Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 39 (27.9.1895)
- Date
- 1895-09-27
- Page
- Seite 629 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. BO. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite f)29. ii; G t * Noch eine Separatgemeinde. (5'iuc orthodoxe Separate qcntcinbc hat sich in Magbebnrq gebildet, die am Nasch haschana ihren ersten starkbesuchten Gottesdienst abgchaltcn hat. Gründer der Bereinigung sind die Herren A. Geist, Gebr. Spiegel nnd Löwenthal. Tic Herren Rabb. Dr. Hildesheimer-Berlin, Hirsch-Hakberstadt nnd die Olenieindc Halberstadt haben je eine Thoraroltc der Bereinigung geschenkt nnd Frau A (Heist spendete ein schönes Parochos. - - Wie wir über Separatgcineindcn denken, dast wir jede Absonderung als Schwächung anschen, daraus haben wir nie ein Hehl gemacht- Diese unsere Ansicht kann uns jedoch nicht hindern, von der Gründung solcher Gemeinden Notiz zu nehmen. * St. Aus Amerika. Red. Dr. Michael Singer in Rew-Pork holte bei den einzelnen (Gouverneuren der Vereinigten Staaten deren Ansicht über die Juden ein. Daraus trasen bisher folgende Aeußerungen ein: John P. Altgeld, (Gouverneur des Staates Illinois, schreibt: „Die Juden im Staate Illinois gehören zu den intelligentesten, unternehmendsten nnd arbeitsamsten Leuten unserer Bevölkerung. Sie verhalten sich loyal unseren Institutionen gegenüber, sie sorgen für ihre Armen nnd Dürftigen lind sind vorzügliche Bürger." — William Blae Kinley, (Gouverneur des Staates Ohio, erklärt, es bereite ibm „ein Vergnügen, sagen zu können, daß die Bevölkerung des Staates Ohio unsere jüdischen Mitbürger hochachte. Die Juden Ohios sind gesetzliebend und unternehmend und bilden ein wertvolles Element des Gemeinwesens. Sie sind stets bereit, gute Handlungen zu vollziehen und an Bewegungen für die allgemeine Wohlfahrt teilzunehmen". - Edmund R. Morrill, Gouverneur des Staates Kansas, beantwortet die an ihn gerichtete Anfrage dahin, „daß die Juden so ordentlich, so gesetzliebend, so arbeitsam, so illäßig und einfach sind, wie irgend welche Klasse der Bevölkerung." — William I. Stone, Gouverneitr des Staates Missouri, schreibt: „Ich glaube mit Sicherheit behaupten zu können, daß die Juden fürsorgliche, gesetzliebende, vorwärtsstrebende Menschen sind. Sie halten, die Erfüllung der Bürgerpflichten anbelangend, den Vergleich mit dem allgemeinen Durchschnitte der Missourianer wohl aus. Das Glaubensbekenntnis ausgenommen, werden die Juden kaum als eine von den anderen verschiedene Bevölkerungsklasse betrachtet. Die Juden in Missouri sind „all right“, sie sind weder besser, noch schlechter als wir übrigen." — „Die amerikanischen Juden als Patrioten". Das Buch, welches kürzlich von Herrn Simon Wolf von Philadephia veröffentlicht wurde und den Titel führt: „Die amerikanischen Juden als Patrioten, Soldaten und Bürger", besitzt, außer seinem lokalen Interesse, einen hervorragenden internationalen Wert. Es ivurde geschrieben von einem Manne, der in der Lage war, die notwendigen Informationen an der Quelle zu erhalten, nnd ist deshalb wahrscheinlich genau, ausführlich und folglich glaubwürdig. Es enthält eine alphabetische Liste und zahlreiche Notizen über amerikanische Bürger jüdischen Glaubens, die in die Heere des Landes eingereiht wurden, von der frühesten Periode amerikanischer Geschichte bis auf die Gegenwart; eingeschlossen sind diejenigen, welche während des großen Krieges in dem Bundesheere kämpften. Das Werk enthält auch eine Reihe von Artikeln und Briefen, welche auf die in Betracht kommende Frage Bezug haben und von hervorragenden christlichen Männern Europa's und AinerikaS geschrieben wurden. Der durch die Veröffentlichung erzielte Gewinn soll jüdischen Wohlthätigkeits-Jnstituten überwiesen werden. Es wäre gut, wenn dieses Werk, von geistvollen und litterarisch-gebildeten Juden in anderen Ländern nachgeahint würde. Es giebt keine kräftigere Waffe zum Schutze des Judentums