Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 39 (27.9.1895)
- Date
- 1895-09-27
- Page
- Seite 623 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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K>' ...I ■' £- "-MI Nr. 39. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 628. mit den Strafthateu des Herrn von Harnmerltein, sondern durch die Duldsamkeit gegenüber Anschauungen, iuk lic Herr Stöcker in seinen Briefen an seinen lieben Hammeritein dargetbau und die jetzt von dem konservativen Parteirat in aller Form gut geheissen sind zeigt sich nicht in neuer Beleuchtung. Die „kleine aber mächtige" Partei Ijat immer mit den Mitteln des Suggerierens gearbeitet, und sie kann gar nicht anders. Sie wird sich auch in Zukunft nicht ändern; weder ihre Zahl wird sich erheblich vergrößern, noch werdet: sich ihre Aktionsmittel modifizieren, noch wird ihre Macht abnehmen. Das liegt in der Natur der Verhältnisse nicht bloS bei uns, sondern überall, wo der Träger der Krone eine ausgedehnte Machtbefugnis hat und durch Erziehung und Gewöhnung gesellschaftlich an ganz bestimmte enge Kreise menschlich gebunden ist. Die Umgebung des Kaisers hat des Kaisers Dhr, die llmgebung des Kaisers hat über den Kaiser Gewalt. Das läßt sich nicht ändern, so lange die Umgebung unabänderlich ist und eine Verschiebung bloS nach der gleichgiltigen Richtung der Personen erfahren kann, gleichviel ob ans dem Throne ein Mann von großen oder von bescheideneren Gaben sitzt, von großer Urteilssicherheit, oder von natürlicher Neigung, sich dem Urteil anderer anzubequemeu. Darum sind des Freiherrn von Hammerslein verflossene und Herrn Stöckers jetzige Freunde nach anfänglichen: Schrecken wieder guten Muts - und sie dürfen es sein. Sie werden vielleicht aus Herrn Stöckers bewährte Kraft verzichten müssen. Aber das ist kein unersetzlicher Verlust. Herr Ahlwardt wird sich ihnen gern zur Verfügung stellen. Er thut es sogar billig, sehr billig, weit billiger jedenfalls als Herr von Hammersteii:, der von den: Konüts der Krenzzeitung der Staatsanwaltschaft angezeigt wurde, beinahe sechs Monate nach Aufdeckung der Mehrzahl seiner Sünden, aber unmittelbar nach der Entdeckung, daß Herr, von Hammersteiu den Namen des Vorsitzenden jenes Komitös auf Wechsel gestellt hatte. Z" Ehren der Herren Hammersteii: und Stöcker hat Erwin Dreipaß den Pegasus bestiegen und veröffentlicht in der Volkszeitung die Kindlein seiner Muse, die auch hier zum Worte kommen möge::. Das eine Poem ist überschrieben : „Aus uugedruckten Briefe» des Freiherr: v. H. au der: .^»ofprediger a. D. St." und hat folgender: Wortlaut: Anfang Juni 1895. Ich weiß nicht, was soll eö bedeuten, Daß ich so traurig bin. Die Ahnung kommenden Unheils, Die will nur nicht aus dem Sinn. Die luft in der: Paragraphen Des Strafgesetzbuchs weht kühl, Kanin kar:r: ich ruhig r:och schlummerr: Ans floragesticktem Pfühl. Fm Konnte, da sitzet Der Gras v. Finckenstein, Er raust sich aus die Haare, Das Maß scheint voll zu sei». Ach, der Pensionssonds der Zeitung, Die Rechnungen für das Papier, Sw machen so schwere Sorgen, Wie der Gläubiger scheußliche Gier! Es lause» verschiedene Wechsel Mit abgelausenern Ziel; Ich habe den „Staat gerettet", Doch wohl in zu großem Styl. Ach, Adolf, ich glaube, an: Ende Versink' ich mit meinen: Kahr: — Das hat mit ihren: Singen, Die „Kleine Presse" gethan! Ende Juni 1895. Vcife zieht durch mein Gemüt liebliches Geläute — Wenn der landtag heimwärts zieht, Ziehe ich in's Weite, Zieh' ich gen Tirol alsbald, Wo sie Gemsen schießen; Schaust Du einen Staatsanwalt, Sag', ich lass' ihn grüßen! Das andere führt den Titel: „Drei Balladen in einer", und lautet: Es waren zwei Königstreue, Die hatten einander so lieb, Sie ließen sich photographieren — — Für Flora, den Herzensdieb — Für die Gaß der Eine erglühte — So ward, inseriert' er's auch nicht, Aus der konservativen leuchte Das „beste" Gaßgltthlicht. Doch als es kam zuin Klappen, Zählt' er feine Schulden in: Reich, Gönnt all' der: Gläub'gern, der: Frommen Die Reisetasche zugleich! Ich lasse den Freund euch als Bürgen, Den Stöcker — was wollt ihr mehr? — Ihn rnögt ihr, entrinn ich, erwürgen - Len Freiherrn sah niemand mehr! — — Steckbrief. Gegen den unten beschriebenen ehemaligen Zeituugsredakteur Freiherrn Wilhelm v. Ha mm erst ein, welcher flüchtig ist, ist in der: Akten IL E. I. 414, 95 die Untersuchungshaft wegen rnehrfachcr schwerer Urkundenfälschung in Verbindung mit Betrug und Untreue verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Untersuchungsgefängnis zu Berlin, Alt-Moabit 12 a, abzuliefern. Berlin, den 28. September 1895. Der Untersuchungsrichter beirr: königlichen Landgericht I.