tencer im Subskriptionswege ausgebracht) bis spätestens den 80. Juni 1890 beim Gesellschafts-Präsidenten Herrn Tr. Samuel Kohn (Hollogasse 4) einzureichen sind. — Ter neueste statistische Ausweis über die Sprachenkundigkeit der Bewohner der Hauptstadt Ungarns spricht ebensowohl für die leichte Amalgamierung wie für den höheren Bildungsgrad der Juden. Tie ungarische Sprache, welche erst vor einem Vicrteljahrhnnöert zur Unterrichtssprache erhoben wurde, wird jetzt gesprochen unter /den Inden von 88,64 pEt-, unter den Lutheranen von 81,62 pCt. und unter den Katholiken von nur 79,55 pEt- Deutsch sprechen unter den Inden ‘ 8,57 pEt., unter den Lntheranen 68,70 pCt. und unter den Katholiken 68,95 pCt. Tie wenigsten Analphabeten rinden sich unter den Juden, nämlich 20,49 p(5t-, die meisten unter den Katholiken. — Ter ungarisch-israelitische Landes - Lehrerverein beabsichtigt anläßlich des Millenniums die Herausgabe einer Geschichte der Entwicklung der vaterländischen israelitischen Schulen, welche einen treuen Spiegel der kulturellen Bestrebungen der ungarischen Indenschaft bieten soll. -- Tr- Wadimir Mardochai Haffkin, der berühmte russische Arzt, der früher im Pasteur-Institut wirkte, ist von Indien, wo er seine Anti-Eholera Impfung ansgeführt hat, nach Paris znrückgekehrt- Tie indischen Blätter erklären einstimmig, daß Tr. Haffkin's Arbeiten von großem Erfolge begleitet waren, und vor seiner Abreise fand in der Medizinischen Gesellschaft zu Kalkutta ihm zu Ehren eine öffentliche Versammlung statt, wo statistisch nachgcwiesen wurde, daß die Zahl der tätlich verlausenden Eholerasällc abgenommcn habe, seit Dr. Haffkin's Jmpsmethode eingeführt wurde. Tr. Haffkin wurde einst ans Rußland ausgewiesen, weil er ein Jude ist, und er hat seit damals in Paris seinen Aufenthalt genommen. — Herr Luzzatti, der Ex-Minister und hervorragende Staatswirtschaftler, war aus dem Kongresse der Volksbanken, der jüngst in Bologna stattfand und von 600 Teligierten besucht war, der Gegenstand besonderer Ehrungen. Durch Zuruf wurde er zum Präsidenten des Kongresses gewählt, und seine Rede wurde am Schlüsse _ durch jubelnde Zurufe, wie „Lang lebe der Apostel der Staatswirtschaft" unterbrochen. Tie italienischen Volksbanken verdanken Herrn Luzzatti ihr Dasein; ihre Zahl ist seit 1870 von 50 auf 720 gestiegen- — Im hohen ©reifenalter ist Iran Mortara, deren Sohn 1857 gewaltsam getauft wurde, gestorben. Ihr Sohn, der Tomherr ist, hat dem Begräbnis beigewohnt. — Dieser Tage feierte Herr Oskar Ehayeß den 25. Jahrestag der Begründung seines Instituts in Odessa und empfing zahlreiche Glückwünsche, darunter schmeichelhafte Briefe vom Gouverneur von Odessa, General Zelenoi und dem früheren Bürgermeister Marazli. Am Tage der Ieier schenkte Herr Ehayeß den städtischen Wohlthätigkeits-Anstalten, sowohl jüdischen wie nichtjüdischen, 15,000 Mark und spendete außerdem zahlreiche Einzelgaben für arme Leute in Odessa und Wien (wo Ehayes geboren wurde). — Eininteressantes Geschichtchen wirdausTikoncn, Gouver. Lomza, berichtet; es bietet wieder einen Beweis für die freundlichen Gefühle, die Graf Schnwalow, der General-Gouverneur von Polen, für die Juden empfindet. Anläßlich der Herbstmanöver in Tikonen, sandte der General-Gouverneur nach den Zöglingen der jüdischen Schule und veranlaßre sie, mehrere Lieder zu singen. Graf Schnwalow und der Gouverneur von Lomza waren so entzückt von den Vorträgen, daß sie den Kindern Zuckerwcrk kauften. Gras Schnwalow händigte dem Lehrer außerdem eine Summe Geldes ein, damit er den Kindern einen Schmaus gebe. Als er merkte, daß eines von den Mädchen, namens Gold, ein besonderes musikalisches Talent zeigte, befahl der Graf, daß es nach Warschau geschickt werden solle,_ wo er es ans Staatskosten in der kaiserl- Akademie für Musik ansbilden lassen will. — Die Stadt Lodz hat*durch den Tod des Herrn Hermann Konstadt, Vizepräsidenten der jüdischen Gemeinde, einen ihrer hervorragendsten Bürger verloren- Die Stellung, die er in der Stadt einnahm, kann nach dem Umstande beurteilt werden, daß er Ehrenbürger, Ehrenmitglied des Stadtrats und Ehren-Schulinspektor war- Herr Konstadt soll in seinem Testamente zu wohlthätigen Zwecken 1 Million