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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1895-09-20 · 38 (20.9.1895) · p. Seite 614

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
Issue
38 (20.9.1895)
Date
1895-09-20
Page
Seite 614 (sequence 14)
Language
German
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w Seite 614. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 38. der geistige Verfall des Judentums in Galizien, nimmt immer mehr überhand. Die größte talmndisch-rabbinische Autorität von ultrakonservativer Richtung, selbst eine solche, die das Glück hat, nicht durch den leisesten Anstrich profanen Wissens entstellt und entwertet worden zu fein, wird, selbst in großen Gemeinden und selbst unter Menschen von europäischer Tracht und mit europäischer Bildung, der ersten besten wunderrabbischen Pygmäe unterordnet, die „Religion der Vernunft und des Verstandes" sinkt zu nimm bloßen Betkultus herab. Tie Liturgie, eigentlich das „Vorbeten", erlangt die Wichtigkeit, deren früher das Talmudstudium sich erfreute. Ein wunderrabbischer Gaukler, der „vorzubeten" versteht und anstatt des historischen tiefernsten Synagogengesanges Lieder der höchsten Lebenssreudigkeit singt, bezaubert die Massen, selbst die nichtchaßidischen, viel mehr als der tiefte Talmudsorscher. Die Uebergangszeit, die allenthalben die besten Köpfe heranbildet und auch in Ostgalizien in den ersten Dezennien des gegenwärtigen Jahrhunderts Geschichtsforscher, Dichter, Religionsphilosophen hervorbrachte, ist längst verschwunden. Der durch sie geschaffene Drang nach jüdischer Bildung nahm sein Ende mit dem Jugendalter der diesen Bahnbrechern nachfolgenden Generation. Auch die Wunderrabbiner haben sich seit geraumer Zeit wesentlich umgewandelt, ihre Weltanschauung ist zwar dieselbe wie ehedem, aber die Kabala hat anfgehört die Grundlage ihrer Thätigkeit zu sein und ist sogar zur Inspiration und Erzeugung von Wundern nicht mehr notwendig. Mit dem ungeheueren Anwachsen ihrer Einkünfte, welches jenes der Rabbiner um das fünf- bis zehnfache übersteigt, so daß manche vom ersten Range für ihren Haushalt, an „Apanagen" für ihre Angehörigen und zum kleinen Teil für Verpflegungen der Pilger wöchentlich mehr als tausend Gulden verbrauchen, nahmen die Einfachheit, Genügsamkeit und Selbstzufriedenheit in ihrer Lebensweise ein Ende und an Stelle derselben traten Lebensbehaglichkeit, Luxus von eigenartigem Geschmack, Genußsucht und alle mit diesem Trieben verbundenen Folgen. — Ein düsteres Bild! * <*tn Wunder. In dem g a l i z i s ch e n Städtchen Sadagora, dem Sitze des Wunderrabbi Friedmann, ist am 1. dieses Monats aus den Mitteln der Baron Hirsch- Stiftung eine Volksschule eröffnet worden. Der Zudrang zu der Schule ist ganz enorm, so daß die Einrichtung eines 5()0 Schüler fassenden vierklassigen Schulhanses in Aussicht genommen ist. Daß die Ehaßidim den Baron ^Hirsch- Schulen abhold sind, haben wir in einer früheren Rr. mitgeteilt, umsomehr muß der Erfolg der Schule gerade in Sadagora überraschen. Der neue Rabbi von Sadagora scheint übrigens ein großer Wundermann zu sein. Oder wäre es kein Wunder, daß kein Wunder geschehen ist, um das verhaßte Schulprojekt zu verhindernd - Personalien. Versetzt: Herr E. Alexander von Bendors nach Marburg: — M. Wald mann, Zögling des Berliner Lehrcrseniinars, nach Tilsit; —Frendenl> er g von Rakwitz nach Bentschen; - Blnmenfeld von Stolp nach Rakwitz. — Mit der kommissarischen Verwaltung des Rabbiuats in Danzig ist auf ein Jahr Herr Dr. P o s n er, Zögling des Breslauer Seminars, betraut worden, lieber eine endgiltige' Besetzung hat sich der Gemeindevorstand noch nicht schlüssig machen können. — Gestorben: Herr A. 