gegen die Angriffe der Antisemiten, als ein kategorischer und streng unparteiischer Bericht über die Inden als Bürger in den verschiedenen Ländern. Die Hülste der betreffenden Vorurteile ist bekanntlich das Ergebnis verblüffender Ignoranz tind könnte deshalb leicht aus der Welt geschafft werden. * w Kohaniili als Geschworene. Bei einer Leichenschau, die jüngst in London vor dem Koroner (Totenbeschauer) Herrn Alfred Hodgkinson abgehalten wurde, bat ein Herr Eohen, der als Geschworener ausgerusen wurde, um Entbindung von seiner Verpflichtung. Der Koroner: „Aus welchem Grundes" Herr Cohen: „Ich gehöre zum Stamme der Kohanim." Der Koroner: „Schön, was thut das?" Herr Cohen: „Alle Cohens werden dispensiert und wurden es stets. Wir dürfen nie einer Leiche nahekommen." Der Koroner: „Das ntag Ihr Glaube sein, aber das ist kein genügender Grund für Dispensation." Herr Cohen: „O, doch. Es ist gesetzlich festgestellt." Der Koroner: „Ich habe nie davon gehört." Der Koroner's-Gehilse: „Wir hatten früher schon viele Cohens, mein Herr, aber ein solcher Fall ist nie vorgekommeil." Herr Cohen; „Das mag fein. Aber es ist eiitmal mein Glaube, nnd Sie werden sicherlich nicht wollen, daß ich etwas Ihne, was zu thun mir verboten ist." Der Koroner: „Rein durchaus nicht, aber ich kann nicht zugeben, daß das eine hinreichende Entschuldigung ist." Herr Eohen: „Wenn in meinem eigenen Hause ein Todesfall einträte, dürfte ich die Leiche auch nicht sehen." Der Koroner: „Gut, ich habe genug Geschworene ohne Sie und will Sie entschuldigen; nicht weil Sie das Recht haben, dispensiert zu werden, sondern nur, weil ich nicht wünsche, daß Sie meinethalb gegen die Lehren Ihres Stammes handeln." Ob eine solche Toleranz auch in Deutschland möglich märe V! — Krer: mxö 6ort. — Antiseini tische Nohheit. Ter Reichstags-Abgeordnete Tr. Sigl schreibt in seinem „Bair. Vaterland" vom 21. September: „Einem Inden, welcher die Frechheit hatte, in ein antisemitisches Wählerlokal sich einzndrängen, ist in Wien etwas sehr Unangenehmes passiert. Tic Anwesenden berieten, was sie mit dem jüdischen Eindringling anfangcn sollten: dnrchhaucn oder anspncken. Endlich packten sie ihn, öffneten ihm mit Gewalt das koschere Mäulchen und spuckten ihm allesamt hinein! — Bis der wieder koscher wird! Was hatte er auch bei den Antisemiten sich einzudrängen?" — Wenn das esti „Indenblatt" geschrieben hätte! - Am 1. September Ist in Glinianp eine Baron Hirsch-Schule eröffnet worden. Während vor eilt paar Jahren, wenn von einer solchen Schule die Rede war, ein Streit unter den Inden entstanden ist, sind jetzt am ersten Tage der Einschreibung li>0 Knaben im Alter von 6 bis 12 Jahren in der ersten Klasse eingeschrieben worden, unter denen auch Knaben der orthodoxen Partei sich befinden. Bis heute besuchen die Schule 160 Knaben. Baron Hirsch arbeitet jetzt aus seinem Schloß Eichhöhc unablässig mit seinem Vertrauensmann, Herrn Tr. Sonncnfcld, an einer radikalen llmgestaltnng seiner Wohlthätigskeits-Bureaux deren bisherige Leistungen ihn nicht befriedigten. Hierbei kommen ihm die Erfahrungen, welche Herr Sonncnseld vor einigen Monaten auf seiner Reise durch Galizien, wo er Fühlung in zahlreichen Ortschaften mit den mastgebenden Personen genommen, zu statten. — Tr. Tiktin (ein Deutscher von Geburt) dessen rumänisch-deutsches Wörterbuch letzthin durch die Regierungspresie auf Kosten des rumänischen Staates veröffentlicht wurde, wurde zum Professor der deutschen Sprache an dem nengegründcten Staats-Lyceum in Jassy ernannt. Diese für einen Juden in Rumänien ganz ungewöhnliche Ernennung ist ein Zeichen der Achtung, welcher sich Tr. Tiktin in Regierung«'- krepen erfreute. Tie von einigen Blättern gebrachte Nachricht, dast der junge Professor znm Ehristentnme übergetreten sei, entbehrt der Begründung. im — Eine Bau-Genossenschaft, welche die Häuser in der Rue Eonprie, 14. Arrondissement von Paris besitzt, hat eine der größten £ ): LMbi