Rbl. ausgesetzt haben. — Leit mehreren Tagen zirkulieren in Petersburg Gerüchte über eine Inden Hetze in Kntais am 29. v- M., die sich als richtig erweisen. Durch einen unwesentlichen Streit zwischen einem alten Weibe und einem jüd- Knaben entstand ein Tumult von solchen Dimensionen, daß der Gouverneur Kosaken requirieren mußte. Bis 2 Uhr nachmittags wurde demoliert, dann trat Ruhe ein, welche aber schon um 4 Uhr wieder gestört wurde- Bis 9 Uhr abends dauerten die Angriffe ans die jüdische Bevölkerung fort. Mehrere Inden sind gefährlich verwundet worden. Erst durch das Einschreiten eines Bataillons Infanterie und Verstärkung der Kosaken konnte die Ruhe wieder hergestelll werden. Am folgenden Tage mußten sämtliche jüdischen Magazine geschlossen bleiben. Das von den Juden bewohnte Stadtviertel ist von Truppen ceriniert. — //©raff>h." meldet, daß ein Befehl des Dirigierenden Senats veröffentlicht worden ist, nach welchem diejenigen Juden, welche in den Rayons ihres beständigen Aufenthalts während der Dauer von fünf aufeinanderfolgenden Jahren Handelsscheine 1. Gilde gelöst haben, berechtigt sind, als Kaufleute I. Gilde auch in den Städten im Innern des Reichs zu leben- — Tie Zahl der Inden, die aus den Hochschulen Rußlands für das Jahr 1895/96 ist im einzelnen folgende: In der Universität Petersburg wurden von 192 Bewerbern 26 berücksichtigt; im technologischen Institut dieser Stadt fanden 5 Aufnahmen, von 241 Eingaben; in der Universität Moskau 17 Aufnahmen, von 149 Eingaben; im technologischen Institut derselben Stadt 19 Aufnahmen bei 178 Anfragen; in der Universität Kiev 38 von 249; in Odessa 14 von 169; in Kasan 3 von 76; in Tomsk 2 von 83; in Warschau 27 von 241; in Dorpat endlich 7 von 114. — Tie türkische Regierung hält das Verbot der Einwanderung fremdländischer Juden nach Palästina noch immer aufrecht- Ein dreißigtägiger Aufenthalt in Palästina ist Israeliten nur gestattet, um die heiligen Orte Jerusalem, Hebron, Tiberias und Safed zu besuchen; doch müssen sie bei der Landung in Jaffa der -Hafenpolizei Sicherstellung leisten, daß sie nach 30 Tagen das Land verlassen. Die von den türkischen Verwaltungsbehörden allein angenommene Sicherstellung ist die Stellung eines Bürgen in der Person eines ottomanischen Unterthanen; sind die Eintrittswerber außerstande, einen solchen beizubringen, so werden sie zur Landung nicht zugelassen. — In der Okupationsarmec in Madagaskar befinden sich mehr als 60 jüdische Soldaten, die nachweislich ausnahmslos in hervorragender Weise die Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten sich erworben haben. Sowohl bei den anstrengenden, auftreibenden Märschen in's Innere, als auch bei allen Gefechten gegen die Eingeborenen thaten sie sich durch besondere Opserwilligkeit und Mannesmut hervor. Elf davon haben demgemäß besondere militärische Auszeichnungen erhalten. Kriks- und Iragrlsaftrii. — Herrn Tr. B., hier- Ihre Mitteilung hat uns lebhaft interessiert und wird auch unsre Leser ungemein interessieren. Also: die „evangelischen Eltern" des Herrn Prof. Heinrich Oppenheim sind auf dem jüdischen J-riedhof in Hamburg bestattet, und der älteste Bruder des Herrn Professors, der „schon von evangelischen Eltern" ist, Herr Siegmund Oin Manchester, ist Vorsteher der — horribile dictu! — jüdischen Gemeinde daselbst! Es scheint, daß unsre in der ersten Erwiderung dem Herrn Professor gestellte Diagnose richtig war. — Herrn Pred- G-, Camen- Die homiletisch-pädagogische Beilage unsres Blattes erscheint vom nächsten Quartal — vergrößert und verbessert. Die in unsrer Mappe lagernden fachwissenschaftlichen Arbeiten werden alsdann sämtlich erscheinen. — Herren Gebr. W-, Borgholzhausen. Anstatt die Bettelbriefe aus Galizien an uns zu senden, werfen Sie sie in Ihren Papierkorb. Wir wiederholen: Die Bittsteller sind ausnahmslos Professions- Bettler, die momentan Ihre Stadt und Umgegend „bearbeiten". Nov. Cheschw rvseheir- 1895. 5656. Areitag . . . 15 28 Sonnabend . . 16 29 nns-n (Sabb.-Ausg. 4,55). Sonntag . . . 17 30 . sRenmondweihe.j Montag . . . 18 1! Rösch Chod- Kislev. Dienstag . . . 19 2 Mittwoch . . 20 3 Donnerstag . . 21 4 Areitag . . . 22 5

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