Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 4 (1895) Bestand Leo Baeck Institut
- Issue
- 38 (20.9.1895)
- Date
- 1895-09-20
- Page
- Seite 611 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 38. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 611. einer Einleitung lieferte. Bei der Herausgabe des Talmuds beschäftigte ihn noch B o m b e r g mit der Korrektur; aber schon in der Justinianischen Ausgabe des Talmuds am Ende der Trdnung Taharoth wird er als Ehrist erwähnt, -) und diese Angabe wird von Elia Bachur in der zweiten Vorrede zu seinem nccn ncs bestätigt, indem er von ihm schreibt: „früher, in Israel, hieß er'Jakob."In meinen Vorlesungen habe ich aus einige Stellen hingewiesen, in denen Jaeob b. Ehajim von seiner Ehristologie beeinflußt war. Nach ihm erstanden noch bedeutende Kenner der Masoroh, wie der bereits genannte Elia Bachur, ferner Salomo Norzi, Verfasser des klassischen Werkes '2' rrua. welches englische Ehristen, Freunde des überlieferten Schrifttertes, übersetzen wollten, und Lonsano, Verfasser des bereits selten gewordenen n-m- Ti*. In unserem Jahrhundert, das auf diesem Gebiete Wolf Heidenheim und Sal. Frensdorfs — dessen „Handbuch der Masorah" leider ein Torso geblieben ist — als Autoritäten aufznweisen hat, war es wiederum ein von Juden herstammender christlicher Gelehrter, der die Schrist- Masorah nach Handschriften neu herausgab. Dieses aus drei Bänden in groß Folio bestehende Riesenwerk ist von Dr. Christian Ginsburg hergestellt und in der kleinen Auflage von 250 Eremplaren (jedes für den Preis von 15 Pfund Sterling käuflich) gedruckt worden. In der That konnte nur in England ein solches Werk, für das Lord Beaconsfield allein viele Tausende beisteuerte, geschaffen werden. Und wir sollen auch dieses Mal ruhig mitansehen können, wie gerade in unserer Zeit, in der man nach langem Anstürmen gegen den überlieferten Schrifttert, wieder besonnener wird, zu diesem zurückzukehreu, zmn zweiten Male von nichtjüdischer Hand die Schätze der Masorah an's Tageslicht gezogen werden, und zudem noch zu einem Preise, der die allgemeine Anschaffung ganz umnöglich macht! 'Nun, der Jubilar, von dem diese Zeilen sprechen, ist die einzige jüdische Autoriät der Gegenwart, welche die nrasoretische Wissenschaft beherrscht. Was er bereits hierfür geleistet hat, zum Teil in Geineinschast mit Franz Delitzsch, ist den Fachmännern rühmlichst bekannt. Noch aber ist sein Werk der Masorah, dem er seine ganze Geisteskraft gewidmet, ungedruckt, weil die Kosten des Druckes, die etwa 2000 M. betragen würden, fehlen. Ich sprach bereits oben von Schätzen der Masorah; allerdings es sind solche, die nicht meßbar und nicht wägbar, aber von hohem Werte sind. Die Masorah bildet, wie bereits jener Weife der Mischna lehrt, einen Zaun um die Thora. Daher wohlan, ehren wir den Meister wie sein Werk. Sollten sich nicht unter den Reichen und Begüterten eine genügende Anzahl von Männern finden, welche die erforderliche Summe durch einzelne Beiträge auszubringen geneigt wären? Gewiß, man hat doch für so viele Zwecke Gelder bereit und sie werden für das Hochheiligste in unserer Wissenschaft sicher nicht fehlen. Hoffentlich bedarf es nur dieser Anregung, welche uni so eher in die Wirklichkeit umgesetzt werden dürste, wenn ich hinzu- -) Ich kopiere aus dem Exemplar in meinem