Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 45 (8.11.1895)
- Date
- 1895-11-08
- Page
- Seite 726 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 726. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 45. Aiitiskuiitilchk üßouiirfc. Von einem germanisierten Talmudjuden. TL Allen kann es bekanntlich keiner recht machen, die Juden aber scheinen speziell das Unglück zu haben, was sie auch thun mögen, Tadler zu finden. Unzählige Witzworte voll beißender Ironie sind darüber unter den Juden im Umlauf. Das^ Lessing'sche „Ter Jude wird verbrannt" scheint die Krystallisation all dieser sarkastischen Anekdoten zu sein: — Zwei Edelleute malen eine Katze an die Wand. Der eine droht dem Juden mit einer Tracht Prügel, wenn er die Katze ansieht, der andere, wenn er sie nicht ansieht. Die Prügel sind also dem Juden jedenfalls sicher. — Ein polnischer Edelmann will zur Zeit eines drohenden Aufstandes gegen Rußland die Stimmung der Bevölkerung prüfen. Er legt russische Uniform an und fragt einen armen Teufel von Juden, mit wem er es halte. Den martialischen Pseudorussen ansehend, sagt er mit der bekannten semitischen Verlogenheit natürlich: „Mit den Russen". Sofort hat er seine Tracht Prügel von dem Polen weg. Gleich daraus trifft er einen Russen, der in polnischer Maske sich nach seinem Parteistandpunkte erkundigt, Natürlich lautet jetzt die Antwort aus die Frage: Mit wem hältst Du es, verfluchter Jude? „Rät den Polen", und ebenso natürlich erhält er seine Tracht Prügel. Run trifft er noch einen unmaskierten Christen, der ihir fragt, mit wem er es halte? „Mit keinem", antwortet der Jude, „schlag zu!" „Das sind Witze, charakteristisch nur für längst vergangene Zeiten!" O nein! Rothschild quält sich mit einer Cigarre, die nicht recht brennen will, und die „Kreuzzeitung" spricht von dem „schäbigen" Rothschild. Hätte er die doch wohl nicht ganz billige Cigarre, weil sie nicht recht brannte, gleich weggeworsen, dann hätte die „Kreuzzeitung" unbedingt von dem protzigen Rothschild gesprochen. Oder wirst man etwa nicht in einem Atem den Inden Knickerigkeit und protziges Wesen, Servilität und Hochmut, Aufdringlichkeit und Abgeschlossenheit vor? Bleiben wir gleich bei den eben erwähnten Vorwürfen. Wenn Kriecherei wirklich ein Fehler der Juden wäre, wer anders wäre für ihn verantwortlich, als die Christen der verschiedensten Länder, welche sie ein Jahrtausend hindurch wie Hunde behandelt haben? Thatsächlich aber ist Kriecherei, wie oft sie auch der Jude sich zu schulden kommen zu lassen scheinen mag, etwas dem jüdischen Geiste vollständig fremdes. In der Wüste schon war es ein „steifnackiges Volk"; es hat noch heute nicht den Racken beugen, kriechen gelernt. Daß dem so ist, das ist ein Verdienst der jüdischen Religion. Wer mit Recht oder Unrecht aus Grund der von der ganzen zivilisierten und einem großen Teil der halbzivilisierten Menschheit als heiligstes Buch anerkannten Bibel glauben darf, zum auserwählten Volke Gottes zu gehören, der kann sich über die schlechte Behandlung gleichviel wie hochgeborener vergänglicher Menschen, so unangenehm diese auch mitunter sein mag, im Geiste ruhig hinwegsetzen: Der Graf, der Baron, der christliche Hausknecht mißhandelt mich, das ist ein Akt der in ihm zurückgebliebenen Barbarei; ich bin doch ich, der eine zweitausendjährige Kultur hinter sich hatte, als seine Ahnen noch in Tiersellen gekleidet waren, der znnl auserwählten Volke gehört und den sein, auch von Christen wie Muhamedanern anerkannter Gott schon entschädigen wird. So etwa denkt der Jude, und wenn er doch