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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-10-04 · 40 (4.10.1895) · p. Seite 644

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
40 (4.10.1895)
Date
1895-10-04
Page
Seite 644 (sequence 12)
Language
German
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Seite 644. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. 5Kr. 40. Straßen wurden lebhaft, und a 1 o der Zug herbeikam, da ries man den Fremden von allen Seiten die Worte zu: „Willkommen ihr Brüder, Gottes Segen über Euch!" Fort ging es unter Schall der Eimbeln und Posaunen dem Tempelberge zu. Unterdessen hatten sich die Einwohner Jerusalems zerstreut, und dieser den einen, jener den andern Fremden eingeladen, das Wochensest in seinem Hause zuzubringen. Der Zug näherte sich dem Tempelberge, da nahmen die Eigenthümer, selbst wenn sie aus königlichem Gefchlechte waren, die Körbe von den Wagen, luden sie auf die Schulter und bestiegen den Berg unter Gesang. Als sie sich aber dem äußeren Borhof nahten, da verstummte plötzlich der Gasang aus Ehrfurcht vor dem Ewigen, aber dagegen schallte von dein Tempel her der bewillkounuende Gesang der Priester und Leviten, die den frommen Brüdern zu Liebe den heiligen Gesang, den David einst dichtete bei der Einweihung des Altars, anstimmten. (Fortsetzung folgt.) Zur An sie flim; bas alte Jahr Ein neues wurde uns geboren, Au dessen Sclnvcllc Glück und He l Im vollsten Mas; wir uns erkoren. Das Neujahrs- und Persöhnnngsfest Mit ihlem ernsten, strengen Mahnen Vorüber zog; wir dachten oft War wehmutsvoll an unsre Ahnen. Verzeihung wurde wohl gewährt, Für manche Sünde, manche Fehle, Wenn reuig wir bekannten sie. Dein Hort, int Aufschwung unsrer Seele! Ein Freudenfest naht jetzt heran, Erfüllt von Lust und Äcrzenschimmer; Das Fest der Hütten; Gottes Schub Zcigt's an, der ans uns ruhet immer. Der feste Wohnsitz ivird verlassen, Vertauscht wird er mit einer Hütte; Für den, der denkt, bedentnngSreich Ist heute noch die fromme Sitte. Wenn, was die crnstcii Tage Dir In's Herz gepflanzt, begann zu reifen, Tn wirst des Hüttenfestes Sinn Gar sicherlich dann bald begreifen- In schwanker Hütte müssen bansen, Nicht tvenig Tage nur an Zahl, Die Armen; sie ist ihre Wohnung, Beschirmt sie kaum beim kargen Mahl. In diese Hütten steigt hernieder, Ihr Üieichen! gebt mit voller Hand Ans das; Bedrängter Not entschwinde. Ans das; der Kummer wcrd' gebannt. Und Freude strömt in Eure Herzen, 'Wenn Sorg' Ihr scheuchet bis zum Rest; Wer so der Armnt Hütt' bedenket, Der feiert tv a h r c s H ü t t e n f c st! F. N. Wochen-Shronik. Berlin, den 2. Oktober. * Berliner Nachrichten. Auch die hiesige Gemeinde" besonders die große Zahl der Vereine haben ihre „Saison"- Diese beginnt gewöhnlich kurz vor oder unmittelbar nach Simchat Thora mit einem Unterhaltungs- und Tanzabend, der den Namen dieses Festtages trägt. Der Israel. Wohlthätigkeits-Verein Gemilu s - E h assod i m veranstaltet sein Simchas-Thora-Kränzchen am Sonntag, den 13. d. M. in Dräsels Festsälen, zu welchem der Vorstand der 'Mitwirkung hervorragender Kräfte sich versichert hat. — Der H u m ani - tätsverein für Gewerbetreibende veranstaltet ebenda ein gleiches Fest am 11. d. M. Nichtmitglieder, die an einem dieser Feste oder an beiden, teilnehmen möchten, wollen sich an die Vorsitzenden der Vereine — für Gemilus Ebasiodim Herr I. Rosenthal, Landsbergerstr. 70, und für den Hnmanitätsverein Herr A. Bücheft Hackescher Markt 2 — wenden. * Mit Dtöcker beschäftigt sich ein Berliner Korrespondent des „Figaro". Er schildert zunächst sein Aeußeres und meint, mit seinen lebhaften grauen Augen und seinein rosigen Gesicht würde er zunächst einen harmlos-gutmütigen Eindruck machen, wenn sein Kinn und seine Kinnbacken nicht einen zähen Willen verrieten, der nicht so leicht locker lasse. Sodann wird ihm Aufrichtigkeit, Ueberzeugungstreue und Eifer nachgerühmt. Wörtlich heißt es ferner: „Er hätte es sich in seinem Hosamt bequem machen können. Aber er hat es vorgezogen, nach allen Seiten hin zu kämpfen, und er hat das mit solchem Ungestüm gethan, oaß er fast allenthalben gehaßt wird: die Juden, die Sozialdemokraten und die Nationalliberalen reichen sich die Hand in ihrem gemeinsamen Haß gegen Stöcker, und die Konservativen sehen in ihiitz voller Unruhe ein entünt terrible, das mit dem Feuer spielt." Der gute Mann hätte hinzusetzen können, daß Herrn Stöcker'S Spiel mit dem Feuer, trotzdein es stets die Finger anderer Leute zu schädigen bestimmt war, schließlich seine eigenen ergriffen hat. * Der Westfälische Gemeinde-Verband hält am 6. d. M. seinen 5. Gemeindetag in B ochu IN ab. Die T.-O. enthält u. a. folgende Punkte: Antrag des Ausschusses ans Drucklegung des im Manuskripte vorliegenden zweiten Teiles des Gebetbuches, die Gebete für die Hochfeste enthaltend. — Antrag der Spnagogen-Gemeinde Dortmund und der Jnspektorenkonserenz, die Herausgabe einer billigen Schulausgabe des neuen Gebetbuches betreffend. — Beratung und Beschlußfassung über den seitens des Ausschusses vorgelegten Statntenentwurf für die zu gründende Rabbiuer- und Lehrer-Pensionskaffe des Verbandes. — Antrag des Ausschusses auf Verwendung des Restbestandes aus den Sammlungen für die russischen Juden zu humanen Zwecken ninerhalb der Provinz Westfalen. * Rischusmachen. Die „Nachrichten für Stadt und Land" in Oldenburg enthielten am 24. v. Mts. nachfolgendes Eingesandt: „Sedan-Feier. Es muß befremdend wirken, daß in den Ausschuß für die Sedanseier nicht einer unserer jüdischen Mitbürger gewählt ist. Der Ausschuß schreibt: „Wir rechnen aus die Mitwirkung der ganzen Bürgerschaft zur nationalen Jubelfeier." Wie können sich aber unsere jüdischen Mitbürger voll Lust und Liebe an einer Feier beteiligen, wenn sie sich bei jeder Gelegenheit zurückge setzt sehen. Seit Jahren hat ein Jude in Oldenburg ein Ehrenamt nicht mehr ausgeübt. Müssen die jüdischen Mitbürger zu den von der Stadt bewilligten Aiitteln zur Sednnseier nicht etwa beitragend Da wird kein llnterschied zwischen christlichen und jüdischen (Geldern gemacht. Man mögeJÜi Oldenburg endlich, wie es auch in anderen Städten der Full ist, unseren jüdischen Mitbürgern volle Gleichberechtigung zuteil werden lassen. Wer gleiche Pflichten zu erfüllen hat, muß auch gleiche Rechte haben." Hierauf antwortete jemand,

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