Besitze: zn >"N zpy 2’jEr vv« -\-r -rx-r tzt •*; 2'p: TT£2 mrä zpy xip: PsT-r’z 2^2" vzr irr Tic levteii^ pvei Wörter (biblisch in Eha^gai 1 ,<i) l,at Nagel (bi Temmler L. falsch übersetzt und sich lächerlich gemacht: «lueluin vocatus est Im Israel« Jacohus «Sit aninia «ins addita fascieulo celebri! füge, daß der von mir geleitete Verein Mekize-Nirdamim die Drucklegung besorgen würde. Hierdurch tonnte der zweifache Zweck erreicht werden: das Maforah-Werk zu einem billigen Preise abgeben und so weiteren Preisen zugeführt werden; zugleich aber dürste noch ein Fond sich ergeben, um dem Jubilar an feinem Lebensabend eine Freude zu bereiten. Dr. A. Berliner. Feuilleton. 'Novelle ans biblischer Jeit. Von Triitarl Weil. Unter der Regierung des Königs Hiskijahu wohnte zu Engedi eine Witwe mit ihrer Tochter. Ihr Mann hatte ihr bei seinem Tode einen kleinen Acker hinterlassen, von dessen Ertrag sie nur kümmerlich hätten leben können, wäre er nicht durch den Fleiß ihrer Hände bedeutend vermehrt worden. Vor der Sonne noch stand sie auf, zündete die Lampe, weckte die Sklavin, ermunterte die Tochter. Dann giebt sie den Knechten Speise mit aufs Feld, nimmt Nathanaja, ihre Tochter, an der Hand, geht hinaus mit ihr in den Garten, und nun wenden sie beide ihr Angesicht nach Mitternacht, dahin, wo Gottes Tempel stand, beten in inbrünstigem Flehen ein Lied Davids, oder einen Gesang der Söhne Koras, oder was das eigene Herz ihnen eingab. Waren sie zurückgekehrt ins Haus, da schnurrte der Spinnrocken im eisernen Ringe, und die Linke des Mädchens war beschäftigt, den Faden des wolligen Flachses zu ziehen, die Rechte, ihn zu winden auf das spitzige Stäbchen vom Holze der Zeder; die Mutter aber stand vor dem hohen Webestuhl, warf mit geschäftigen Händen das fliegende Schisslein durch die gedrängten Fäden der Kameelhaare, vermischt mit der Wolle der Schafe; denn das Gewebe war bestimmt zmn Verkauf an sidonische Handelsleute. Dabei würzten sie die Arbeit mit lieblichen Gesprächen. Die 'Mutter sprach von den Thaten des Ewigen, wie er sich Israel, fein Volk, ausersehen habe aus allen Heiden, wie er es behüte, gleich wie der Adler feine Jungen bewacht; daß er königlich throne in Israel, in Jerusalem, seiner heiligen Stadt, erzählte dann, und wiederholte es gar oft, von der herrlichen Pracht im Tempel Gottes; denn ihr Mann hatte sie einstmals mitgenommen, als er zum Paffahfeste hingegangen gen Jerusalem. „Denn drei Mal im Jahre, so wie es geboten ist durch 'Moses, den göttlichen Mann", sagte sie, „ging er hin zur heiligen Stadt, am Passah-, am Wochen- und am Hüttensefte, brachte Dpser dar dem Herrn; nie ging er leer dahin. Wohlgeneigt waren ihm auch die Priester, die da dienen im Tempel; denn du weißt wohl, mein Töchterchen, daß der köstliche Balsam, der gebraucht wird zum Salböl der heiligen Priester, nur bei uns wächst, hier zu Engedi und in der Gegend, wo Jericho stand, das aber darnieder liegt, belegt mit dem Fluche Josuas. Den Balsambaum aber, den brachte die Königin von Saba mit zum (beschenk dem weisen König Salomo, der alle Dinge der Erde kannte, von der Zeder bis zum Jfop. Er aber schenkte die Bäume den Einwohnern zu Engedi, die er vor andern liebte, und pflanzte sie auch dort auf seinen Gütern bei Jericho; sonst aber wird der köstliche Baum nirgends gefunden, weder in Israel noch in C^0C