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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-09-20 · 38 (20.9.1895) · p. Seite 613

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
38 (20.9.1895)
Date
1895-09-20
Page
Seite 613 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 88. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 618. r / r darnin erinnern Anzeigen, in denen versichert ivird, der Kantor sei „ b v chmnsikalisch gebildet"; den Anzeigen obskurer Tanzlokale entlehnt ist die Versicherung: „A'itr gute.Uctittorcu und Prediger ist gesorgt"; jedes dieser Lokale versichert bekanntlich immer: „Für gute Speisen und Getränke ijt gesorgt". Giner dieser llnternehmer geht noch weiter. Er hat „nebbich!" - nichts, was er anpreisen könnte. Als ^orbeter snngiert vermutlich der biedere Hausierer in eigener Person und als „Prediger" irgend jemand, den man nicht gut als „Rabbiner" oder „Doktor" lancieren kann. Der Unternehmer null aber den Herrschaften, che zum Rrreinspazieren eingeladen werden, den Mund wäss'rig machen, und so zeigt er denn an: Neu!! Gasgtütjlicht-Neteuchtung. Neu!! Wenn das nicht zieht! Wir behalten uns vor, dieses Thema in einem besonderen Artikel gebührend zu beleuchten, — srei nach der Natur, ohne Gasglühlicht-Belenchtnng —, können aber schon heute die Bemerkung nicht unterdrücken, daß diese Anzeigen einen Notschrei ausstoßen, den alle Orgeln, gemischte und ungemischte Chöre in den Gemeindespnagogen nicht 311 übertönen vermögen. — Wir werden um Ausnahme folgender Zeilen ersucht: Diejenigen jüdischeil Religionsgesellschaften in Preußen, welche durch, die Reformen im Kultus der Gemeinde sich genötigt gesehen haben, einen eigenen Separat-Gattesdienst einzurichten, iverden in ihrem eigenen Interesse ersucht, den 'Namen ihrer Gesellschaft wie den des ersten Vorstehers derselben dem Büreau der Israelitischen Synagogen - Gemeinde (Adas Jisrv'llj Gipsstr. 22 schleunigst mitzuteilen. - Ans dem Jahresbericht der Alterversorgungsanftalt der jüdischen Gemeinde pro 1894/ 95 geht hervor, daß die Anstalt in diesen! Jahre 188 alten und würdigen Gemeindenlitgliedern eine freundliche Zufluchtsstätte geboten hat. Die l'il auch besetzt worden. Der Vorstand war hierdurch in der Lage, eine größere Anzahl Hospitaliten auszunehmen, so daß die Fahl derselben jetzt 218 beträgt. Die Einnahinen der Anstalt betrugen im Berichtsjahre 226,424,11 M., die Ausgaben 6."),910,87 Mark. — Ein „alter Antisemit" weissagt den Untergang der antisemitischen Parteien in einer eben erschienenen Broschüre. Die Führer nennt der Verfasser, mit Ausnahme weniger Jdealiflen, die ihr Fell zu Markte tragen, Streber und Krippenreiter, die mit Hilfe der Politik ein vergnügliches Leben führen ivollen. Wer weder schwindelt, noch ehrgeizige Streberpläne oder egoistische Geschästszwecke verfolgt, der ist ein „Verräter der heiligen Sache". Wenig schmeichelhaft ist auch für einzelne Führer der Antisemiten die in der Broschüre geübte Kritik. Nach derselben ist z. B. Professor Förster durch den von Berliner Antisemiten gespendeten Weihrauch in den Bannkreis des nationalistischen Größenwahns getrieben und irrt in demselben rettungslos umher. In der von ihm gegründeten Zeitung „Frei-Deutschland" schritt der größte politische Blödsinn mit der ernsthaftesten Miene in der Welt einher. Das edle Brüderpaar Ahlwardt-Böckel hat sich nach dem antisemitischen Verfasser lediglich zusamrnengesnnden, um das Geschäft der politischen Krippenreiterei in Kompagnie zu betreiben. Der „alte Antisemit" schließt seine Broschüre mit den Worten: „Der in