kriecht, so ist seine Kriecherei nicht die eines Lakaien gleichviel welchen Standes, nicht die des Sklaven, nicht die aller anderen unterdrückten Völker, sondern mehr ein Akt der Diplomatie. Der Barbar, denkt er, der sich leicht zu brutalen Exzessen Hinreißen läßt, wird aus diese Weise am ehesten besänftigt, richten wir uns danach, ich reize ja auch die Bestie nicht, sondern suche sie möglichst bei guter Laune zu erhalten, ohne darum meiner Menschenwürde etwas zu vergeben. So denkt der Jude und kriecht nicht wie der Hund, sondern stets mit der reservatio mentalis, daß er eigentlich turmhoch über seinem brutalen Peiniger steht. Daß er oft zu solcher Kriecherei gezwungen morden ist, hat ihn verschlagen gemacht, hat ihn gelehrt, oft anders zu handeln als er denkt, genau wie die — Diplomaten. Daß dies wirklich die Denkweise der Juden ist, kann ich natürlich nicht mathenlatisch, wohl aber indirekt beweisen. Das sicherste Zeichen, daß jemand servil ist, ist brutaler Hochmut gegenüber Untergebenen, Menschen wie Tieren. Run ist eS eine allbekannte Thatsache, daß das Gesinde es bei den Juden gewöhnlich gut hat, und daß auf Tiere, eine oft ans Kindliche grenzende Rücksicht genommen wird. Wer einmal servil ist, ist es gegen alle, wenn sie ihm nicht zufällig untergeordnet sind. Ein Jude aber ist gegenüber dem andern niemals servil. Da herrscht zürn nicht geringen Aerger oft der reichen Juden das Prinzip vollständiger Gleichheit. Der ärmste jüdische Schnorrer achtet sich vollständig dem Reichsten gleich, und das ist ein Grund für die berüchtigte „Chuzpe" dieser Leute. Respekt, wirklichen, angeborenen, in Fleisch und Blut übergegangenen, unausrottbareir Respekt hat der Jude nur vor denr gelehrten Wissen. Die Juden sind vielleicht der einzige Volksstamm, der nur eine Aristokratie der Bildung anerkennt, früher gunüdfjft der Talmudbildung, jetzt überhaupt der Bildung. Der Rabbi, der Sohn des Rabbi, der Enkel oder sonstige Verwandte eines Talmudgelehrten, hatte vor noch gar nicht so langer Zeit stets Aussicht auf die besten Partien wegen seines „Jichus", und nach einer Verschwägerung mit einem so berühmten Gelehrten oder einem seiner Verwandten war am gesuchtesten die Heirat mit einem, der Talmudgelehrter werden wollte. Die Vorliebe der reichen Juden noch jetzt für die Verheiratung ihrer Töchter mit „Studierten" rührt nicht blos daher, daß diese eine bessere gesellschaftliche Stellung einnehmen, sondern von dem Respekt vor Bildung, und das ist auch der Grund, daß so viele Juden oft mit Ueberwindung unglaublicher Schwierigkeiten studieren. Für den, der die Verhältnisse kennt, ist es geradezu lächerlich, aus der Zahl der jüdischen Gymnasiasten und Studenten auf die Wohlhabenheit der Juden zu schließen. Unter meinen persönlichen jüdischen Bekannten, die studiert haben und zum Teil jetzt mehr oder weniger angesehene Stellungen einnehmen, haben sehr viele dies nur mit Hilfe von pekuniären und anderen Unterstützungen von Glaubens-- genossen thun können, und nicht wenige haben buchstäblich Tage lang gefastet, manche oft Monate hindurch eine Kost gehabt, die man verurteilten Mördern nicht eine einzige Woche verabreichen dürste, ohne daß ein Schrei der Entrüstung durch ganz Europa ginge, wenn es bekannt würde. Ich selbst mußte, obwohl ich vom Glück ganz außerordentlich begünstigt wurde, vorübergehend aus der Rot eine Tugend machen und Vegetarier werden, und zu einer anderen Periode meiner Studienzeit habe ich viele Wochen keine einzige warme Mahlzeit gehabt, es sei denn Thce. Was jetzt oft als jüdische Servilität und Aufdringlichkeit