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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-11-14 · 46 (14.11.1895) · p. Seite 749

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
46 (14.11.1895)
Date
1895-11-14
Page
Seite 749 (sequence 13)
Language
German
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I t! II Nr. 46. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 749 Der Fremde sprang, mehr tot als lebend, entsetzt zurück. „Was wollt Ihr von mir?" fragte er mit zitternder Stimme. „Gebt mir, um Gotteswillen," flehte der jüdische Räuber mit kläglicher Stimme, „ein Almosen! Die Frau . . . neun Kinder ..." Fr. Bl. Wochen-Chronik. Berlin, den 13. November. ♦ Central-Verein für die Interessen der 4 jüdischen Gemeinde zu Berlin. ♦ ♦ Gvstze i'cvfrtiitmhttni. ♦ t JHintaj, de» 18. Ilaurmbct 1895, Jbtnbo S'/a Uhr ▼ Lnkkauerftraste 15. „Deutscher Hof." f ♦ Tages-Ordnung: ♦ ▼ 1. Unsere Stellung zu den Repräsentanten-Wahlen. ▼ Ä 2. Diskussion über die bevorstehenden Repräsentanten-Wahlen. 4 T Repräsentanten werden anwesend sein. a ▼ Mitglieder der jüdischen Gemeinde sind willkommen! ▼ 4 Der Borstand. 4 Central-Berein für die Interessen der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Donnerstag, den 21. November 1895, Abends 8Va Uhr in den „Hohenzollern-Sälen", Moabit, Bandelftr. 55 Tages -Ordnung: 1. Wahrung unserer staatsbürgerlichen Rechte. 2. Diskussion über die bevorstehenden Repräsentanten-Wahlen. Repräsentanten werden anwesend sein. Mitglieder der jüdischen Gemeinde sind willkommen! Der Vorstand. * Berliner Nachrichten. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat vor wenigen Tagen mit den Einladungen zur Repräsentantenwahl die Stimmzettel an die Gemeinde, Mitglieder verschickt. Wir bitten, diese Stimmzettel bis zum Wahltage, den 28. November aufzuheben, da ohne ihren Besitz die Ausübung des Wahlrechts unstatthaft ist. — Heinrich Rilkert hat am vergangenen Sonnabend das fünfundzwanzigjährige Abgeordneten-Jubiläum gefeiert. Ein Vierteljahrhundert hat der wackere Mann in den vorderen Reihen des überzeugstreuen Liberalismus gewirkt, ein untadeliger Charakter. Was er den politischen Parteien gewesen, denen er nahe gestanden, das haben die Organe dieser Parteien zum Ausdruck gebracht; seine Heimatstadt Danzig hat ihn durch Ernennung zum Ehrenbürger ausgezeichnet und sein über die Grenze der Partei hinansgehendes gemeinnütziges Wirken anerkannt. Indem wir den Glückwünschen der Parteifreunde und Stadtgenossen uns anschließen, gedenken wir insonders des Anspruches, den sich Heinrich Rickert auf den Dank unserer Glaubensgenossenschaft erworben hat. Er hat aufrichtigen Liberalismus bethätigt, indem er gegen den Antisemitismus sich wandte, nicht blos, wo sich ihm Gelegenheit bot, sondern auch wo er die gesuchte Gelegenheit fand. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus zählt ihn neben Gneist zu seinen Begründern. In seinem Gerechtigkeitsgefühl hat er dabei nicht auf Dank und, Anerkennung gerechnet. Doch darf er sicher sein, daß ihm gegenüber die Juden die Stammestugend der Dankbarkeit. nicht verleugnen — auch wenn der Vorstand der jiidischen Gemeinde Berlin vergessen hat, sich an der Feier seines Ehrentages zu beteiligen. Das unterblieb nur, weil der Vorstand weiß, daß er das Recht verwirkt hat, im Namen der deutschen Juden zu sprechen. — Wählerversammlungen. Heber zwei weitere Versammlungen, veranstaltet vom Eeutralverein für die Interessen der jüd. Gemeinde, haben wir heute zu berichten. Die eine wurde am vorigen Donnerstag in der Victoriabrauerei (Lützowstraße), die andere in den „Bruunenfälen" (Brunuenftraße) abgehalten. Beide erfreuten sich eines sehr starken Besuches; der große Saal in der Brunneustraße z. B. war überfüllt. In der Lützowstr. sprach Herr Fabrikbesitzer I. Weinberg über die Bedeutung des „Eeutralvereius" für unsre Gemeinde, in der Brunnenstr. Herr Fabrikbesitzer W. Goldschmidt über die bevorstehenden Wahlen. Beiden Rednern wurde Dank und Anerkennung seitens der Versammlung gezollt und beiden Vorträgen folgte eine lange und rege Diskussion, die die Wähler fast bis Blitternacht fesselte. An den Debatten beteiligten sich, außer den bekannten Wortführern, einige neue Verfechter der Sache des Judentums, die der heftige Wahlkampf aufgeschreckt hat aus ihrer Ruhe und sie veranlaßt hat, offen zu bekennen, daß sie zu uns gehören. Wir nennen in erster Reihe Herrn Professor Dr. Lew in, der sowohl in der Victoriabrauerei als auch in den Brunnensälen das Wort nahm, um die Phraseologie der Vorstandsschutztruppe, die sich unter der R7aske des liberalen Wahlvereins verbirgt, zu beleuchten, die Hohlheit und Hnwahrhaftigkeit ihres Wahlprogramms, das in seinem wesentlichsten Teile Worte, nichts als Worte enthält, zu beweisen. Tine detaillierte Berichterstattung über die beiden Versammlungen würde den Raum einer ganzen Nummer unsres Blattes überschreiten, ohne jedoch dem Leser ein getreues Bild zu gewähren von dem Enthusiasmus, der in allen Versammlungen des Tentralvereins zum Ausdruck gelangt, — diese Versammlungen muß man besucht, an dieser Begeisterung sich erwärmt haben, um beide zu würdigen. And darum möge dieser kurze summarische Bericht hier platz sinden. — Ein S chreib en jedoch, das in der Versammlung in der Victoriabrauerei zur Verlesung gelangte und mit rauschendem Beifall ausgenommen wurde, wollen wir trotz des uns knapp zugemessenen Raumes wiedergeben, denn dieses Schreiben ehrt ebenso den Absender wie den Wichtiger: die) Empfänger. Als ein im Westen wohnender Wähler erhielt auch Herr Geheimer Aommerzienrat Goldberger eine Einladung zu der am 6. d. R7. stattgehabten Wählerversammlung. Herr Geheimrat G. richtete an den stellvertretenden Vorsitzenden des Eentralvereins, Herrn I. Weinberg, folgende Zeilen der Entschuldigung und der Zustimmung: „Sehr geehrter Herr Weinberg! Zu meinem lebhaften Bedauern ist es mir nicht möglich, an der heute vom Centralverein berufenen Versammlung teilzunehmen. Sie wissen, mein Herz bleibt der alten Richtung treu ergeben, die auch die gute Sache vertritt. Ich hätte gern in Ihrer Versammlung diese meine Stellung, die übrigens ja in weiten Kreisen bekannt ist, deutlich zum Ausdruck gebracht und

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