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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-10-04 · 40 (4.10.1895) · p. Seite 642

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
40 (4.10.1895)
Date
1895-10-04
Page
Seite 642 (sequence 10)
Language
German
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Seite 642 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 40. nehmen Lebens entwickelt. Die Söhne und Schwiegersöhne wurden mit wahrhaft fürstlicher Opulenz ausgestattet. (Schluß folgt.) * Ueber eine eigentümliche jüdische Sekte schreibt Oberst Anton Tuma in seinem bei Zuckschwerdt u. Möschke in Leipzig erschienenen Buche „Griechenland, Makedonien und Südalbauien," wie folgt: Die Israeliten sind in der Türkei durchweg Spaniolen, das heißt die in der Mitte des 16. Jahrhundert, eingewanderten spanischen Juden. Sie sprechen auch noch immer unter einander ein verkümmertes Spanisch. Sie sind fast durchweg Handelsleute und Geldverleiher. Eine eigene Sekte von Israeliten lebt in Salonik, welche Konsul von Hahn in seiner „Neise durch die Gebiete des Drin und Wardar" naher beschreibt. Diese Sekte heißt Deunms oder Mamini und sie scheint blos in Salonik zu existieren. Sie bekennen sich äußerlich zum Islam im geheimen aber zum Judentum. Sie halten sich möglichst abgeschlossen und be-- suchen die Moscheen nur so weit wie nötig, um den äußern Anschein zu wahren; in dieser Absicht unternimmt auch wohl hier und da ein Deunms eine Pilgerfahrt nach Mekka. Sie verheiraten sich weder mit Türken, noch mit rechtgläubigen Juden. Alan weiß nichts über ihre Glaubenslehre, doch konsultieren sie in streitigen Fällen über Religions- und Rechtsfragen die Rabbiner ihres Vertrauens. Man schätzte um das Jahr 1860 ihre Sekte aus 3000 Seelen. Die Deunmss zerfallen wieder in zwei Sekten, die Konjo und die Kovajero; diese verabscheuen einander in solchem Grade, daß namentlich kein Kovajero mit einem Konjo in demselben Hause wohuen oder an demselben Tische essen würde. Die Kovajeros sind meist Kaufleute und Schriftgelchrte: fast alle öffentlichen Schreiber und Bureaubeamten von Salonik gehören zu dieser Sekte. Sie bewohnen ein eigenes Stadtviertel bei der Porta Nuova. Die Konio sind arme Handwerker. Tagelöhner und Lastträger und leben in den höheren östlichen Stadtvierteln zerstreut. Der Stifter der Deunms- Sekte ist ein gelehrter Rabbiner namens Sabetai Levi, der um das Jahr 1667 in Adrionopel als Prediger einer neuen jüdischen Lehre austrat, hieraus nach Damaskus übersiedelte. Als er schon in verschiedenen großen Städten des osmanischen Reiches als angeblicher Messias einen großen Anhang gewonnen hatte, wurde ' er verhaftet, nach Konstantinopel geführt und vom Großvezier über sein Messiastum befragt. Um sein Leben zu retten, trat Sabetai Sevi zum Islam über, und bald danach wurden auch fast alle feine Anhänger äußerlich Muhammedaner. Mit der Zeit kehrten jedoch viele zum Judentum zurück und begaben sich unter falschem Namen nach Palästina, um dort Buße zu thun. Der letzte Rest von Sabetais Anhängern sind die ermähnten Konjo von Salonik. 12 Jahre nach Sabetai's Auftreten erhob sich einer seiner Schüler namens Barzelai, predigte mit geringen Aenderungen ungefähr dieselbe Lehre, wie jener und gewann ebenfalls viele Anhänger, die jedoch schließlich zun: Scheine ebenfalls zum. Islam übergetreten sind. Die Anhänger Barzelai's bilden die Sekte der Kovajeros. Sie haben ein rings von hohen Mouern umgebenes, streng verschlossenes Versammlungshaus, welches 4'.' Jahre 1855 der Gouverneur von Salonik unter einein Vorwände durchsuchen ließ. Man fand darin nur eine alte Frau, welche erklärte, hier als Pförtnerin bestellt zu sein. In dem großen, rings von Divans umgebenen Sale hingen ein uraltes persisches Schwert und ein langes Messer an der Wand; in einen: unterirdischen Raum fand man eine Geißel; sonst war alles leer. — Daß dieser „Sabeketai Sevi" identisch ist mit Sabbatai Zevi, über dessen Wer wir vor etwa zwei Jahren eine längere Arbeit veröffentlicht haben, sei, trotzdem dies jedem klar ist, hinzugefügt. * -ft * * Exotische Juden. Die schwarzen Juden von Ernaknlum schildert etne Studie der „Kölnischen Zeitung" wie folgt: Als Stätte verschiedener Religionen ist Kochin, das alte, für die Ausfuhr seines Pfeffers berühmte Kothinara, gewiß einer der interessantesten Plätze Indiens. Fs ist der Hauptsitz der katholischen Sprianer sowie einer kleinen Gemeinde von Restorianern, die wieder in mehrere Sekten zerfallen. Außerdem lebt aus dem Festlnude, d. h. in Ernakulnm, eine Kolonie schwarzer Inden. Es ist nicht genau festzuftelleu, aus welche Weise sie ddrthin kamen, und wenn man auch die Ansicht, daß sie die Nachkommen der Eingeborenen sind, die von Hiram und Tarschisch bekehrt wurden und Ernakulmn selbst das Ovhir König Salomons ist, als Mythe betrachten muß, so deutet doch vieles auf einen uralten Ursprung hin, und man wird kaum sehlgehen, wenn man die Gründung der Kolonie in die Zeit knrz nach der Freilassung der Juden unter Eyrus verlegt. Das Judenviertel Ernakulunr zeichnet sich wenig vor anderen orientalischen Städten aus. Die Straßen sind eng und stets von einer großen Menschenmenge, in der man sofort die charakteristischen, obwohl dunkeln, jüdischen Züge erkennt, belebt. Die Männer fallen sofort durch die vor die Ohren herabhängenden Locken und den langen Kaftan aus. Bei der weiblichen Bevölkerung findet man, besonders im Mädchenalter, wirkliche Schönheiten, die sofort durch die große», geistvollen Augen gegenüber dein stumpfen, sinnlichen Gesichtsausdrucke der übrigen Jndieriimen auffallen. Die Synagoge die mit prachtvollen alten Delft-Porzellanplatten gepflastert ist, entzückt jeden Kunstliebhaber. Man zeigt da werthvolle, mit Edelsteinen besetzte Mitren und andere beim Gottesdienste gebrauchte Stücke. Feuilleton. Novelle ans biblischer Zeit. Bon Dr- .Vtav( Weil (Fortsetzung.) Zitternd nahm das Mädchen die Spange, reichte ihm dagegen das Kettlein, den Blick zur Erde gewendet. Und nne sie den Arm hinneigt, es ihm zu geben, und er ihr seine Hand reicht, es zit empfangen, da ergreift eine heilige, unendliche Sehnsucht den Jüngling so wie das Mädchen, xit Hand zittert, hoch schlägt der Busen, und es begegnen Ich 8121 31

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