politische Parteien und Eliguen zersplitterte und den Ltrcbergelüsten oder (Geschäftsinteressen einzelner sogenannter „Volksführer" dienende Antisemitismus ist zu einem Schädling in unserem nationalen Leben geworden." Verfasser der Brochüre i>t, wie der „Vorwärts" verraten kann, der verflossene Redakteur der verflossenen ,/Reuen Deutschen Zeitung", Erwin Bauer, seine Angaben sind aber dennoch wahr. * Juden im Heere. Das hiesige Komite zur Abwehr des Antisemitismus hat eine Liste der im deutschfranzösischen Kriege infolge ihrer Tapferkeit ausgezeichneten Inden angelegt. Die Liste ist noch lange nicht abgeschlossen, aber schon jetzt können folgende interessante Daten registriert werden: Das Eiserne Kreuz wurde verliehen: an '>0 Aerzte, 7 Offiziere (vom Hauptmann abwärts), 4 Feldwebel, 5 Vizefeldwebel, 1 Vizewachtmeister, 25 Unteroffiziere, 5 Gefreite, 187 Gemeine und 1 Feld-Telegraphen-Jnfpektor. Andere höhere Auszeichnungen erhielten: 14 Aerzte, 8 Offiziere, 4 Unteroffiziere, 51 Gemeine. - Einige Krieger erhielten neben dem Eisernen Kreuz noch sonstige hohe Orden. Die vom Konnte veröffentlichten genauen Namen der Dekorierten können wir wegen Raummangels nicht wiedergeben; sie sind and) ganz nebensächlich. Die Hauptsache ist die Thatsache, daß die Juden in dem letzten Kriege mit gleicher Selbstverleugnung, gleichen! Mut und gleicher Tapferkeit gefochten haben, wie ihre christlichen Kaineraden, und diese Thatsache ist durch obige Zahlen sestgestellt. *r Aus Rußland. Der Stadtrat in Odessa hat beschlossen, zur Erinnerung an die Thronbesteigung des Zaren Nikolaus II. eine Handmerkerkolonie für die Kinder armer griechisch - katholischer Eltern zu gründen. Eine mit der Ausarbeitung der Statuten betraute Kommission hat sämtliche in Odessa bestehende ähnliche Kolonien inspiziert, uin deren Einrichtungen sich zum Vorbilde zu nehmen. Die Kommission hat nun ihre Jnspizierungsmission beendigt und dem Stadtrate den Vorschlag gemacht, die geplante Handwerkerkolonie für Christenkinder nach dein Muster der in Odessa bestehenden jüdischen Handmerkerkolonie zu errichten, weil „die jüdische Handwerkerkolonie in Odessa auf der Höhe ihrer Aufgabe steht." Und doch bestehen in Odessa zwei nichtjüdische Handwerkerkolonien, die von der Kommission ebenfalls besichtigt, aber der Erwähnung nicht würdig befunden wurden! — Wie erinnerlich, hatte der Erzbischof von Warschau säintlichen ihm unterstehenden Diözesen untersagt, den Ban von Kirchen oder Wohnhäusern, die für Geistliche bestinnnt sind, jüdischen Unternehinern zu übergeben. Der Vorstand der Eparchie von Wolhynien jedoch schenkte der Verfügung des Erzbischofs kein Gehör. Deswegen zur Rechenschaft gezogen, erklärte der Priester aus Wolhynien wörtlich: „Seit fünfundzwanzig Jahren beschäftige ich Juden beim Bau der Kirchen in der mir anvertrauten Eparchie, und nieinals hatte ich dies zu bereuen. Mit einer Gewissenhaftigkeit, die ich bei den vthodvren Bauunternehmern leider nicht gefunden, führten die Juden meine Aufträge aus. Zudem zahlte ich den Juden weit billigere Preise, als die Orthodoxen von mir verlangten. Die jüdischen Arbeiter sind iminer fleißig und vor allein innner nüchtern, was ich von den orthodoxen Arbeitern leider nicht behaupten kann." Ter Erzbischof von Warschau ließ sich jedoch durch diese Rechtfertigung nicht überzeugen und entzog dein Priester die Befugnis zur Erteilung von Baukonzessionen in der Eparchie. * (Yalizische Finsternis. Wir lesen in der „Neuzeit": Die „Institution" der Wunderrabbi's und mit ihr z m Ml -

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