'snfffl, Lehrer und Mantor der altisraelitischen Gemeinde in Wiesbaden. — Am Montag ist Hr. Tr. Moritz Brasch in Leipzig gestorben. esse Vlätte*. * h. .1. wirft dem 4). vor, daß er ein wenig zu tief in'S Glas schaue. „Wie sagte P. verwundert, „Du machst mir hierüber Vorwürfe, während Du selbst ein Gläschen nicht verschmähst!" Hierauf X.: „Weißt Du auch, warum es im Talmud immer heißt: „trunken wie Lot", nicht aber: „trunken wie Roa", der ja auch den Rebensaft nicht verschmähete? Die Antwort liegt sehr nahe. Roa hotte, wie ich, drei verheiratete Söhne und durste sich in seinem Alter ein Gläschen gönnen. Wenn aber ein Lot, der, wie Du, Vater von zwei unversorgten Töchtern, an die Weinstube denkt, so verdient er eine Zurechtweisung." , * h. Eine Frau, die sich überzeugen wollte, ob ihr stets auf Reisen befindliche Gatte täglich bete, legte die Taschentücher desselben in den Tephillin-Beutel. Als nun der Reisende an seine Frau schrieb, sie möchte ihm Taschentücher senden, antwortete diese lakonisch: „Bete, und Du wirst Taschentücher bekommen." * h. Ein Witwer heiratete eine Witwe aus der Fremde, die angab, zwar kein Barvermögen, dafür aber eine reiche Ausstattung, besonders einen schweren vierarmigen Sabbatleuchter zu besitzen. Bei seiner Heimfahrt mit seiner Erkorenen, erstaunte der junge Ehemann nicht wenig, im Wagen zwei wohlgenährte Knaben zu finden. „Wein gehören diese Kinder?" erkundigte sich der Neuvermählte bei dem Kutscher." Das sind ja meine Kinderchen", antwortete für diesen die junge Frau. „Wie! Du hast zwei .Kinder? Warum sagtest Du's mir nicht vor der Trauung?!" „Das ist der schwere vier> armige Sabbatleuchter, von dem ich gesprochen, denn in Ermangelung eines eigentlichen Leuchters, pflegte ich am Vorabend des Sabbats die gebotenen Lichter den Kindern in die Hände zu geben, um den vorgeschriebenen Segen sprechen zu können." Diese Antwort gefiel dem Gatten und er aceeptierte den eigenartigen Leuchter. - ilur aus Metern Wege! | ♦ — ♦ 4 Ten Freunden und Bekannten nah und fern herzliche 4 Glückwünsche znm neuen Jahre. Berlin, .ynn "m'7 ♦ A. Levin und Tran. Verzeichnis iHeidingsfeld. V. Gottlieb, Mellderjenigen Mitglieder des israelitischen Lehrervereins für das St önigreich Bauern, die durch Zahlung eines Betrages zur Vereinskasse sich von der Nenjahrsgratnlation entbunden haben. Nt. Adler, Roth a. S. L. Anfänger, Willmars. A- Blum, Würzburg. Tr- A. Braunschweiger, Würzburg. S. Bnttenwieser, Hamburg- S. Buttenwieser, Rimper. S- Dingfelder, Ansbach. L. G. Ehrenreich, Höchberg. N. Ehrenreich, Wehrda. H. E'hrmann, Friedberg. Einsiädter, Mannheim. Ephraim Eisenmann, Marktbreit. S. Eisemann,, Westheim b. Hammelbnrg. N. Eschwege, Höchberg. H. Fink, Neustadt-Gödens. S. Fräiikel, Bamberg. A. Frank, Rödelsee. I. Freudenberger, .\Äcidingsfeld. B. Fulder, Diespeck F. Geßner, Hanimelbnrg. S. Gold stein, Oberlauringen. SH. Goldstein, richstadt- A. Gutmann, Trabelsdorf. M. Hammelburger, Haßfnrt. L. SHecht, Neustadt a. A. H. sHenmann, Eolmberg. I. Hirschmann, Fischach. Ai- Hofinann, Rothenburg a. T. M. Hommel, Thalmässing. D. Skissinger, Ermershanseii. Z. .Kissinger, Frankenwinheim. Skleestadt, Bamberg. I. Sinrzman», Kleinbardorf. I. Lautemann, Altenstädt. T. Lehmann, Brückenau. I. Löbenstern, Bnrgknnstadt. A. Mandelbaum, Würzburg. A. Manheimer, sHarburg. Nt. Ntarr, Gunzenhausen. S. Maßenbacher, Niederwern. S- Ntittel, Unsleben- W. Nenmann. Bnrgpreppach. Nordhäuser, Altenknnstadt. I. Nußbaum, Alteninuhr. B. Oppenheim in Gaislingen. H. Oppenheimer, Leutershausen. Nt. Oppenheimer, Trenchtlingen. Plant, Bnrgpreppach. A. Rau, .Hirschaid. A. lltosenblatt, Egenl 4

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